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15:01 25.05.2018
Museumsleiter Clemens Bergstedt erklärt die digitale Präsentation der Burgkapelle Ziesar. Quelle: JACQUELINE STEINER
Ziesar

Dietrich von Stechow griff tief in die Tasche. Als 37. brandenburgischer Bischof ließ er seine Residenz in Ziesar mit einer neuen, 1470 geweihten Kapelle krönen. Nach außen wehrhaft, wie die gesamte Burganlage. Zum Innenhof hin mit repräsentativer, ja fast schlosshafter Fassade und einem prächtigen Portal. Noch heute schauen Besucher bewundernd auf die fast vollständig erhaltenen Gewölbe- und Wandmalereien im Innern dieses Meisterwerks märkischer Backsteinarchitektur. Eine digitale Präsentation richtet neuerdings den Blick auf architektonische und künstlerische Details, wie sie so bisher noch nie zu sehen waren.

Wechselvolle Geschichte

Unter Bischof Ludwig Schenk von Neindorf wurde die Burg Ziesar nach 1327 feste Residenz der Bischöfe von Brandenburg. Doch erst in der Herrschaftszeit von Bischof Dietrich von Stechow entstand die 1470 geweihte Burgkapelle.

Die Burgkapelle gehört wie die gesamte Burganlage der Stadt Ziesar, wird aber von der Katholischen Gemeinde genutzt. In dem Raum finden auch öffentliche Konzertveranstaltungen statt. Führungen sollten über das Burgmuseum angemeldet werden.

Bereits zur Weihe der Kapelle wies der Kirchenraum eine prächtige Raumausmalung auf. Als Ende des 17. Jahrhunderts die calvinistische Gemeinde die Kapelle übernahm, wurden Wände und Gewölbe weiß übertüncht. Dies wurde Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise rückgängig gemacht.

Einem Team um den Ausstellungsdesigner Detlef Saalfeld ist es erstmals gelungen, Motive von den Decken und Wänden auf die Augenhöhe des Betrachters zu holen. Denn für gewöhnlich wandern die Augen vom Boden über die Kapellennischen hinauf zu dem dichten Netz aus plastisch gemalten Rippen und Maßwerken, die den Innenraum seit 1530 wie eine Himmelslaube überspannen. Die Macher des von „Kulturland Brandenburg“ geförderten Projektes bekamen das Kunststück fertig, mit einer in der Kapelle aufsteigenden Drohne Aufnahmen von Einzelheiten zu machen, die sonst kein Besucher wahrnimmt.

Die Südfassade der Burgkapelle Ziesar Quelle: JACQUELINE STEINER

Zum Beispiel eine blühende Distel hoch oben an der Ostwand, wo sich das Christusmonogramm befindet. Direkt in die Augen kann man neuerdings der Wächterfigur blicken, deren Antlitz sich auf der Westempore befindet. Diese ist nicht öffentlich zugänglich. Endlich ganz nah lesbar und übersetzt ist die lateinische Stifterinschrift unter dem sandsteinernen Heiligenrelief, das Petrus, Paulus, Ägidius, Andreas und König Sigismund an der Ostwand der Burgkapelle zeigt.

Rekonstruktion am Computer

Spannend ist die am Computer vorgenommene Teilrekonstruktion des Ausmalungszustandes von 1470, der an andere ursprünglich gotische Kirchenbauten erinnert. Denn die heute sichtbare Ausmalung mit den üppigen Ranken des Weinlaubs erfolgte erst 1530, als schon die Reformation an den Garten Gottes klopfte. Einige freigelegte Felder gaben den beteiligten Kunsthistorikern um Hartmut Krohm Aufschluss über die ursprünglichen Verzierungen und Farben. In der digitalen Präsentation, die von Christoph Pietsch programmiert wurde, lässt sich zumindest erahnen, wie der Innenraum in seiner Entstehungszeit einmal ausgesehen hat.

Reich verzierte Gewölbeausmalung in der Burgkapelle Ziesar Quelle: JACQUELINE STEINER

Das Herzstück der digitalen Präsentation befindet sich im 2. Obergeschoss des benachbarten Burgmuseums. Ein von einem fest installiertem Tablet-Computer angesteuerter Flachbildschirm lässt sich kinderleicht bedienen. Auf Wunsch werden alle Teile der Burgkapelle vorgestellt. Von der Südwand mit der großzügigen Fensterfront bis zur Mondsichelmadonna in einer Nische auf der Nordseite. Verlinkungen geben Aufschluss über Bedeutung und Hintergründe der angeklickten Details. Wie vom Lichtkegel einer Taschenlampe werden Einzelheiten des Sakralbaus hervorgehoben, die bei einem gewöhnlichen Rundgang oft unentdeckt bleiben.

Besuch ist nicht zu ersetzen

Zwar könne die digitale Präsentation eine Führung durch die Burgkapelle nicht ersetzen, räumt Museumsleiter Clemens Bergstedt ein, doch sei das Projekt ein willkommenes Angebot an alle Besucher, die tiefer in die Baugeschichte eindringen wollten. An der Tablet- Station ist außerdem der Begleitfilm zur Bedeutung von Ziesar als Bischofsresidenz abrufbar.

Von Frank Bürstenbinder

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