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Potsdam-Mittelmark Wofür sich die Stasi in Werder interessierte
Lokales Potsdam-Mittelmark Wofür sich die Stasi in Werder interessierte
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10:20 02.09.2017
Rüdiger Sielaff Quelle: dpa
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Werder

Wenn Rüdiger Sielaff über das Wirken der Staatssicherheit in der DDR spricht, begibt er sich auf eine Zeitreise. „Das sage ich meinen Zuhörern vor dem Vortrag immer, denn aus heutiger Sicht klingt vieles absurd“, sagt der Außenstellenleiter der Stasiunterlagenbehörde (BStU) in Frankfurt/Oder. Der 59-Jährige spricht am Montag ab 17 Uhr im Schützenhaus darüber, was die Stasi in der Blütenstadt besonders interessiert hat, was die sogenannten Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) berichtet haben und warum das Thema Stasi noch lange nicht am Ende ist.

Eine herausragende Rolle spielte für die Stasi in Werder das Pektinwerk, vor allem wegen des regen Außenhandels. „In den Akten sind ausführliche Reiseberichte, Havarien, aber auch die Nichterfüllung des Plans und Preisverhandlungen aufgeführt“, berichtet Rüdiger Sielaff. Aus wirtschaftlicher Sicht waren daneben auch das Schaltgerätewerk, die Vulkanfiber-Fabrik, der Hochsilobau und die Autobahnpolizei von Interesse. Aber auch die Gärtnerischen- und Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (GPG’s und LPG’s) sowie die Gaststätte Friedrichshöhe wurden im Blick behalten.

Nach der Ausreise nicht zurückgekehrt

Beim Blütenfest waren der Stasi besonders die „dekadenten Jugendlichen“ ein Dorn im Auge, wie Rüdiger Sielaff erzählt. So gab es beispielsweise auf der Friedrichshöhe Konzerte für die Jugend zum Blütenfest. „Die Stasi hat genau im Auge gehabt, wer da kommt“, sagt Rüdiger Sielaff. Und auch welche Musik gespielt wurde. Denn die „Schallplattenunterhalter“, wie die DJs zu damaliger Zeit hießen, versicherten mit dem Erhalt ihrer Lizenz, einen überwiegenden Teil Ost-Musik und den geringen Teil westliche Musik zu spielen. Wie sich nach einem Spitzel-Bericht herausstellte, ertönte auf der Friedrichshöhe der „Sonderzug nach Pankow“, der in der DDR verboten war.

Genauso überwachten die Mitarbeiter aber natürlich auch, wer die DDR verlassen hat. Im Januar 1987 etwa kam ein stellvertretender Schulleiter aus Werder nach einer familienbedingten Reise in den Westen nicht mehr zurück. Das Weggehen von Menschen sei nicht immer ohne Probleme verlaufen, weil die Familie oft zurück blieb und eine verspätete Wiederkehr mit Einreiseverboten oder einem Gefängnisaufenthalt verbunden sein konnte, erzählt der Experte.

Beweggründe waren unterschiedlicher Natur

Hauptaufgabe der Stasi war die Überwachung des Staatsapparates und der Bürger. Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit in der DDR, habe seine Spitzel, die Inoffiziellen Mitarbeiter, als seine größte Waffe bezeichnet. „Denn man sah es ihnen nicht an“, sagt Rüdiger Sielaff. Ende 1988 waren 625 für die Kreisdienststelle Potsdam, von der aus auch Werder überwacht wurde, tätig. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter lag bei 123. IM „Bärbel“ aus der Sentastraße in Werder etwa berichtete der Stasi aus der Gaststätte „Baumblüte“, wie es in den Akten heißt. Später wurde sie auf einen Westberliner angesetzt und sollte Kontakt zu ihm aufnehmen. „Mick“ war in der Gaststätte „Fried­richshöhe“ unterwegs und meldete unter anderem einen Jugendlichen, der von seinem Plan erzählte, mit einer Uniform aus dem Kostümverleih in den Westen zu fliehen. „Dafür konnte man schon ins Gefängnis gehen“, so Sielaff.

Die Beweggründe der Spitzel, die Stasi bei ihrer Arbeit zu unterstützen, seien sehr verschieden gewesen, berichtet Rüdiger Sielaff. „Manche fühlten sich wie James Bond, andere waren abenteuerlustig und wieder andere hatten Angst.“ Ohne die Mauer und ohne die Stasi hätte die DDR seiner Aussage nach keine 40 Jahre überlebt. Solange es die Generation noch gibt, die Überwachung und Repression am eigenen Leib gespürt haben, sei das Thema immer von Interesse, sagt er. Der Außenstellenleiter sammelt derzeit ortsspezifische Informationen aus den Stasi-Akten für landesweite Vorträge zusammen. Kürzlich etwa referierte er in Calau vor hundert Zuhörern.

Info: Der Vortrag, der noch mehr Infos aus den Akten preisgibt, beginnt am Montag um 17 Uhr im Schützenhaus, Uferstraße 10, in Werder. Ab 14 Uhr besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf persönliche Akteneinsicht zu stellen. Der Eintritt ist frei.

Von Luise Fröhlich

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