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Wusterwitz Überfahrener Wolf schleppte sich in den Wald
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitz Überfahrener Wolf schleppte sich in den Wald
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10:39 10.10.2018
Immer wieder kommen Wölfe im Straßenverkehr zu Tode. So wie dieses Exemplar an der Autobahn 24. Quelle: Robert Franck
Zitz

Der gemeinnützige Verein Wolfsschutz-Deutschland hat seine Belohnung zu früh ausgelobt. 5000 Euro wurden für Hinweise geboten, die zur Ergreifung des mutmaßlichen Todesschützen von Zitz führen. Doch jetzt steht endgültig fest, dass der an einem Waldweg an der Gemarkungsgrenze zu Gollwitz aufgefundene Wolf nicht erschossen wurde. Erhärtet wird die Berichtigung der Polizei durch neue Details, die im Rahmen der tierpathologischen Untersuchung des Kadavers ans Tageslicht kamen.

Kreisrunde Spuren

„Es wurden weder Munitionsreste noch Schusskanäle im Tierkörper festgestellt“, sagte der Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg, Steffen Hinze, der MAZ auf Nachfrage. Zunächst waren zwei Löcher im Körper des Wolfs als Schussverletzungen interpretiert worden. Polizeisprecher Daniel Keip sprach von „kreisrunden Spuren“, die den ernstzunehmenden Verdacht auf diese gewaltsame Todesart gelenkt hätten. Für den Wolfsbeauftragten Hinze kommt diese Fehldeutung nicht überraschend. Krähen oder Raben können sich mit ihren Schnäbeln schon nach kurzer Zeit an dem Kadaver zu schaffen gemacht haben. Wie lange der Wolf bereits am Wegesrand lag, kann niemand sagen. Vielleicht einen Tag, möglicherweise auch zwei Tage.

Im Wald verendet

Bei den örtlichen Jägern herrscht Erleichterung über die aktuellen Erkenntnisse. Ein erschossener Wolf hätte dem Image der Weidleute so oder so geschadet. Denn der Kreis der Langwaffenträger außerhalb der Jägerschaft ist begrenzt. Karl-Heinz Hohmann, Vorsitzender des Jagdverbandes Brandenburg an der Havel, hatte schon beim Wolfsforum der MAZ am vergangenen Donnerstag in Ziesar vor einer Vorverurteilung gewarnt. „Für mich gilt immer noch die Unschuldsvermutung“, gab Hohmann zu bedenken. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei in ihrer Meldung allerdings noch von einem erschossenen Wolf ausgegangen. Am Freitag dann die Wende im Fall des toten Wolfs. Er sei überfahren worden, hieß es plötzlich nach der genauen Untersuchung des Kadavers im Berliner Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

Karl-Heinz Hohmann vom Jagdverband Brandenburg an der Havel hatte vor einer Vorverurteilung der Jägerschaft gewarnt. Quelle: JACQUELINE STEINER

Gefunden hatte den Wolf der Zitzer Jäger Tim Buchholz. „Ich habe den Wolf nicht angefasst, sondern gleich die Polizei informiert“, berichtete er der MAZ. Ein vom Landesumweltamt bestellter Rissgutachter traf ebenfalls am Ort des Geschehens ein. Dass der Wolf nun überfahren worden sein soll, macht den Jäger jedoch nachdenklich. „So schnell kann keiner auf dem Waldweg fahren“, meint Buchholz. Doch der Wolfsbeauftragte des Landes, Steffen Hinze, interpretiert das Obduktionsergebnis so: „Ein angefahrener Wolf muss nicht auf der Stelle tot sein. Die nächste Straße war zwei Kilometer entfernt. Das kann ein verletzter Wolf schaffen. Sehr wahrscheinlich hat er sich vom Unfallort bis zum Auffindeort geschleppt und ist dort verendet.“

Seit dem Jahr 2000 sind in Deutschland etwa 100 Wölfe im Straßenverkehr verendet. Auch in Potsdam-Mittelmark sind Raubtiere bereits unter die Räder gekommen. Vor allem auf Bundesstraßen und auf Autobahnen. Der Verkehrstod ist bei Wölfen die häufigste nicht natürliche Todesursache. Völlig offen ist hingegen, von welcher Art Fahrzeug das Tier getroffen worden sein soll. Es dürfte wahrscheinlich bei dem Unfall beschädigt worden sein. Doch ein Fahrer hat sich bislang nicht bei der Polizei gemeldet. Der Fall bleibt also weiter rätselhaft.

Von Frank Bürstenbinder

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