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Ziesar Dretzen könnte schöner sein
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Dretzen könnte schöner sein
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15:58 29.06.2018
Siegfried Bahl (l.) und Klaus Gobel am Dretzener Dorfteich Quelle: Frank Bürstenbinder
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Dretzen

Mit dem Rasenmäher rückt Siegfried Bahl (74) dem strohig gewordenen Gras zu Leibe. Zwar gehört die Grünfläche neben dem 2007 renaturierten Dretzener Dorfteich der Kommune, doch weil das Biotop an sein Haus angrenzt, findet der Rentner nichts dabei selbst Hand für ein gepflegtes Umfeld anzulegen. „Schließlich möchte ich es vor meinem Fenster schön haben“, sagt Bahl, der sich auch um die Entenfamilie kümmert, die dem Dorfteich seit Jahren die Treue hält.

Ganz im Westen

Seit 2002 bildet Dretzen mit Buckau und Steinberg die Gemeinde Buckautal. Geografisch gehört das rund 180 Einwohner zählende Dorf zu den am weitesten westlich gelegenen Dörfern in Potsdam-Mittelmark an der Grenze zu Sachsen-Anhalt.

Überregional bekannt ist Dretzen durch sein saniertes Schul- und Bethaus in der Dorfstraße, sowie durch den Windpark, der sich in Richtung Truppenübungsplatz Altengrabow erstreckt. Nach dem Aufbau neuer Anlagen vor einigen Monaten, sollen weitere leistungsfähigere Rotoren folgen.

Die Gemeinde Buckautal hat in dieser Woche ihren Haushalt für das laufende Jahr beschlossen. Für den Ortsteil Dretzen ist unter anderem der Einbau eines Behinderten-WC im Jugendklubgebäude geplant. Dafür fließen auch Fördermittel. Das Dorfgemeinschaftshaus wird mit 12 000 Euro bezuschusst.

Solch ein bürgerschaftliches Engagement wünscht sich Klaus Gobel wieder öfter in seinem 180-Seelen-Dorf. Dretzens Altbürgermeister bedauert, dass es mit der Pflege und Sauberkeit in der Ortslage bergab geht. Entweder bieten private Vorgärten einen traurigen Anblick oder auf den öffentlichen Flächen zwischen Gehweg und Dorfstraße steht das trockene Gras kniehoch. Auch die Rosenhecke vor dem Dorfteich könnte dringend einen Rückschnitt gebrauchen.

„Dretzen wurde einmal als schönstes Dorf im Landkreis Brandenburg ausgezeichnet. Davon ist leider nicht viel übrig geblieben“, bedauert Gobel, der vor und nach der Wende 20 Jahre Gemeindeoberhaupt war. Vorbei sind auch die Zeiten, als sich die Einwohnerschaft jeden Sonnabend beim gemeinsamen Fegen der Straße traf. Was müsste sich ändern?

In der Dorfmitte steht das trockene Gras kniehoch. Quelle: Frank Bürstenbinder

Für Gobel ist die Sache klar. Kommune und Privatleute müssten wieder mehr Engagement und Liebe zum Dorf zeigen. Zwar sind auch in der Gemeinde Buckautal Gemeindearbeiter im Einsatz, doch diese werden vom Bauamt in Ziesar gesteuert, wo die Prioritäten gesetzt werden. „Wir werden uns die kritisierten Ecken ansehen“, sagte Amtsdirektor Norbert Bartels auf Nachfrage.

Rechtslage hat sich geändert

Bei der Gemeinderatssitzung von Buckautal warnte der Verwaltungschef in dieser Woche jedoch vor überzogenen Erwartungen: „Trotz der Gemeindearbeiter sind wir auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. Die Arbeit ist sonst kaum zu schaffen. Außerdem ist eine Kommune nicht verpflichtet, Grünflächen auf drei Millimeter kurz zu halten.“

Problem: Aktuelle Rechtssprechungen lassen es nicht mehr zu, dass Grundstücksbesitzer zum Mähen öffentlicher Flächen vor den Häusern verpflichtet werden können. Gemeindevertreterin Ina Menge aus Dretzen forderte die Verwaltung deshalb auf, Klarheit in die Verantwortlichkeiten zu bringen. „Die Straßenreinigungssatzung für Dretzen stammt noch aus der Zeit vor dem Zusammenschluss zur Gemeinde Buckautal“, so Menge.

Diese Hecke kann einen Rückschnitt vertragen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Als einen ersten Schritt kann sich Amtsdirektor Bartels vorstellen die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Flächen feststellen zu lassen. Dann soll gemeinsam mit den Bürgern geklärt werden, wie die Pflege der Grünanlagen organisiert wird. Das betrifft auch das regelmäßige Kehren der Gosse, wofür eigentlich die Anwohner zuständig sind. Doch in Dretzen ist davon nicht viel zusehen. Dafür macht sich Unkraut auf dem Weg zu den Regeneinläufen breit. Dazu kommen Strohreste, die sich bei landwirtschaftlichen Transporten selbstständig machen.

Appell des Amtsdirektors

„Wenn das Kehren der Straße nicht funktioniert, könnten wir die Reinigung bei einem Dienstleister in Auftrag geben. Die Kosten würden dann auf die Bürger umgelegt. Doch genau das kann niemand wollen. Ich auch nicht“, sagte Amtsdirektor Bartels in der Gemeindevertretersitzung. Vielmehr appelliere er an die Vernunft der Menschen ihren Teil für ein sauberes Dorf beizutragen, so der Verwaltungschef.

Mit Blick auf die kommende Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wünscht sich Bartels, dass sich in Dretzen wieder ein Ortvorsteher als unmittelbarer Ansprechpartner findet. Ordnung und Sauberkeit wäre genau ein Thema für dieses wichtige Ehrenamt, findet Bartels.

Von Frank Bürstenbinder

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