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Zarte Versuchung aus Kleinmachnow

MAZ zu Hause in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf Zarte Versuchung aus Kleinmachnow

Julia Miekley legt sich Tag und Nacht ins Zeug, um in ihrem Café in der Zehlendorfer Straße Backwaren auf höchstem Niveau anzubieten. Gelernt hat sie ihr Handwerk unter anderem von zwei Franzosen in einem Café am Berliner Adenauerplatz. Die Patisserie in Kleinmachnow ist einzigartig im Landkreis.

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Julia Miekley in ihrer Backstube: Die Lehrmeister der Kleinmachnowerin waren zwei Franzosen am Berliner Adenauerplatz.

Quelle: kkh

Kleinmachnow. Törtchen auf höchstem Patisserie-Niveau stellt Julia Miekley in Kleinmachnow her und ist damit vermutlich die einzige Anbieterin dieser Spezialität im Landkreis. Doch ihre Leidenschaft verlangt vollen Einsatz: Sechs Tage in der Woche hat ihr Café in der Zehlendorfer Straße geöffnet, von rund sieben bis 18 Uhr ist sie selbst im Einsatz. In der Backstube bereitet die Konditorin die Teige zu, die Cremes, die Glasuren, baut sie die Törtchen zusammen. Rund 700 Stück produziert sie in der Woche, dazu auf Bestellung Torten. Ihre eigenen Favoriten sind dabei Sanddorn-Crunch, ManJo und Biskélia, erzählt sie, die Gäste lieben den Schoko-Dom und Himbeer-Marzipan, „die gehen immer“. Auch Sanddorn-Crunch habe aufgeholt. Natürlich habe sie auch schon Kreationen aus dem Sortiment genommen, denn sie hat immer maximal 14 verschiedene Sorten in der Vitrine, dazu ein paar Streuselkuchen oder Tartes. Um das „Vanille-Tropical“-Törtchen tue es ihr aber heute noch leid. Manche Sorten müssten aber auch bleiben, selbst wenn sie nicht zu den Rennern gehören, so etwa Milchreis-Kirsch oder Mohn-Tonkabohne, „weil sie extravagant sind“.

Der „Schoko-Dom“ (vorn), Himbeer-Marzipan (hinten links) und Schoko-Mokka sind nur drei der Leckereien, die Julia Miekley in ihrem Café anbietet

Der „Schoko-Dom“ (vorn), Himbeer-Marzipan (hinten links) und Schoko-Mokka sind nur drei der Leckereien, die Julia Miekley in ihrem Café anbietet.

Quelle: kkh

Gelernt hat Miekley in der Patisserie Harry Genenz am Berliner Adenauerplatz. Zwei Franzosen waren dort die Backstubenleiter und so hat sie „zu 80 Prozent französische Patisserie“ gelernt. „Das war schon lustig, denn normaler Kuchen – nein danke!“, sagt sie. Danach arbeitete sie für mehrere Jahre in der Patisserie Albrechts, später schnupperte sie noch kurz in die Schweizer Hotellerie. Letztlich zog es sie aber nach Kleinmachnow, wo sie mit ihrem Vater die Ladenräume in der „Villa Elisabeth“ umbaute und sie dann Pfingsten 2010 das „Café Elisabeth“ mit eigener Backstube eröffnete.

