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Ziesar Hitzeschlacht im Pflegeheim
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Hitzeschlacht im Pflegeheim
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14:59 30.07.2018
Hermine Tribut (85) trinkt sich fleißig durch die heißen Tage. Auf andere Bewohner muss das Pflegepersonal mehr achten. Quelle: JACQUELINE STEINER
Dahlen

Hermine Tribut (85) hat alles, um gut über die heißesten Tage des Jahres zu kommen. Ein schattiges Zimmer, ein kühles Plätzchen am Teich im Gutspark. Und sollte es ihr einmal nicht gut gehen, reicht ein Knopfdruck und Hilfe naht. Doch die wichtigsten Gegenmittel gegen die längste Trockenzeit ihres Lebens stehen vor ihr auf dem Tisch: Säfte, Wasser, Kaltschale.

Im ehemaligen Rittergut

Das Pflegeheim in Dahlen ist Bestandteil des ASB Pflege- und Betreuungszentrums. Die Einrichtung wurde vor über 65 Jahren als Feierabendheim auf dem Gelände eines ehemaligen Rittergutes eingerichtet.

Mit seinen über 70 Plätzen ist das Pflegeheim derzeit ausgelastet. Es gibt eine immer länger werdende Warteliste. Um den ab 1840 von der Gutsbesitzerfamilie von Schierstedt angelegten Gutspark kümmert sich ein Förderverein.

 

„Ich schaffe jeden Tag drei Liter“, freut sich die Seniorin, die vor ihrem Umzug ins ASB-Pflegeheim Dahlen 62 Jahre in Schlamau bei Wiesenburg gelebt hat. Getränke sind im Haus ständig verfügbar und in greifbarer Nähe. Hermine Tribut verdünnt sich Fruchtsäfte mit Wasser. Morgens und abends trinkt sie eine Kanne leer. Zwischendurch Mineralwasser und Kaltschale in wechselnden Sorten.

Die Südseite des Dahlener Pflegeheims ist mit Außenmarkisen vor der Sonne geschützt. Die hohen Bäume des alten Gutsparks schaffen das alleine nicht. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die gebürtige Lembergerin gehört zu den wenigen Heimbewohnern, die allein mit einem Rollator ihr Zimmer verlassen und den alten Gutspark aufsuchen können. Dort sorgen die dendrologischen Kostbarkeiten zusammen mit der Wasserfläche des Teiches zumindest am Vormittag für eine angenehmes Mikroklima. Doch am Nachmittag wird die Hitze auch unter den Bäumen, die längst Blätter abwerfen, unerträglich. Dann werden alle Aktivitäten in die kühlen Gruppenräume verlegt.

Noch nie in seiner über 65-jährigen Geschichte hat das Pflegeheim in Dahlen eine solche über viele Wochen anhaltende Trocken- und Hitzeperiode erlebt. Die extremen Wetterbedingungen bleiben nicht ohne Folgen für Bewohner und Personal. „Die Hitze ist eine zusätzliche Herausforderung und ständiges Thema unserer Teamberatungen“, berichtet Heimleiterin Nicole Sieg.

Für Nachschub ist gesorgt. Küchenleiterin Nicole Jirjahlk nimmt von Tobias Schmidt (Transgourmet) eine neue Lieferung mit Getränken, Joghurt, Säften und Melonen entgegen. Quelle: JACQUELINE STEINER

In den Händen ihrer Mitarbeiter liegt das Wohl und Wehe von immerhin 72 pflegebedürftigen Menschen. Darunter sind 20 Männer und Frauen mit dem höchsten Pflegegrad 5. Sie alle müssen mit ausreichend Flüssigkeit versorgt werden. Ohne die Bewohner zu gängeln, werden immer wieder Getränke angeboten. Kühl aber nicht eiskalt. Der Mineralwasserkonsum hat sich im Vergleich zu normalen Wochen verdoppelt. Wer unter schweren Schluckstörungen leidet, bekommt mit Spezialpulver angedickte Säfte, die löffelweise verabreicht werden.

Problem: Bei alten Menschen verändert sich das Durstgefühl. „Sie merken gar nicht, dass sie dringend Flüssigkeit zu sich nehmen müssen. Deshalb passen wir noch mehr auf“, weiß Pflegedienstleiterin Manuela Sell. So werden unter anderem Trinkprotokolle für Risikofälle geführt. Allerdings müssen nicht alle Menschen so viel trinken wie Hermine Tribut. Der Bedarf des Körpers kann individuell sehr unterschiedlich sein.

Frank und Heiko von der ASB-Behindertenwohnstätte räumen im schattigen Gutspark nach dem jüngsten Gartenfest auf. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Hitzeschlacht im Pflegeheim beginnt schon in der Küche, wo das Team unter Leitung von Nicole Jirjahlk ständig für Nachschub an Fruchtkaltschalen sorgt. Dass leichte Kost mit viel Obst und Gemüse auf dem Speisezettel stehen, ist im Pflegeheim Dahlen ohnehin selbstverständlich. Bei der Hitze gibt es Wassermelone und Speiseeis dazu. Die ASB-Geschäftsführung hat angeordnet, dass Wasser, Kaffee und Tee für die Mitarbeiter frei sind. Tee wird unter anderem mit Minze und Zitronenmelisse aus dem eigenen Gewächshaus angesetzt.

Auch in den Frühstücksräumen ist stets für Getränke gesorgt. Quelle: JACQUELINE STEINER

Für Hochpflegebedürftige gehören jetzt zusätzliche Teilwaschungen zum Alltag. Immer wieder werden die Lippen befeuchtet. In den Betten wurden sämtliche Decken ausgewechselt. Um die Hitze von den Zimmern der Südseite fern zu halten, wurden die bereits bei der Heimmodernisierung installierten Sonnenschutzsysteme aktiviert. Neben den Markisen an der Außenfassade schützen zusätzlich Verdunklungsvorhänge die Räume vor Sonnenstrahlen. „Alle Maßnahmen zusammen zeigen Wirkung. Zum Glück gab es in Dahlen bislang keine hitzebedingten Erkrankungen“, so Pflegedienstleiterin Sell. Ihren Mitarbeitern hat sie aufgegeben ab und an kleine Verschnaufpausen einzulegen – ohne den Pflegeauftrag zu vernachlässigen.

Von Frank Bürstenbinder

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