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Potsdam-Mittelmark Wusterwitzer Schüler räumen Agrarpreis ab
Lokales Potsdam-Mittelmark Wusterwitzer Schüler räumen Agrarpreis ab
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02:15 24.02.2017
Arm in Arm einem gemeinsamen Berufsziel entgegen: Rebecca, Pia, Jolina-Chiara, Helene und Lea (v. l.) von der Wusterwitzer Grundschule möchten Bäuerinnen werden.
Wusterwitz

Auf der jüngsten Jahresmitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark unkten schon einige, künftig müssten sich auch über 50 Jahre alte Landwirte Jungbauern nennen angesichts des demografischen Wandels und der nicht unkomplizierten Nachwuchssuche. Bisher galt schon die großzügige Regel, wer unter 40 Jahre alt und Landwirt sei, dürfe sich mit diesem jugendlichen Titel schmücken, so sagte es Verbandschef Jens Schreinicke mit einem Schwunzeln.

Doch da hat der Bauernverband die Rechnung ohne fünf Wusterwitzer Grundschülerinnen gemacht. Denn Rebecca, Pia, Jolina, Helene und Lea wollen Bäuerinnen werden. Da passte es, dass ihre Klasse Gewinner des Landeswettbewerbs „Landwirtschaft und ländlicher Raum“ auf der Internationalen Grünen Woche geworden ist.

Am Dienstag überbrachte Sylvia Hermann von der Initiative Land aktiv die Einladung zu einem Ausflug mit üppigem Klassenfrühstück. Neun weitere Klassen im Land dürfen sich über einen Gewinn freuen. 134 Schulklassen hatten teilgenommen. Die Wusterwitzer Schüler sind die einzigen Gewinner aus Potsdam-Mittelmark.

Sylvia Hermann von „Land aktiv“ bringt Kindern Agarwirtschaft und das Leben auf dem Lande nahe. Dafür fährt sie jährlich 15 000 Kilometer durch Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming von Schule zu Schule und zu Agarhöfen, die sich für Exkursionen von Schülern öffnen. Quelle: Marion von Imhoff

„Mein Opa hatte Kühe, Hühner und ein Pferd“, schwärmt Helene. „Tiere zu beobachten, macht einfach Spaß“, erläutert die Zehnjährige ihren Berufswunsch. „Ich mag es, Bäuerin zu werden, weil man viel draußen ist“, sagt Rebecca. Auch ihr Großvater habe eine Landwirtschaft mit Schweinen und Kühen betrieben. Für Sylvia Hermann sind diese Sätze Musik in den Ohren. Als Regionalmitarbeitern der Heimvolkshochschule Seddiner See ist sie mit vier weiteren Kollegen zuständig für das Projekt „Land aktiv“, das Kindern und Jugendlichen den Beruf des Landwirts und das Leben auf dem Lande näher bringen soll.

Mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen begegnete die 57-jährige studierte Agrar-Ingenieurin für Pflanzenproduktion auf ihren Touren durch die Region. 15 000 Kilometer im Jahr fährt sie rein dienstlich. Die dreifache Mutter und dreifache Großmutter besucht Schulen und erläutert dort die Wege der Milchproduktion oder wie das Korn zum Müsli wird. Noch lieber führt Sylvia Hermann Jungen und Mädchen bei Exkursionen über Bauernhöfe.

„Die Landwirtschaft bietet sich an als außerschulischer Lernort. Was Kinder gesehen und angefasst haben, das verstehen und behalten sie besser als etwas, was sie gelesen haben“, sagt die gebürtige Naumburgerin, die immer wieder zusammenzuckt, wenn sie in die Brotbüchsen der Schüler blickt: „Da stehen mir die Haare zu Berge: Schokoriegel neben Bonbons und Obstquetschtütchen. Kein Apfel, keine Möhre. Es gibt Kinder, die haben noch nie einen Kohlrabi gegessen“. Ihr Fazit: „Selbst wenn Kinder auf dem Land leben, heißt das nicht, dass sie einen Bezug zur Natur und zur Landwirtschaft haben.“

Agrar-Projekte für Schüler

„Land aktiv“ ist eine 2005 ins Leben gerufene Initiative, hervorgegangen aus einer Idee des Landesbauernverbandes. Finanziert wird das Projekt, das Schülern Wissen über die Landwirtschaft nahe bringen soll, mit Geld des Europäischen Sozialfonds und künftig auch mit Landesmitteln. Die Finanzierung bis Jahresende ist nach Angaben von Antje Pecher von der Heimvolkshochschule gesichert, „mit der Option der Verlängerung bis 2020. Wir sind optimistisch“.

„Agrar aktiv“ – Kompetenzzentrum Landwirtschaft und ländlicher Raum bietet Jugendlichen Informationen zur Berufsorientierung. Es wird gefördert vom brandenburgischen Agrarministerium und durch den Europäischen Sozialfonds und ist abgesichert bis 2021.

Die Zahl von Lehrlingen im Beruf des Landwirts steigt seit kurzem wieder. Das besagen die Zahlen des Landesamtes für Ländliche Entwicklung und Landwirtschaft. 2011 gab es nur 95 Azubis im ersten Lehrjahr. Ende 2016 waren es schon 174 Azubis landesweit. Das entspricht einem Anstieg von 83 Prozent.

Interessierte Schulen und Lehrer sind hochwillkommen. Sie können unter www.agraraktiv-brandenburg.de und www.land-aktiv.de weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden.

Für die Wusterwitzer 5 b ist Leben im ländlichen Raum kein Neuland. Dennoch haben weniger als zehn Prozent von ihnen nach Angaben von Schulleiter Frank Gericke Eltern, die in der Agrarwirtschaft tätig sind. „Aber es sind kluge Kinder“, lacht Gericke. Die Frage, was etwa eine Glucke sei, die es für das Preisausschreiben zu beantworten galt, war natürlich kein Problem.

Von Marion von Imhoff

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