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Zähes Ringen um ein Gewerbegebiet

Bergholz-Rehbrücke Zähes Ringen um ein Gewerbegebiet

Der Versuch, dem ehemaligen Spezialbaugelände in Bergholz-Rehbrücke eine gute Zukunft zu geben, dauert nun schon eine kleine Ewigkeit an. Aber es gibt Fortschritte, auch wenn sie noch nicht sichtbar sind. „Wir sind kurz vor der Zielgeraden“, sagt Nuthetals Bauamtsleiter Rainer vom Lehn.

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In den hinteren Bürogebäuden im südlichen Teil des Gewerbegebietes sollen Wohnungen entstehen

Quelle: Martin Steger

Bergholz-Rehbrücke. Wenn etwas nicht so recht vorwärts gehen will und hinter den Kulissen viele Gespräche geführt werden, von denen kaum jemand erfährt, spricht man gern von einer zähen Angelegenheit. Der Versuch, dem ehemaligen Spezialbaugelände in Bergholz-Rehbrücke eine gute Zukunft zu geben, ist so ein zähes Ringen, das sich schon eine kleine Ewigkeit hinzieht.

Frage an den Nuthetaler Bauamtsleiter: Wenn das Tauziehen ein Marathonlauf wäre, wo befinden wir uns denn gerade? „Wir sind kurz vor der Zielgeraden. Aber die letzten Meter sind immer die schwersten“, sagt Rainer vom Lehn. Die Frage, welches Hindernis noch im Weg steht, ist auch schwer zu erklären, sagt er. An der Stelle wird es deshalb für Laien kompliziert: Es geht um die Frage, ob der Nachbar Potsdam Flächen aus seinem Einzelhandelskonzept quasi 20 Meter über die Gemarkungsgrenze nach Nuthetal ins Rehbrücker Gewerbegebiet schieben kann, das heute noch den Beinamen Spezialbaugelände trägt. Nuthetal bekäme also von Potsdam die Rechte, einen neuen, größeren Baumarkt auf dem Areal zu errichten. Während der Landkreis und die Regionalplanung diese Kooperation über Gemarkungsgrenzen hinweg als beispielhaft lobt, hat die Landesplanung Bauchschmerzen damit. „Es wird dazu einen Runden Tisch geben“, sagt vom Lehn und betont: Der neue Baumarkt soll zwar größer sein als der alte, aber die Vorgaben für Einzelhandelsflächen „werden wir insgesamt an der Stelle nicht überschreiten“.

Eine Einigung mit der Landesplanung ist wiederum Voraussetzung, um den Bebauungsplan fürs Gelände durch alle notwendigen Verfahrensschritte zu bekommen. In der Gemeinde Nuthetal hofft man, das dieses Jahr zu schaffen und den B-Plan endgültig zu beschließen. Dann wäre der Weg frei, die Pläne der Investoren umzusetzen.

Gut sieht es zum Beispiel für das Konzept der Rehbrücker Immobilien GbR aus, die in den alten Bürogebäuden im südlichen Teil des Gebietes an der Arthur-Scheunert-Allee Wohnungen einrichten will. Der Landkreis hat bereits signalisiert, das Wohnquartiere dort möglich sind, wenn der Bebauungsplan fürs Areal rechtskräftig ist.

Und wenn die Sache mit dem neuen Baumarkt klappt, dann könnte sogar Toom nach Bergholz-Rehbrücke zurückkehren. Es sollen hinter den Kulissen jedenfalls Gespräche dazu laufen. Der alte Toom-Markt hatte am 7. November 2015 seine Pforten geschlossen. Im Gespräch ist, die alte Halle abzureißen und dort neu und größer zu bauen. Das aber ist Zukunftsmusik. In die alte Baumarkthalle sollten vorübergehend Flüchtlinge einziehen. Ob das jemals passieren wird, ist noch unklar. Abgesagt ist der Plan bisher nicht. Laut Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert konnte für das Vorhaben bislang keine Baugenehmigung erteilt werden, „weil die Frage der Erschließung noch offen ist“. Geplant war eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft für „längstens zwei Jahre“.

Dass es beim Ringen ums frühere Spezialbaugelände keine Fortschritte gab, wäre glatt gelogen. Sie sind nur noch nicht sichtbar. Pleiten und verworrene Eigentumsverhältnisse, die lange eine Entwicklung verhinderten, gehören inzwischen der Vergangenheit an. Aus längst vergangenen Zeiten stammt auch der Name Spezialbaugelände, der unter Alt-Rehbrückern heute noch geläufig ist. Spezialbau hieß der Betrieb, der auf dem Areal 1945/46 entstand, weiß der Rehbrücker Heimatforscher Kurt Baller. Die Mitarbeiter hatten einen Spezialauftrag: Sie führten alle Bauarbeiten für die Sowjetarmee auf DDR-Gebiet durch. Der Betrieb hatte deshalb nie Schwierigkeiten, Material zu bekommen, sagt Baller. Der „Spezialbau“, der bis zur Wende für die sowjetische Armee arbeitete, war zu DDR-Zeiten einer der größten Arbeitgeber in Bergholz-Rehbrücke.

Wie die Zukunft des Geländes aussehen soll, beschreibt der Bauamtsleiter so: „Das Areal ist entwickelt, in der Mitte ist ein neuer Baumarkt, im Norden haben sich Handwerker angesiedelt, im Süden gibt es Büros und Wohnungen für Jung und Alt. Und die neue Landesstraße ist auch fertig.“ Sie soll von einer Seite von der Heinrich-Mann-Alle mittels einer Brücke über die Bahnstrecke und dann durchs Rehbrücker Gewerbegebiet führen, die Straße Am Buchhorst kreuzen und in die Ortsumgehungsstraße Drewitz münden. Anwohner der Arthur-Scheunert-Allee hätten dann deutlich mehr Ruhe. Der Plan geht auf einen Vorschlag zurück, den vom Lehn lange vor seiner Zeit als Bauamtschef auf einer Bürgerversammlung gemacht hat. 1998 war das. Kein Zweifel: Auch das Ringen um diese Straße ist eine zähe Angelegenheit.

Von Jens Steglich

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