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Wusterwitz Umsatzflaute bei vielen Händlern
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Umsatzflaute bei vielen Händlern
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15:22 07.12.2018
Laila Ferchland und ihre Mitarbeiterin Undine Schmitz (r.) an der Boutique in Wusterwitz und der Baustelle davor. Quelle: Marion von Imhoff
Wusterwitz

Die Einzelhändler in der Wusterwitzer Ortsdurchfahrt klagen trotz des bevorstehenden Weihnachtsfestes über geringe Umsätze. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) sind die Monate November und Dezember deutschlandweit die umsatzstärksten für den Einzelhandel. „Bundesweit bringen allein diese beiden Monate 15,4 Milliarden Euro obendrauf zu dem Durchschnittsumsatz der übrigen Monate“, sagt HDE-Pressesprecher Stefan Hertel. Doch ausgerechnet in dieser Zeit blockiert eine Baustelle die Walther-Rathenau-Straße in Wusterwitz und damit die wichtigste, um nicht zu sagen, einzige Einkaufsstraße des Ortes.

„Hier kann niemand halten, die Kunden bleiben weg“, klagt Laila Ferchland, Inhaberin der Boutique Laila, über die Baustelle. Auch das Internet mache ihrem Modeladen das Leben schwer. „Das Weihnachtsgeschäft bringt mir schon seit rund zehn Jahren nicht mehr Umsatz“, sagt sie. Die Baustelle verschärfe jetzt die Situation. Seit fast 28 Jahren gibt es die Boutique. Im Fenster steht ein großer Weihnachtsbaum, Wintermode wartet in dem Geschäft auf Käufer. „Die Leute kaufen auch dort, wo mit Weihnachtsmärkten mehr Trubel ist.“ Da helfe es auch nicht, im Laden Plätzchen anzubieten. „Das habe ich alles schon versucht.“

Renate Adam betreibt seit fast 19 Jahren schräg gegenüber der Boutique das Geschäft C&R Mode und Geschenke. Sie prognostiziert: „In zehn Jahren wird es nicht mehr solche Geschäfte wie jetzt in Wusterwitz geben.“ Auch für sie sei es schwierig, noch genügend Kunden zu locken. „Wir wollen ja nicht nur unsere Unkosten hereinbekommen und die Mietnebenkosten, sondern wir wollen auch etwas verdienen. In manchen Monaten gehen wir hier Plus-Minus-Null heraus.“ In ihrem Geschäft bietet sie Herren- und Damenbekleidung und Accessoires an. „Die Wusterwitzer wissen den Luxus, noch solche Einzelhandelsgeschäfte in ihrem Ort zu haben, nicht zu schätzen“, sagt Renate Adam. Viele der Händler in dem Ort seien in einem Alter, „dass wir auch bald das Handtuch schmeißen und unsere Läden schließen können“. Dabei biete sie auch Dienstleistungen wie Schuhreparatur und Textilreinigung in ihrem Laden an. Besonders auf den Verkauf der Modeartikel sei sie angewiesen, das bringe den Umsatz, berichtet Renate Adam. „Doch die Leute kommen und erzählen, dass sie sich in der Türkei superbillig und schick eingekleidet haben. Geiz ist geil, das ist kein Meckern, das sind die Fakten“, sagt die Einzelhändlerin.

Regina Mühlberg ist seit fast zehn Jahren Inhaberin des nach ihr benannten Schuhgeschäftes in der Walther-Rathenau-Straße. „Kleine Geschäfte wie meines sind eine Bereicherung für Wusterwitz“, sagt sie. „Mir macht es immer noch Spaß. Auch wenn es jetzt mit der Baustelle noch schwieriger als bisher geworden ist.“ Sie wolle aber mit ihrem Angebot dazu beitragen, dass es auch weiterhin in Wusterwitz Einkaufsmöglichkeiten gebe. „Ich bin ein positiv denkender Mensch.“

Ein weiterer Händler wendet sich auf die Frage, wie das Weihnachtsgeschäft laufe, nur ab: „Es gibt keine großen Ausschläge“, ist sein einziger Kommentar. Eine Floristin aus dem Blumenladen „Wunschtisch“ bindet gerade einen Strauß. Dort hat man Glück. Der Laden liegt außerhalb der Straßensperrung. Amaryllis, Äste mit roten Beeren und Adventskränze dominieren das Bild. „Die Adventszeit bringt schon etwas“, sagt die 56-Jährige. „Aber die Leute achten so auf ihr Geld, dass sie sich Adventsgestecke und Blumen lieber im Discounter kaufen. Auch wenn man da nicht die Qualität wie im Fachgeschäft bekommt. Die Leute haben immer weniger Geld, das ist das Hauptproblem“, sagt die Floristin.

Um die Ecke in der Bahnhofstraße und damit direkt an der Umleitungsstrecke für die Baustelle liegt der Juwelierladen „Uhren und Schmuck Habermann“. Mit einer Weihnachtsaktion mit bis zu 50 Prozent Rabatt versucht Inhaberin Marion Habermann Kunden zu locken. „Ich merke vom Weihnachtsgeschäft gar nichts“, sagt die 60-Jährige. „Es ist von Jahr zu Jahr weniger geworden. Eigentlich ist Weihnachten das Hauptgeschäft, von dem man lange zehren sollte.“ Seit 26 Jahren gibt es den Juwelierladen. „Am Anfang kauften die Leute bei mir noch Weihnachtsgeschenke.“ Immerhin gilt Schmuck als Klassiker unter dem Christbaum. „Doch erst kam die Euro-Umstellung und dann das Internet.“

Von Marion von Imhoff

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