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Potsdam-Mittelmark Zeitreise durch 110 Jahre Ortsgeschichte
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18:12 20.03.2018
Stefan Gerlach stellt das flugfähige Modell des Garde-Eindeckers vor. Quelle: Andreas Trunschke
Borkheide

Wie hieß der erste Flugplatz von Borkheide? Das war nur eine der Quizfragen, die den zahlreichen Gästen vor Beginn des Kaminabends der offenen Geschichtswerkstatt in Borkheide gestellt wurde. Der große Saal im Hotel Fliegerheim war bis auf den letzten Platz besetzt.

Offenbar interessieren sich zahlreiche Alt- und Neu-Borkheider stark für die Geschichte ihres Ortes. Der Bogen war weit gespannt und reichte vom Lanz-Preis der Lüfte, den der damalige Neu-Borkwalder Hans Grade am 30. Oktober 1909 gewann, bis zur Zugtaufe am 29. April 2017, als eine Regionalbahn den Ortsnamen bekam.

Ortschronistin Heike Günther führte durch den Abend   Quelle: Andreas Trunschke

Die Ortschronistin Heike Günther führte flott und informativ durch einen faktenreichen Nachmittag. Sie selbst erzählte von der Finanzierung des Bahnhofes im Jahr 1900 durch die Herren Bönninger und Jürgens aus Berlin. Sie waren es leid, immer vom Bahnhof Beelitz-Heilstätten zu ihrem Jagdgebiet zu laufen.

Außerdem erfuhren die Besucher von der Ansiedlung des ersten deutschen Motorfliegers Hans Grade, seiner Flugschule und dem Bau des Fliegerheims, in dem nun der Kaminabend stattfand.

Flugfähiges Modell eines Grade-Eindeckers

Zur Veranstaltung präsentierte Stefan Gerlach ein flugfähiges Modellflugzeug nach dem Eindecker von Grade. Allerdings konnte Gerlach die Räder nicht als Speichenräder wie beim Vorbild bauen. „Die haben nicht gehalten, übrigens auch nicht bei den Nachbauten in Originalgröße. Aber bei Grade haben sie gehalten“, berichtete der Flugzeugkenner.

Höhepunkt war der Vortrag von Professor Michael Grade, der mit Hans Grade gemeinsame Vorfahren hat und zu internationalen Verbindungen des Flugpioniers referierte.   Quelle: Andreas Trunschke

Ein Höhepunkt der Geschichtsveranstaltung war der Vortrag von Michael Grade. Der Professor hat mit Hans Grade gemeinsame Vorfahren. Er hatte sich die internationalen Verbindungen von Hans Grade vorgenommen. Zum einen konnte er nachweisen, dass der Flugpionier seine Kurbelwellen von den noch heute existierenden Polid-Hütte in Kladno im heutigen Tschechien bezogen hatte.

Zum anderen hielt Grade 96 nachgewiesene Patente, wahrscheinlich sogar noch mehr. Viele davon hatte er in Deutschland angemeldet, einige aber auch in Österreich und in der Schweiz. Zwei sogar in Kanada und eines in den USA. Zu den österreichischen Verbindungen Grades gehörte auch die Gründung eines Außenwerkes in dem Alpenland.

Projekte im Ausland

Vier Jahre lang wurde der Austro-Grade dort produziert. Michael Grade verwies auch auf die internationalen Flugschüler unter den insgesamt 130 Schülern seines Verwandten. Neben einem russischen Piloten erwähnt er vor allem die Fliegerin Bozena Laglerova, die als zweite überhaupt einen deutschen Flugschein erhielt.

Einer der bedeutendsten Flugschüler von Grade war der Japaner Kumazo Hino. Er brachte am 19. Dezember 1910 mit dem Grade-Doppeldecker als erster Japaner in seinem Heimatland ein bemanntes Flugzeug in die Lüfte.

Internationale Wettbewerbe

Schließlich sind die internationalen Wettbewerbe zu erwähnen, bei denen Grade zwar nicht mit den Franzosen mit ihrer längeren Erfahrung mithalten konnte, bei den er sich aber durchaus beachtlich schlug.

Die Geschichtsveranstaltung setzte Chronistin Heike Günther mit weiteren interessanten Details zur Entwicklung der Waldgemeinde fort. In den Nachkriegsjahren von 1945 bis 1953 verfügt Borkheide zum Beispiel über 15 Einzelhandelsunternehmen, 23 Schneider, Näher oder Schuhmacher. Stolze 32 Baubetriebe, sechs Spediteure und drei Gastgewerbe waren gemeldet.

Zeitzeuge Karl Schröder berichtet.   Quelle: Andreas Trunschke

Das frühere und heutige Fliegerheim hieß damals „Roter Stern“. Spannend waren zum Abschluss auch die Erzählungen des Zeitzeugen Karl Schröder. Er berichtete beispielsweise, dass man früher „die Pilze hier mit der Sense ernten konnte“, bevor Bürgermeister Andreas Kreibich (SPD) die Entwicklung der Waldgemeinde bis zur heutigen Zeit skizzierte.

Der erste Flugplatz Borkheides hieß übrigens Marsfeld. Die heutige Friedrich-Engels-Straße ging quer hindurch. Wenn Flugbetrieb war, mussten die Autos anhalten.

Von Andreas Trunschke

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