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Zahl der Baumrodungen steigt deutlich

Borkheide/Borkwalde Zahl der Baumrodungen steigt deutlich

In den „Waldgemeinden“ Borkheide und Borkwalde (Mittelmark) werden von privat und Kommunen immer mehr Bäume gerodet. Daher wird einerseits der Ruf nach einer Baumschutzsatzung wieder lauter. Andererseits schätzen Grundstücksbesitzer die Freiheiten mit den allgemein üblichen Regelungen zur Baumfällung und nutzen diese eifrig.

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Und ewig surrt die Motorsäge: In den Waldgemeinden wird eifrig gesägt.

Quelle: Andreas Trunschke

Borkheide/Borkwalde. Die Saison für Baufällarbeiten zeigt in den Waldgemeinden dieses Jahr besonders deutliche Ergebnisse. Roland Höfer ist empört. „Warum sind auf dem kommunalen Grundstück Tannenallee 26 insgesamt 96 große Kiefern gefällt worden?“, fragt er in der Borkheider Gemeindevertretersitzung. Michael Lenz, der für Umwelt- und Grünordnung zuständige Mitarbeiter des Amtes Brück, ging zuvor von einer Auslichtung aus. Den unter den Kiefern stehenden Laubbäumen sollte Raum gegeben werden. Tatsächlich blieb jedoch kein Baum stehen. Selbst kleine, zehn Zentimeter dicke Eichen sind dem Harvester, der Holzerntemaschine, zum Opfer gefallen.

Nach Angaben des Borkheider Bürgermeister, Andreas Kreibich (SPD), wurden die Kiefern planmäßig geerntet, „wie es in der Forstwirtschaft üblich ist“. Als Ersatz werden auf anderen kommunalen Grundstücken neue Bäume gepflanzt, etwa auf dem Schulgelände oder im Waldbad. Was auf dem gerodeten Areal passiert, sei unklar.

Bei Roland Höfer bleiben Fragen. Warum wurden die Nachbarn nicht vorab informiert? Wer kontrolliert die Neuanpflanzungen? Da bereits früher auf anderen Grundstücken gerodet und ausgelichtet wurde, sei heute die nahe Autobahn viel lauter zu hören, sagt der Anwohner. „Früher hörte man sie leise im Winter bei ungünstigem Wind, heute laut zu jeder Jahreszeit und auch bei Windstille“, sagt eine anderer Nachbar gegenüber der MAZ.

Nachbar Thomas Winterstein hat ein weiteres Problem. Bei den Fällarbeiten wurde sein Zaun beschädigt. Seitdem habe sich trotz Nachfrage niemand ernsthaft darum gekümmert. Weder die Firma noch das beauftragende Amt. Auch eine Anzeige brachte nichts. „Die Adresse der verursachenden Firma soll nicht zu ermitteln sein“, sagt Winterstein verärgert.

„Jeder gefällte Baum tut mir in der Seele weh“, sagt Ruth Zeidler in der Sitzung und verweist auf weiteren Schwund wegen der anstehenden Errichtung von Windrädern im umgebenden Wald.

Offenbar sehen das nicht alle Einwohner in Borkheide und Borkwalde so. In der Borkwalder Holzhaussiedlung wird die ursprüngliche privatrechtlich gesicherte Pflicht, ein Drittel des Baumbestandes auf den Privatgrundstücken zu erhalten, nicht mehr durchgesetzt. Bereits im vorigen April forderte die Gemeindevertretung daher den Brücker Amtsdirektor auf, eine Baumschutzsatzung zu erarbeiten. Damit sollte der Charakter als Waldgemeinde erhalten und gefördert werden.

Auf Baugrundstücken sollten dann nur noch die absolut notwendigen Fällungen gestattet sein. Auch Schritte zur Wiederaufforstung in der Ortslage Borkwalde wurden eingefordert. Bald danach ging dem Amt Brück der Amtsdirektor verloren. Ein Satzungsentwurf samt Änderungswünschen ruht im Amt. In Borkheide war eine Schutzsatzung vor mehr als zehn Jahren vehement diskutiert, schließlich aber abgelehnt worden.

Viele Regeln zu beachten

Für die Beseitigung von Bäumen sind zahlreiche Gesetze und Verordnungen zu beachten. So das Bundesnaturschutzgesetz, das Brandenburgische Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz, das Waldgesetz und die Baumschutzverordnung des Landes.

Mitunter erlassen Kommunen für ihr Gebiet eigene Satzungen zum Baumschutz. Zudem gibt es Regeln aus Bebauungsplänen.

Eine Waldumwandlung muss durch die untere Forstbehörde zuvor genehmigt werden.

Kahlschläge sind weitgehend verboten. Werden Waldflächen kahl geschlagen, sind sie innerhalb von 36 Monaten aufzuforsten. Wenn mehr als 40 Prozent des Waldbodens überschirmt bleiben, ist es kein Kahlschlag.

Bäume auf bebauten Grundstücken dürfen ohne Genehmigung gefällt werden. Ausgenommen sind Eichen, Ulmen, Platanen, Linden und Rotbuchen, die in 1,30 Meter Höhe über dem Erdboden einen Stammumfang von mehr als 190 Zentimetern, also einen Durchmesser von 60 Zentimetern haben.

Im Wald dürfen Bäume immer gefällt werden, außerhalb des Waldes ist das nur vom 1. Oktober bis zum 28. Februar erlaubt.

Während einige Bürger heute für den Baumschutz und den Waldcharakter der selbst ernannten Waldgemeinde Borkwalde streiten, nutzen andere die Zeit zwischen der nach Ansicht von Kritikern nicht mehr kontrollierten alten Regelung und einer möglichen Satzung. Inzwischen werde in Neu- als auch in Alt-Borkwalde fast im Wochentakt ein privates Grundstück baumfrei gemacht, kritisieren Anwohner. Weitere Fällungen und Rodungen stehen an. Gegenwärtig erfolgen großflächig auf den Grundstücken der Berlin-Brandenburger Flächenentwicklungs GmbH (BBF) Auslichtungen zur Waldpflegen.

Das betrifft Flächen zwischen Bolzplatz und Mehrfamilienhäusern sowie entlang des noch nicht bebauten Abschnitts am Olof-Palme-Ring. Vermutlich sind diese Arbeiten Vorleistungen auf die angestrebte Umwidmung des Waldes in Bauland zu sehen. Bei dieser müsste für jeden dann noch zu fällenden Baum ein neuer gepflanzt werden. Auch auf den 63 Grundstücken, die von der Baufirma Town & Country vermarktet werden, muss mit jedem Neubau ebenfalls Wald verschwinden.

Hinzu kommen die umstrittenen, in der Reesdorfer Heide geplanten Windräder. Dazu müssten Bäume aus Wäldern zwischen Fichtenwalde, Borkwalde und Borkheide weichen. Hinzu kommt eine 300 Meter breite Brandschutzschneise, die Gemeinden schützen müssen.

Noch ist in Borkheide und Borkwalde viel Wald zu erleben. „Doch wie lange ist der Name Waldgemeinde noch gerechtfertigt“, fragen Einwohner wie Frank Stallner aus der Borkwalde Holzhaussiedlung.

Von Andreas Trunschke

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