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Wusterwitz Glockenweihe: Einmal alle tausend Jahre
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Glockenweihe: Einmal alle tausend Jahre
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12:03 29.10.2018
Pfarrer Holger Zschömitzsch segnet bei einem Festgottesdienst die neuen Glocken für die Gollwitzer Kirche. Sie wurden vor wenigen Wochen in Passau gegossen. Quelle: Rüdiger Böhme
Gollwitz

Sie wurden beklopft, gestreichelt und fotografiert. Nie wieder kommen die heute lebenden Gollwitzer ihren beiden Glocken so nahe, wie auf dem mit Tannengrün, Astern, Cosmea und Hortensien geschmückten Anhänger. Das neue Geläut ist da! Bei einem Festgottesdienst unter der hohen Friedhofseiche feierte die Gemeinde die Ankunft der in Passau gegossenen Kirchenglocken.

Stahlglocke außer Betrieb

Zwei Beerdigungen begleitete der Wusterwitzer Pfarrer Holger Zschömitzsch bisher in Gollwitz. Jedesmal habe etwas gefehlt, erinnerte sich der Seelsorger vor gut 100 Gästen im Festzelt. So wie am Sonntag. Statt den Gottesdienst einzuläuten, riefen die Jagdhornbläser vom Alten Kanal aus Woltersdorf die Menschen zur feierlichen Glockenweihe. Denn seit vielen Jahre ist die nach dem Ersten Weltkrieg installierte Stahlglocke außer Betrieb. Der Ersatz für die eingeschmolzenen Vorgängerinnen tat der Statik des Kirchturms nicht gut.

Die Mitglieder des Kirchenfördervereins vor dem Wagen mit den Glocken. Quelle: Rüdiger Böhme

Inzwischen steht der Turm des rund 850 Jahre alten Gotteshauses dank eines rührigen Fördervereins und vieler Unterstützer wieder sicher. Die gesamte Außenhülle ist saniert. Doch was fehlte, war der Klang der Glocken. In den Tönen C und D werden sie bald wieder das Leben der Gollwitzer begleiten – von der Taufe bis zur letzten Ruhe.

Von der Taufe bis zur Beerdigung

Nach ihrer Inbetriebnahme sollen die Gollwitzer Glocken zur Mittagszeit um 12 Uhr sowie zur Abendstunde um 18 Uhr erklingen. Angelehnt an das alte Rituale zum Essen nach Hause zu kommen, beziehungsweise Feierabend auf dem Feld zu machen.

Geläutet wird zum Gottesdienst, Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen. Die Kosten betragen 31 000 Euro. Davon sind 15 000 Euro aus Lottomitteln, 7000 Euro von der MBS-Stiftung, 5000 Euro Fördermittel und 4000 Euro Eigenmittel dank Spenden, Konzerte und Arbeitseinsätze.

Die noch im Turm befindliche Stahlglocke wurde vor 100 Jahren als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg eingeschmolzenen Bronzeglocken eingebaut. Haarisse fangen an zu rosten und sprengen Teile ab. Außerdem war die Glocke auf Dauer für die Statik des Turms ungünstig.

„Es gibt noch keinen Montagetermin. Aber natürlich wollen wir spätestens das Weihnachtsfest mit den neuen Glocken feiern“, sagte Fördervereinsvorsitzender Werner Fräßdorf der MAZ. Bis dahin bleiben die Bronzestücke in sicherer Verwahrung.

Vereinsvorsitzender Werner Fräsdorf ernennt Architektin Heidrun Fleege und ihre Kollegin Ute Oeser zu Ehrenmitgliedern des Fördervereins. Quelle: Rüdiger Böhme

Mit einem Kran werden die beiden Glocken in die Glockenstube des Turmes verfrachtet und anschließend in ihre Lager gehangen. „Wir haben die Schallluken groß genug gemacht. Aber viel Spielraum ist natürlich nicht“, meinte Architektin Heidrun Fleege, deren Büro die Sanierung der Kirche in mehreren Bauabschnitten verantwortet. Als Anerkennung für die fachliche Begleitung der Rettungsmaßnahmen machten die Gollwitzer Heidrun Fleege und ihre Kollegin Ute Oeser bei ihrem Festgottesdienst zu Ehrenmitgliedern des 2014 gegründeten Fördervereins.

Mit Liedern und Gebeten

Pfarrer Zschömitzsch sprach auf dem Glockenwagen stehend ein Segensgebet. Für ihn ist der bevorstehende Einbau der neuen Glocken ein „Jahrtausendereignis“. Denn 500 bis 700 Jahre kann die Bronze halten. „Hoffentlich kommen nach uns viele Generationen, die sich um die Glocken keine Sorgen machen müssen. Ihr Klang lädt uns ein auf das Leben zu hören“, rief der Pfarrer den zahlreichen Gästen zu, die mit Liedern und Lobpreisungen den feierlichen Akt begleiteten. Musikalisch unterstützt wurden die Woltersdorfer Bläser von Kantor Thorsten Fabrizi auf dem E-Piano.

Am Sonntag wurden in Gollwitz die neuen Glocken für die restaurierte Kirche feierlich mit einem Gottesdienst begrüsst. Quelle: Rüdiger Böhme

Jede der beiden am 20. September in der Passauer Gießerei Perner gegossenen Glocken ist mit einer Inschrift versehen. Auf dem kleineren Exemplar ist zu lesen: „Kommt zusammen“. Die zweite Glocke trägt die Botschaft „Mein Schall tut kund“. Zusätzlich erinnern die Inschriften „Gollwitz 2018“ an das Geburtsjahr und die Heimat der Glocken. Vor ihrem Einbau wird die von Haarrissen durchzogene Stahlglocke abgenommen, deren Klöppel längst ausgebaut wurde. Die Auswahl der neuen Glocken und deren Tonlagen wurden in Abstimmung mit dem Glockensachverständigen der Landeskirche vorgenommen.

Von Frank Bürstenbinder.

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