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Potsdam-Mittelmark Xavier ist schuld: Forellenanlage vor dem Aus
Lokales Potsdam-Mittelmark Xavier ist schuld: Forellenanlage vor dem Aus
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00:19 30.10.2017
Die Anlage in der Steinmühlenstraße muss optimiert werden, um mit weniger Wasser oder weniger Energie auszukommen. Quelle: Victoria Barnack
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Treuenbrietzen

Die Reaktionen seiner Kunden haben Michael Müller darin bestärkt, an seiner Forellenzuchtanlage in Treuenbrietzen festzuhalten. Bis in die vergangene Woche war er mit der Evakuierung von fast sieben Tonnen Fisch beschäftigt. Nur ein Viertel der ursprünglichen Menge schwimmt noch in den 15 Becken. Weil der Nieplitzdamm, aus dem die Anlage ihr Wasser bezieht, droht auseinander zu brechen, hatte ihm die Stadt Treuenbrietzen gemeinsam mit der unteren Wasserbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark eine Frist gesetzt.

Der Zustand des Bauwerks hat sich bis heute, mehr als drei Wochen nach dem verheerenden Sturm, nicht verbessert, sondern sei noch problematischer geworden. Das teilte Treuenbrietzens Bauamtsleiter Christoph Höhne auf MAZ-Nachfrage mit. Fast täglich sei er inzwischen vor Ort, um den Zustand zu kontrollieren, sagt er.

Ab nächster Woche kein Wasser mehr für die Forellenanlage

Die Verwaltung pocht im Wohle der Anwohner in der Steinmühlenstraße weiter auf die Erteilung einer Anordnung der unteren Wasserbehörde. Damit die umliegenden Grundstücke gesichert werden können, müsste Michael Müller sein Wassernutzungsrecht entzogen werden. Denn dass seine Anlage dann weiter versorgt wird, ist unwahrscheinlich.

Noch ist die Anordnung nicht erteilt. Das soll nun jedoch „zeitnah“ passieren, sagte Dorothee Ortner, Leiterin des Umweltressorts beim Kreis am Mittwoch. Denn der Nieplitzdamm ist offiziell bruchgefährdet. „Es gibt etliche Stellen, die durch den Ausbruch der riesigen Wurzelteller undicht sind“, sagte sie. Noch immer tritt Wasser aus. Durch eine Sofortmaßnahme habe man den Druck des Dammes bereits entlastet, dennoch bestehe weiterhin „dringender Handlungsbedarf“.

Michael Müller (r.) evakuiert die Forellen mit einem Kollegen. Quelle: Victoria Barnack

Bei einem Gespräch in dieser Woche sollen die Stadtverwaltung und die untere Wasserbehörde diskutiert haben, ob der Damm zumindest bis Jahresende aufrecht erhalten werden kann und welche Mengen an Wasser der Anlage von Michael Müller in dieser Zeit bereitgestellt werden könnten. „Immerhin sind Weihnachten und Silvester wichtige Geschäfte für mich“, sagt der Betreiber. Am Donnerstagabend wurde schließlich bekannt gegeben, dass die Anlage schon ab der nächsten Woche, nicht mehr mit Frischwasser versorgt wird.

Der Betreiber muss nun um seine Existenz bangen und auch die letzten Tonnen Fisch evakuieren. Dabei hatte Michael Müller gerade Hoffnung geschöpft, den Standort halten zu können. Mit dem Potsdamer Fischerei-Institut hat er ein neues Konzept für den Weiterbetrieb ausgearbeitet. „Wir mit unserer Forellenanlage und Treuenbrietzen gehören inzwischen zusammen“, sagt er. Das Potsdamer Fischerei-Institut hat mit ihm Möglichkeiten zur Wasserversorgung besprochen, die umsetzbar wären. „Die Frage ist die Finanzierung“, sagt Müller.

Neues Konzept mit optimiertem Energieaufwand in Arbeit

Denn die neuen Rahmenbedingungen haben einen höheren technischen Aufwand. „Mein Ziel ist es, dabei nicht mehr Energie zu verbrauchen als bisher“, sagt Müller. Denn würden die Kosten steigen, wäre die Anlage bald unrentabel. „Ob das neue System wirklich funktioniert, sieht man aber erst, wenn es läuft“, sagt er.

Im November sollte das Konzept feststehen und konkrete Kosten benannt werden. „Die Stadt muss dabei an meiner Seite stehen“, sagt Michael Müller, „denn nicht alles, spielt sich auf meinem Grundstück ab.“ Wenn ein neues Pumpwerk gebaut würde, stünde es am benachbarten Bachlauf, dessen Grundstück dem Fischer nicht gehört. Die Stadt hatte ihm vor zwei Wochen zumindest für mittelfristige Lösungen umfangreiche Unterstützung zugesichert. Nun ist – zumindest bisher – noch nicht einmal eine Entschädigung für die Forellenzucht im Gespräch.

Sieben Tonnen Fisch wurden bisher von Treuenbrietzen nach Niemegk transportiert. Quelle: Victoria Barnack

Schon 2009 attestierte das Brandenburgische Landesamt für Umwelt der Nieplitz eine „fehlende Standsicherheit der Dämme“. Weil die Stadt um den Missstand seit Langem weiß, schob sie erste Pläne zur Umverlegung der Nieplitz im Bereich der Steinmühlenstraße bereits 2005 an. Vor zwei Jahren wurde schließlich eine Notfalleinrichtung gebaut, die nach Sturm „Xavier“ auch zum Einsatz kam.

Eine Lösung des Problems an der Nieplitz ist allerdings noch nicht in Sicht. Anfang 2017 erklärte das Land, die Planung komplett neu in Auftrag zu geben. Den Ausgang dieses Verfahrens könne man durch die akute Gefahrenlage derzeit jedoch nicht abwarten, sagte Dorothee Ortner.

Von Victoria Barnack

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