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Potsdam-Mittelmark Xavier schickt Nieplitz spontan in ihr altes Bett
Lokales Potsdam-Mittelmark Xavier schickt Nieplitz spontan in ihr altes Bett
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12:19 07.11.2017
Dort wo schon 2015 bei Treuenbrietzen ein Absperrbauwerk für Notfälle errichtet wurde, ist die Nieplitz am Wochenende nun komplett abgeleitet worden in die Böllrichwiesen. Quelle: Archiv WBV
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Treuenbrietzen

Plötzlich ging alles ganz schnell. Seit dem Wochenende fließt das Flüsschen Nieplitz im Bereich der alten Steinmühle in Treuenbrietzen in ihrem alten Bett. Schuld daran ist das Sturmtief „Xavier“, das am 5. Oktober über die Region fegte. Es ließ am Nieplitzdamm dutzende Bäume umstürzen. Teils rissen ihre Wurzelballen große Wunden in den ohnehin maroden Damm der Nieplitz.

Jetzt ist der einst von Mönchen des Klosters Zinna zwischen Dämmen angelegte Nieplitzteich trockengelegt worden. In der Nähe des Forsthauses Neue Hufen haben Arbeiter des Wasser- und Bodenverbandes „Nuthe-Nieplitz“ (WBV) mit einem Bagger den Lauf der Nieplitz abgeleitet. Sie fließt nun im alten Bett durch die Böllrich-Wiesen und erreicht hinter der heute völlig maroden Steinmühle wieder den bisherigen Verlauf.

Vergessen scheinen damit heftige Debatten zum Denkmalschutz für den Jahrhunderte alten Damm des Mühlteiches, zu Auflagen zum Naturschutz im sensiblen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet an der Nieplitz sowie zur Nutzung des Wassers als Existenzgrundlage für die Forellenzuchtanlage an der Steinmühle. All diese Fragen hatten bereits vom Jahr 2004 an Behörden und Experten beschäftigt. Mehrfach waren Varianten untersucht worden, um für die gut 40 Einfamilienhäuser entlang der Steinmühlenstraße eine Überflutungsgefahr zu bannen. Sie geht von dem nach Ansicht von Experten maroden Nieplitzdamm aus.

Zur Gefahrenabwehr ist der historische Teich der Steinmühle trockengelegt. Nur noch Schlamm und Restwasser prägen das Bild. Quelle: Thomas Wachs

Nach Ortsterminen „hatte die Untere Wasserbehörde bei der Kreisverwaltung nun sehr schell verfügt, zur Gefahrenabwehr die Nieplitz dort zu verlegen“, erklärt Christoph Höhne. Der Bauamtsleiter der Stadt Treuenbietzen ist seit Jahren doppelt mit der Problematik befasst. Er ist zudem ehrematlicher Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes. Dieser hat das Projekt seit 2004 auf dem Tisch. Immer wieder blieb das Projekt aber im Zuständigkeitsgerangel zwischen Behörden und Ämtern hängen. Dann gab es eine Einigung aller Instanzen auf die Umverlegung. Danach folgte das Gerangel um die Finanzierung. Bis heute ohne Ergebnis.

Seltenes technisches Denkmal

Die Steinmühle in Treuenbrietzen wurde 1303 von Zinnaer Mönchen als Getreidemühle erbaut und bis in DDR-Zeiten hinein betrieben.

Das Flussbett der Nieplitz musste damals angehoben werden, um dem Wasser die Antriebskraft zu verleihen. Der erste Damm wurde errichtet.

Seit dem 16. Jahrhundert (nachweislich 1535) wurde die Nieplitz zur Zucht von Forellen genutzt. Wasserqualität, Temperatur und Beschattung erwiesen sich als günstig.

Nach Erkenntnissen des Heimatvereins ist neben dem Damm aus dem 14. Jahrhundert im Land Brandenburg kein adäquates oder ähnliches technisch-historisch wertvolles Denkmal der Mönche aus dem Kloster Zinna bekannt.

Nur die Sturmereignisse schufen jetzt Tatsachen. „Durch die Gefahrenlage kann der Ausgang des Planfeststellungsverfahrens nicht abgewartet werden“, hieß es vor den Unteren Wasserbehörde.

Damm gesperrt: Ab hier fließt die Nieplitz nun im alten Bett. Quelle: Thomas Wachs

Künftig sei der WBV damit „nicht mehr für den Damm, sondern nur für das Fließgewässer als solches zuständig“, erklärt Christoph Höhne. Der Bereich des Mühlteiches werde seinen Status als Denkmal wohl verlieren. Fortan sei das kommunale Grundstück mit dem Baumbestand wie ein Waldgebiet in der Landschaft zu betrachten, sagt der Bauamtsleiter. Zuständig dafür ist allein die Kommune. Höhne rechnet mit „erheblichen Kosten für die Stadt allein für die Beseitigung der Sturmschäden im Bereich des Nieplitz-Dammes und im weiteren Stadtgebiet“. Um die 30 000 Euro seien mindestens aufzubringen. Dafür greife keine Versicherung der Kommune.

Wie die bislang federführende Behörden auf Landesebene auf die völlig neue Situation reagieren, ist offen. Anfragen der MAZ dazu an das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Brandenburgs blieben am Montag zunächst unbeantwortet.

Die Zukunft der vom Nieplitzwasser abhängigen Forellenzucht an der Steinmühle kann womöglich noch mit einem Pilotprojekt gerettet werden. Quelle: Thomas Wachs

Für den Forellenzuchtbetrieb der Binnenfischerei Potsdam gebe es unterdessen Überlegungen, wie der für den Betrieb wichtige Standort an der Steinmühle womöglich doch noch gehalten werden könnte. Dazu sei in Kooperation mit dem Institut für Binnenfischerei Potsdam ein Pilotprojekt im Gespräch, über das neue Lösungen zur Wasserzufuhr erprobt werden sollen, so Höhne. Vorerst verkauft der Fischereibetrieb auch in Treuenbrietzen weiter Fische. Allerdings auf Vorbestellung, wie Geschäftsführer Michael Müller im Internet mitteilt.

Von Thomas Wachs

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