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Wolfgang Dahms: Der andere Hauptmann

Zum Tag der offenen Höfe in Teltow Wolfgang Dahms: Der andere Hauptmann

 Wolfgang Dahms präsentiert die „etwas andere“ Biografie vom Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt am Tag der offenen Höfe in Teltow. Am 28. August öffnen mehr als 20 Grundstückseigner ihre Altstadt-Höfe für Gäste zum Verweilen, Schauen und Kultur genießen. Erstmals ist auch das im Bau befindliche Landhotel „Diana“ dabei, das voraussichtlich im Spätherbst öffnen soll.

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Wolfgang Dahms mit seinem Buch und neuer Zickenplatz-Tafel.
 

Quelle: C. Krause

Teltow.  Auch in diesem Jahr öffnen die Bewohner der Teltower Altstadt wieder ihre Höfe für Besucher. Oft verbergen sich hinter unscheinbaren Häuserfronten ausgewählte Kleinode. Über 20 Höfe werden am 28. August dabei sein und bieten nicht nur ein Plätzchen zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen, sondern oft auch Musik und Kunst. Nach einem Jahr Pause wieder dabei ist das „Buchkontor“, Breite Straße 19. Dort präsentiert Wolfgang Dahms am Sonntag von 12.30 bis 13.30 sein erstes Buch. Es ist die „etwas andere“ Biografie vom Hauptmann von Köpenick. „Ein Lesebuch über das ’janze Leben’ des Friedrich Wilhelm Voigt“ nennt es der Autor.

Der Großvater hat immer die Geschichten vom Hauptmann erzählt

 Der heute 78-jährige Teltower, der seit sechs Jahren in Rehbrücke wohnt, war schon als 18-Jähriger durch die Erzählungen seines Großvaters auf den ostpreußischen Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt (1849 -1922) gestoßen. Dahms’ Ahne war fünf Jahre im Berliner Garderegiment „und unser Hauptthema war immer der Hauptmann“, erinnert sich der Rentner an seine Zeit als junger Spund. An dem Schuhmacher, der 1906 als falscher Hauptmann das Köpenicker Rathaus besetzt, den Bürgermeister verhaftet und die Kasse mitgenommen hatte, gefällt Dahms, „dass er ein unerschrockener, risikobereiter Mann war, der aus einfachen Verhältnissen stammte und nie aufgegeben hat“. Er sei zwar ein Kleinkrimineller gewesen, „aber auch ein Abenteurer, Wandersmann und begabt“, so Dahms, der über den Schuhmacher recherchiert hat. Voigt habe auch viel gelesen. Er sei „immer traurig gewesen“, wenn er in einem Gefängnis ohne Bibliothek einsitzen musste.

Im Buch kann der Schuhmacher „jetzt seine Träume“ leben

Und gesessen hat der Mann insgesamt 27 Jahre hinter preußischen Gittern „für Sachen, wo heute nicht mal das Ordnungsamt einschreitet“, meint Dahms. Er geht in seinem Buch nun den Jahren zwischen 1879 und 1890/91 nach, in denen Voigt nach einem längeren Zuchthaus-Aufenthalt auf freiem Fuß war. „Ein weißer Fleck in seiner Biografie“, so Dahms. Er lässt Voigt in diesen zehn Jahren „seine Träume leben“. An tatsächlichen Orten im umtriebigen Leben des Schuhmachers erzählt der 78-Jährige fiktive Geschichten. „Die Ideen kamen aus dem Bauch. Wenn mir was einfiel, bin ich nachts aufgestanden und habe es aufgeschrieben“, sagt der Mann, der 22 Jahre im Dienste der Stadt Teltow stand und bekannt ist „wie ein bunter Hund“.

