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Ziesar Dürre treibt die Bauern in den Raps
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Dürre treibt die Bauern in den Raps
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15:07 28.06.2018
Der neue Mähdrescher der Agrargenossenschaft Ziesar erntet ein Rapsfeld ab. Der Ertrag liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau. Quelle: Frank Bürstenbinder
Ziesar

Bei anhaltender Trockenheit haben die Bauern in Potsdam-Mittelmark mit der Ernte begonnen. Während auf den ersten Schlägen die Gerste vom Halm ist, rollen Mähdrescher schon durch den Raps. Das sonnige Wetter hat die krautige Nutzpflanze in diesem Jahr rund vier Wochen früher reifen lassen. Doch weil auch diese Kultur unter Wassermangel leidet, bahnen sich, wie beim Getreide, dramatische Ertragsverluste an.

Erntemenge hat sich halbiert

Mal sind es 15, mal 20 Dezitonnen, die der Computer in der Fahrerkabine von Jerome Schöpke (23) anzeigt. Der Landwirt rollt mit einem gelben New Holland-Mähdrescher über ein knochentrockenes Rapsfeld, von dem sich in normalen Jahren rund 30 Dezitonnen je Hektar ölhaltiger Samenkörner von den Fruchtstielen holen lassen. Um das kostbare Erntegut mit geringsten Verlusten zu bergen, hat die Fiener Agrargenossenschaft Ziesar-Bücknitz in eine gebrauchte Neuanschaffung investiert. Bis vor drei Jahren war die 550-PS-Erntemaschine der CR-Baureihe der weltweit größte Mähdrescher.

Landwirt Jerome Köpke fährt den neuen Mähdrescher der Agrargenossenschaft Ziesar. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Bei diesem Modell findet die Kornabscheidung nicht mit einem Schüttler, sondern mit Rotoren statt. Das bringt weniger Verluste. Außerdem kann ich schneller fahren“, erklärt Schöpke. Dabei müssen seine Hände nicht mehr das Steuer halten. Ist der Mähdrescher erst einmal in der Spur, erkennt die Maschine, die ein 12,50 Meter breites Schneidwerk aufnehmen kann, automatisch die linke Feldkante und übernimmt die Lenkung. Doch selbst die leistungsstärkste Landtechnik kann keine Wunder vollbringen, wenn es um’s Wetter geht.

Auch Stroh wird knapp

„Wir sind flächendeckend vertrocknet“, sorgt sich der Vorstandsvorsitzende der Fiener Agrargenossenschaft, Elard von Gottberg. Die Gerste als früheste Getreideart hat es schlimm erwischt. Der Agrarchef spricht von „Kümmelkörnern ohne Mehl“. Entsprechend mau fällt die Ernte aus, die in einem Band zwischen 10 und 20 Dezitonnen je Hektar liegt. Auch das ist nur die Hälfte der normalen Menge. Roggen und Weizen lechzen nach Regen, doch so mancher Schlag ist bereits vertrocknet. Die Körnerqualität ist dabei nur ein Problem. Das Stroh für die Tierhaltung wird knapp.

Agrar-Vorsitzender Elard von Gottberg sorgt sich schon um den Mais, der unter Trockenstress leidet. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Sollte es in den nächsten Tagen weiter trocken bleiben, dürfte selbst der Mais nicht mehr zu retten sein“, prophezeit von Gottberg. Ein typisches Zeichen für Trockenstress sind die eingerollten Blätter. Außerdem bleiben die Pflanzen im Wachstum zurück. Beim Grünland sieht es nicht besser aus. Weil kein Regen fällt, wächst das Gras als Futtergrundlage für die Mutterkuhhaltung nicht nach.

Neuer Nackenschlag für die Landwirtschaft

Für den Chef der Fiener Agrargenossenschaft ist es Zeit für die Politik über eine Dürrehilfe nachzudenken. Neben der Pleite des Milchhändlers BMG mit sechsstelligen Verlusten und dem nicht kostendeckenden Milchpreis sei das jüngste Desaster auf den Feldern ein weiterer Nackenschlag. Landeshilfen hält auch Berufskollege Jens Schreinicke für gerechtfertigt. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark spricht von einer „katastrophalen Saison“ mit schlimmeren Folgen als das verkorkste Erntejahr 2017. Dagegen hat der Bauernbund Brandenburg Forderungen nach einer Dürrehilfe zurückgewiesen. Davon würden nur die Großbetriebe profitieren, familiengeführte Bauernhöfe würden leer ausgehen, erklärte vor wenigen Tagen Bauernbund-Vorstand Jens Gerloff.

Von Frank Bürstenbinder

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