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Zeudener Ifa-Freunde hegen ihre Schätze

Oldtimer aus DDR-Produktion Zeudener Ifa-Freunde hegen ihre Schätze

Das milde Lächeln gehörte früher oft dazu, wenn über Fahrzeugtechnik „Made in GdR“ gesprochen wurde. Dass diese zwar oft aus Pappe, aber trotzdem nicht immer schlecht war, wissen die Zeudener Ifa-Freunde schon lange. Aufwendig hegen und pflegen sie ihre betagten Schätze und zeigen sie gerne auch herum. Darunter ist auch manche Rarität mit und ohne Motorantrieb.

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Nicht bis in den Himmel

Die Produktpallette aus Ifa-Zeiten ist riesig. Vieles davon kann man sich in Zeuden anschauen.

Quelle: Uwe Klemens

Zeuden. „Nur Männer aus Pappe fahren Autos aus Stahl“, hießt es auf einer Tabant-Heckscheibe. Die anderen treffen sich regelmäßig in der Ifa-Scheune Zeuden zum Benzingespräch. Unter dem Dach und auf dem Hof der von Steffen Muschert ausgebauten Autowerkstatt hegen und pflegen sie gemeinsam ihre Schätze. Die tragen – bis auf wenige Ausnahmen – allesamt das viereckige Ifa-Symbol.

Die Zeudener Ifa-Freunde zeigen  ihre  Devise auf der Heckscheibe  eine Renn-Trabis

Die Zeudener Ifa-Freunde zeigen ihre Devise auf der Heckscheibe eine Renn-Trabis.

Quelle: Uwe Klemens

Wer den stahlharten Jungs dabei über die Schulter schaut, dürfte staunen, was zu DDR-Zeiten alles mit dem Logo des sozialistischen Fahrzeughandels vom Band lief. Die Rennpappe mit dem von Muschert kreierten Spruch auf der Heckscheibe ist nur eines der vielen fahrtauglichen Exponate. Selbst Dreiräder, Fahrräder und Rollstühle gehörten dazu. Auf die zwei Exemplare der letztgenannten Spezies ist Steffen Muschert nicht weniger stolz, als auf den Mini-Reisebus K 30, Baujahr 1956. Das vielleicht sonderbarste Produkt der historischen Fahrzeugflotte ist ein schwergewichtiger Hometrainer aus der damaligen Konsumgüterproduktion, zu der viele der größeren DDR-Betriebe damals verdonnert wurden. „Nach dem habe ich lange gesucht, bis er dann eines Tages in einem Schrottcontainer lag“, freut sich Muschert über die Rarität.

Seltene Kostbarkeiten in privaten Sammlungen

Auch die Privatsammlungen der übrigen Ifa-Enthusiasten enthalten seltene Kostbarkeiten. Einen noch immer funktionstüchtigen Wegehobel, Baujahr 1968, besitzt Muscherts Nachbar Martin Übius. „Ein Glückstreffer, denn davon gibt es nicht mehr viele“, sagt er. Auch auf den Bagger vom Typ T 174-1, auf den Geräteträger GT 124, seine MZ und mehrere Mopeds ist der Zeudener stolz. Transporter vom Typ Barkas, Trabbis in unterschiedlicher und zum Teil sogar Sonderausführung und ein paar Lkw komplettieren die Club-Sammlung.

Zentralisierung war Vorgabe

Auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wurden die enteigneten Betriebe in Ostdeutscland nach dem Zweiten Weltkrieg in insgesamt 65 Industrie-Verwaltungen zusammengefasst.

Der Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) war ein Zusammenschluss von Unternehmen des Fahrzeugbaus in der späteren DDR. Die im Verband zusammengeschlossenen Kombinate unterstanden dem Ministerium für allgemeinen Maschinen-, Landmaschinen- und Fahrzeugbau.

Ende der 1960er-Jahre wurde im Rahmen weiterer Zentralisierungsbestrebungen eine Kombinatsstruktur eingeführt. Obwohl sich der Fahrzeugbau entsprechend der Produktionspalette in mehrere Kombinate gliederte, wurde das Kürzel IFA allen Kombinatsnamen vorangestellt.

Nach der Wende erfolgten ab 1989 in Regie der Treuhandanstalt die Zerschlagung der Kombinatsstruktur und die Privatisierung beziehungsweise Auslöschung der Betriebe.

Etwa 20 Mitglieder, größtenteils aus der Region bis hin nach Borkwalde, gehören heute dazu. Alle auf einmal da sind sie nur zu besonderen Anlässen. Meist schrauben, plaudern und tüfteln die Fans zu zweit oder zu dritt. „Auch ich als gelernter Kfz-Mechaniker hab mir das spezielle Wissen zu den einzelnen Fahrzeugen erst Stück für Stück erarbeiten müssen“, sagt Steffen Muschert und schwärmt: „Das Schöne ist, dass man an der Technik von damals noch richtig arbeiten kann. Wenn dann alles in Ordnung ist, laufen die Fahrzeuge tadellos. Bei dem, was heute gebaut wird, ist das oft nicht mehr so“, sagt Muschert. Sein zehnjähriger Sohnemann Kevin, der derzeit noch mit seinem kettengetriebenen, dreirädrigen Rennflitzer über den Hof saust, ist schon der nächste Anwärter für die Schrauber-Gemeinschaft.

Kontakte sind Rückgrat jedes Oldtimer-Schraubers

Mehrmals im Jahr machen sich Ifa-Freunde einzeln oder gemeinsam auf den Weg zu Oldtimertreffen. „Die kleineren Treffen sind die besten, weil man viel intensiver mit anderen Fans ins Gespräch kommt“, erzählt Muschert. Die so geknüpften Kontakte sind das Rückgrat jedes Oldtimer-Schraubers. „Wenn uns mal ein ganz spezielles Originalteil fehlt, reichen oft zwei, drei Anrufe aus, bis ich es habe“, sagt der Clubgründer.

Schraubernachwuchs

Schraubernachwuchs: Noch ist Kevin Muschert (10) ohne Motorantrieb unterwegs.

Quelle: Uwe Klemens

Der größte Traum, den er und die übrigen Ifa-Jünger derzeit hegen, ist, dass die Hobby-Gemeinschaft möglichst bald zum festen Bestandteil des Bergdörfer-Vereins wird, in dem Muschert ebenfalls den Hut auf hat. Gemeinsam ließe sich dann vielleicht sogar die Idee vom Bau eines größeren Ausstellungsraums für die Ifa-Produkte verwirklichen und ein eigenes Oldtimer-Treffen kreieren. Für die drei so genannten Bergdörfer Lobbese, Zeuden und Pflügkuff wäre das eine echte Bereicherung, sind die Ifa-Freunde überzeugt.
Die nächste Gelegenheit, sich von ihnen und ihrer Technik in den Bann ziehen zu lassen, bietet sich bei Zeudener Dorffest am 4. Juni. Neben Kaffee und Kuchen gibt es dann sicher auch wieder angeregte Benzin-Gespräche.

Von Uwe Klemens

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