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Wusterwitz Komik und Tragik in Rogäsener Dorfgeschichte
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Komik und Tragik in Rogäsener Dorfgeschichte
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17:58 14.03.2019
Der Rogäsener Ortschronist Bernd Miller. Quelle: Christine Lummert
Rogäsen

Wer auf der Suche nach einem neuen Job ist, studiert die Stellenangebote ganz genau. Das war vor knapp 500 Jahren nicht anders als heute. Wo mehr Geld winkt und die Arbeitsbedingungen passen, wird zugesagt. Der Rogäsener Pfarrer Basilius Schumann hat auf diese Weise Martin Luther in Verlegenheit gebracht.

„Der Stadtrat in Göttingen war im Jahr 1530 auf der Suche nach zwei Predigern und hat sich mit Bitte um Empfehlungen für geeignete Kandidaten an den großen Reformator gewandt“, sagte Ortschronist Bernd Miller bei einem Heimatabend im Rogäsener Gemeindehaus. Seitdem der 67-jährige Miller in Rente ist, hat er genug Zeit, um zur Erforschung der Geschichte seines Heimatortes in Archiven alte Akten und Kirchenbücher zu wälzen. Dabei ist er auch auf den Briefwechsel zwischen Luther, Schumann und den Göttinger Ratsherren gestoßen.

Kirchenmann hat Geld im Blick

Schumann hat bei Luther in Wittenberg studiert und dabei muss er wohl positiv aufgefallen sein“, erläuterte Miller seinen 20 Zuhörern. Der Wechsel vom kleinen Rogäsen nach Göttingen hätte sich gelohnt, zumal Schumann schon drei kleine Kinder hatte und seine Frau „wieder schwanger ging“. Entschieden hat er sich, trotz vorheriger Zusage in Göttingen, schließlich für eine Predigerstelle in Goslar. „Die haben wohl einfach ein besseres Angebot gemacht und auch damals haben sich Christenmenschen nach dem Geld gestreckt“, meinte Miller. Und Martin Luther musste sich beim Göttinger Rat für den abgesprungenen Pfarrer entschuldigen.

Zum zweiten Mal präsentierte der Ortschronist die neuen Erkenntnisse aus seiner Forschung. Über die kleine Episode mit Pfarrer Schumann konnte geschmunzelt werden. Weitere Geschichten des Heimatabends spielten auf der anderen Seite der Gefühlsskala und berührten die Zuhörer. Zumal manche Ereignisse, die Miller beschrieb, noch unmittelbar in den Erinnerungen der älteren Dorfbewohner verankert sind.

Gastwirte mit kurzer Lebensspanne

Im Zuge der Recherchen zum Rogäsener Dorfkrug, von dem heute nicht einmal mehr ein Bild existiert, ist Miller auf die Lebensgeschichte von Friedrich Krüger gestoßen. Bereits in vierter Generation führte der im Jahr 1904 geborene Krüger den Gasthof im Ort. Sein Urgroßvater hatte 1846 dieses Haus als Ersatz für den marode gewordenen Dorfkrug erbaut, der wohl schon aus dem Mittelalter stammte. „Im Dachstuhl des neuen Gasthauses sind als einziges Überbleibsel aber noch alte Balken verbaut worden.“

Über die Generationen haben die Krügers nicht nur ihren Gastswirtsberuf weitergereicht. „Sie hießen vom Uropa bis zum Enkel auch alle Friedrich Krüger und hatten wohl leider schlechte Gene“, sagte Miller. Der Erste in der Ahnenreihe wurde nur 46 Jahre alt, der Zweite verstarb mit 31 Jahren, der Dritte hinterließ mit 30 Jahren seine Frau und einen Sohn, den 1904 geborenen Friedrich Krüger. Sein Leben endete ebenfalls viel zu früh im Jahr 1940. Er wurde ein Opfer der Euthanasie-Verbrechen der Nationalsozialisten.

Außenseiter mit tragischem Ende

„Die Details zu dieser tragischen Geschichte habe ich zusammen mit einer entfernten Angehörigen von Friedrich Krüger herausgefunden, denn sie konnte seine Krankenakte einsehen“, sagte Miller. Dort ist vermerkt, dass Krüger von Geburt an unter einen leichten geistigen Behinderung litt und von seinem Stiefvater sowie der Dorfgemeinschaft als Außenseiter behandelt wurde. Sein Erbe als Gastwirt konnte er trotzdem antreten, allerdings hat er selbst zu viel Alkohol getrunken und letztlich sogar einen Suizid-Versuch unternommen.

„Er wurde dann Ende der 1930er Jahre in die Landesheilanstalt in Jerichow eingewiesen“, berichtete Miller. Von dort führte sein letzter Weg am 6. August 1940, zusammen mit anderen Psychiatrie-Patienten in die Stadt Brandenburg und endete dort mit seiner Ermordung im Rahmen der T4-Aktion.

Von Christine Lummert

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