Der Umsatz variiert. Es kann vorkommen, dass eine Woche schwach läuft und sie am Wochenende dafür schon nach wenigen Stunden auf die vorbereiteten Reserven zurückgreifen muss. Doch von Anfang an schreibt sie schwarze Zahlen. „Ich lebe aber finanziell wie ein Hartz-IV-Empfänger“, sagt sie. „Doch wenn man es gerne macht, tut es nicht so weh. Ich arbeite ja gerne, nur rumsitzen hasse ich. Lieber zu viel Arbeit als gar keine.“ Zwei Kredite hat sie noch abzuzahlen und das Geld ist immer wieder ein Thema. Gerne hätte sie mehr Mitarbeiterinnen, aber sie kann es sich nicht leisten. Die Schokolade von Valrhona kommt aus Frankreich – da kann leider keine Umsatzsteuer gegengerechnet werden. Klar, die aus Deutschland wäre günstiger, aber den Unterschied würde man schmecken, „das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren“. Überhaupt legt sie auf hochwertige Zutaten wert, Zusatzstoffe werden nicht verwendet. Meist versucht sie, durch Einteilen ihrer zwei Aushilfen zumindest den Sonntagnachmittag nicht arbeiten zu müssen, damit sie wenigstens auf eineinhalb freie Tage am Stück kommt. „Aber ich bin super penibel – wie muss das Obst liegen, die Törtchen müssen in der Vitrine ganz genau eingeräumt sein“, gibt sie zu. Das ist auch der Grund, warum sie Schnitten verkauft: „Das sieht aus wie aus dem Drucker. Runde Formen könnte ich nie so gleichmäßig dressieren.“

Julia Miekley ist  vermutlich die einzige Anbieterin dieser Spezialität im Landkreis

Julia Miekley ist vermutlich die einzige Anbieterin dieser Spezialität im Landkreis.

Quelle: kkh

Vor drei Jahren hat sie Konkurrenz bekommen: Gegenüber hat ein ortsbekanntes Café seine Pforten geöffnet. Doch Miekley konnte „keinen Umsatzeinbruch verzeichnen, ich hatte eher den Eindruck, dass man mich vorher nicht kannte und mein Geschäft jetzt als Alternative gesehen wird“. Und während das andere Lokal im Frühling und Herbst die ersten und die letzten Sonnenstrahlen bekäme, profitiere ihre Patisserie im Sommer vom Schatten der Bäume. Außerdem könne sie im Winter mit der Fußbodenheizung und dem Kamin punkten. Letzterer sei auch was fürs Auge und sie bekomme sogar gezielt Reservierungen „am Kamin“.

Die generelle Entwicklung gefällt ihr aber: „Es wird immer ein bisschen mehr, weil die Leute von der Massenware weggehen und die Zutaten rausschmecken wollen.“ Aber mehr Umsatz bedeutet auch mehr Kosten für die Zutaten und die Mitarbeiterinnen – und den Mindestlohn für Aushilfen findet sie „total schlimm. Wenn jemand gelernt hat, ist es ja noch zu wenig, aber wenn jemand studiert und einfach nur drei Teller von A nach B trägt, ist das eine bodenlose Frechheit. So können kleine und mittelständische Betriebe in Deutschland nicht überleben“, ärgert sie sich.

Vom Fernsehauftritt zum eigenen Laden

Zu Pfingsten 2010 hat Julia Miekley ihre Patisserie im Haus Elisabeth eröffnet. 700 Törtchen produziert sie in der Woche ungefähr, dazu noch Torten auf Bestellung.

2014 hat sie bei einem Patisserie-Wettbewerb im Fernsehen mitgemacht.

Die Schokoladenfirma Valrhona hat ihr neuestes Törtchen ManJo auf der Firmen-Facebookseite präsentiert.

„Wenn die Leute es irgendwann nicht mehr wollen oder es ihnen zu teuer wird, will ich lieber schließen, als etwas Deutsches anbieten“, sagt die gebürtige Eisehüttenstädterin. Was sie dann macht? Egal – aber Hauptsache nichts im Büro. Aber eigentlich möchte sie nicht aufhören, sondern mehr Umsatz machen, sich eine fixe Mitarbeiterin leisten können, so dass sie nur noch in der Backstube zu stehen braucht. Dann würde sie gerne ein paar Filialen eröffnen und noch einmal nach Hawaii fliegen – und mal quer mit dem Wohnwagen durch die USA fahren – sich ein bisschen Auszeit nehmen und nicht nur immer aufs Geld schauen müssen.

Von Konstanze Kobel-Höller

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