Erste Episoden wurden in Büttenreden zum Fasching verewigt

Den Hauptmann von Köpenick verewigte er bereits im Faschingsverein in den 1980er/90er Jahren. In Zeiten, da man als markiger Büttenredner schon mal zu den „Kulturgenossen“ nach Potsdam befohlen und „in die Schranken gewiesen“ wurde. Als Hauptmann von Köpenick in voller Montur erschien er den Teltowern dann Mitte der 1990er Jahre zum ersten Mal beim Frühlingsfest, wo er „mit vorlautem Mund die Stadt kritisierte“. Als früherer Stadtrat für Straßenwesen, Verkehr und noch mehr sowie zuletzt als Sachgebietsleiter für Wirtschaftsförderung kannte er das Innenleben der Verwaltung nur zu gut. Als „Hauptmann von Köpenick aus Teltow“ tourte er jahrelang rum. Aus gesundheitlichen Gründen tritt er nun ruhiger. Für den Sonntag leiht er sich aber wieder mal eine preußische Hauptmannsuniform beim Defa-Fundus, um standesgemäß seine Rolle in Teltow zu spielen. Bereits am Samstag tritt er zur „Langen Nacht der Museen“ in Berlin in der Polizeihistorischen Sammlung am Platz der Luftbrücke auf.

Wolfgang Dahms in voller Montur als Hauptmann von Köpenick vor der Haftanstalt Tegel, wo einst der Schuhmacher Voigt eingesessen hat

Wolfgang Dahms in voller Montur als Hauptmann von Köpenick vor der Haftanstalt Tegel, wo einst der Schuhmacher Voigt eingesessen hat.

Quelle: C. Krause

In einer Auflage von 300 Stück ist das Buch im Verlag Buchkontor Teltow erschienen und kann in jeder Buchhandlung erworben werden. Weil ihm das zweijährige Projekt „so viel Spaß“ gemacht hat, plant Dahms schon das nächste. Er will über einen Mann schreiben, der mit zwei Bauernpferden von Ostpreußen die ganze Küste entlang geritten ist, um in Sassen (Mecklenburg-Vorpommern) eine Trakehner-Deckstation aufzubauen. „Ich war 15 als ich ihn kennengelernt habe.“ Dahms Mutter war mit ihren drei Söhnen im Krieg von Hinterpommern geflüchtet und in Sassen gelandet; 1953 ging’s nach Teltow.

Dort rückt Dahms seit 2010 auch den Zickenplatz wieder mehr ins öffentliche Gedächtnis. Jetzt hat er die Infotafel erneuern und einen Gedenk-Findling gestalten lassen, der am 28. August während des Höfe-Tages enthüllt wird. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Info: Lesung von „Der Hauptmann von Köpenick“, 9. September, 19 Uhr, im Stubenrauchsaal Teltow. Das Buch hat 169 Seiten und kostet 12 Euro; ISBN: 978-3-9815865-3-4. Kontakt zu Wolfgang Dahms alias Hauptmann von Köpenick unter 033200/52526.

Über 20 Altstadt-Höfe geöffnet

Über 20 Höfe werden wieder dabei sein und bieten nicht nur ein Plätzchen in ihrem Garten an, sondern oft auch musikalische Unterhaltung, Kunsthandwerk, ausgewählte Kunst oder kulinarische Leckereien.

 Eröffnung um 12 Uhr durch die Veranstalter, Begrüßung durch den Bürgermeister; 13 Uhr Altstadthofführung mit Peter Jaeckel (Heimatverein), Treffpunkt Café Carnap.

Musikalische Darbietungen, Lesungen, Tanz und Sport von 12 bis 18 Uhr in den Straßen und auf den Höfen mit verschiedenen Live-Bands und Akteuren.

Geöffnete Höfe: Potsdamer Str. 54 (Baustelle/„Landhotel Diana“, ehemals Kino, bis 20 Uhr), Alte Potsdamer Str. 6b, Alte Potsdamer Str. 7, Alte Potsdamer Str. 5 (.Mattausch-Haus), Hoher Steinweg 13 (Heimatmuseum), Hoher Steinweg 11, Hoher Steinweg 4, Ritterstraße 33, Ritterstraße 31, Marktplatz/Ritterstraße (Stadtverwaltung), Ritterstraße 10 (Bürgerhaus), Ritterstraße 5, Rritterstraße 11 (Pfarramt), Ritterstraße 7, Breite Straße 13, Breite Straße 18, Breite Straße 17, Breite Straße 24, Breite Straße 26/28, Breite Straße 21 (Café Carnap), Breite Straße 32, Bäckerstraße 1 (Bäckerei Neuendorff), Potsdamer Straße 75, Potsdamer Straße 67 (christliche Gemeinde).

 Eine Veranstaltung der Interessengemeinschaft Tag der offenen Höfe und der Stadt Teltow. Detaillierte Programmübersicht auf www.teltow.de

Empfohlen wird die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Von Claudia Krause

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