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Wusterwitz Archäologe entdeckt Germanensiedlung auf dem Eggertsberg
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Archäologe entdeckt Germanensiedlung auf dem Eggertsberg
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14:04 15.03.2019
Die historischen Fundstücke des Archäologen Wolfgang Niemeyer gehören auch ein mit Bronze umwickelter Griff und ein eiserner Stab. Die Gegenstände sind mehr als 1700 Jahre alt. Quelle: André Großmann
Wusterwitz

Knochen von verbrannten Toten, Urnengräber und Trinkgefäße entdeckte der Archäologe Wolfgang Niemeyer bei Ausgrabungsarbeiten in Wusterwitz.

Wo zwischen Mühlenweg und Eggertsberg mehrere Einfamilienhäuser entstehen, befand sich vor 1700 bis 1800 Jahren eine germanische Siedlung.

Spuren von sechs Bestattungen

Wie viele Menschen hier lebten, können der Archäologe Wolfgang Niemeyer und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Thomas Cwellich nicht beziffern.

Der Archäologe Wolfgang Niemeyer entdeckte in Wusterwitz germanische Gräber, mysteriöse Grabenanlagen und historische Gefäße.

Das Duo entdeckte auf dem Areal aber Spuren von bis zu sechs Bestattungen. Die Überreste der verbrannten Knochen lagen als sogenannter Leichenbrand in Urnengräbern.

Sie wurden bis zu 60 Zentimeter tief im Boden vergraben, was typisch für die Zeit der Germanen ist.

Als Niemeyer die Überreste der Knochen eines Toten auf eine Küchenwaage legt, wiegen diese anderthalb Kilo. Er vermutet deshalb, dass es sich hierbei um einen Erwachsenen handelt. Normalerweise sei der Knochenerhalt und die Konservierung im Sand schlecht.

„Diese hier sind aber sehr gut erhalten“, sagt Niemeyer. Bei einem weiteren Fund gelten kleinere Zähne laut Thomas Cwellich als Beweis für ein verstorbenes Kind. Auch zerpflügte Urnengräber wurden bei den Ausgrabungen dokumentiert.

Der Archäologe Wolfgang Niemeyer zeigt einen Gürtelhaken, einen Griff und einen eisernen Stab. Die Fundstücke sind mehr als 1700 Jahre alt und stammen aus der Zeit der Germanen. Quelle: André Großmann

Für Cwellich sind die Urnen wie Überraschungseier, betont der Ausgrabungshelfer. Denn nicht immer sei klar, welcher Inhalt sich darin verbirgt. So befanden sich in einigen Gefäßen undefinierbare Keramikteile und eine unbestimmte Substanz. „Das kann nicht einfach Saft oder Milch gewesen sein, sondern etwas Dickeres“, vermutet Cwellich.

Typisch für die Zeit der Germanen sind auch Gruben und Eingrabungen. Diese könnten als Vorratskammer für Baumaterialien, als Einfriedungen für Zäune und zum Eingraben für Holzstämme genutzt worden sein.

Grabenanlagen werden zum Rätsel

Vor ein Rätsel stellen den Archäologen bis zu 1,20 Meter große Lücken in den Grabenanlagen. „Das kann man sich nicht leicht erklären. So etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagt der 62-Jährige. Die mysteriöse Grabenanlage verlief in Richtung Nordwesten des Wusterwitzer Sees.

Niemeyer kann sich vorstellen, dass der Bau als Kultanlage zur Verehrung von Göttern genutzt wurde. Spekulieren möchte er aber nicht und sagt gegenüber der MAZ, dass es sich hierbei um eine Vermutung handelt. Die archäologischen Arbeiten auf dem Eggertsberg begannen im Januar 2018 und dauerten bis Mai 2018 an.

Niemeyer freut sich, dass ein Hinweis an die MAZ weitergeleitet wurde und die entdeckte Germanensiedlung jetzt bekannt wird. Bereits im Mai 2016 machte der Archäologe einen überraschenden Fund.

Damals entdeckte er in der Rogäsener Kirche alte Backsteinplatten. Ob die gefundenen Grabsstätten bei den künftigen Wusterwitzer Hausbesitzern für Unbehagen sorgen, weiß er nicht.

„Einigen wird es egal sein und andere werden abergläubisch sein. Das sind halt historische Plätze, die heute einfach überbaut werden“, sagt der Archäologe. Er erwähnt, dass historische Gräber aus der Zeit der Germanen nicht so häufig gefunden werden.

Niemeyer betont, dass weitere Urnengräber in den Tiefen der neu gebauten Häuser nicht auszuschließen sind.

Weitere Überprüfung der Knochen möglich

Auf seinem Küchentisch breitet der Archäologe die Knochenüberreste des toten Germanen aus. „Ich würde schon gerne wissen, wer das war und wann er oder sie genau gelebt hat“, sagt Niemeyer. Für die genaue zeitliche Einordnung sei aber das Fachwissen eines Anthropologen notwendig.

Deswegen will Niemeyer jetzt bei den Mitarbeitern der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark nachfragen, ob eine Prüfung des Knochenfundes eingeleitet werden kann.

Von André Großmann

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