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Ziesar Protest gegen mehr Lkw-Stellplätze auf Rasthof
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Protest gegen mehr Lkw-Stellplätze auf Rasthof
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12:04 07.11.2018
Vor allem in den Abendstunden gibt es keinen freien Lkw-Stellplatz auf der Tank- und Rastanlage Buckautal mehr. Nach neuesten Plänen soll die Kapazität um 155 Plätze erweitert werden. Quelle: Frank Bürstenbinder
Köpernitz

 Für Lacek Rugorski wird es eng. Wenn der Brummi-Fahrer aus Warschau jetzt keinen Stellplatz für die Nacht findet, sitzt er länger hinterm Steuer als erlaubt. Auf der Fahrt aus dem Ruhrgebiet zurück nach Polen steuert der Trucker die Tank- und Rastanlage Buckautal Süd an. Alles voll. In der Not belegt Rugorski den letzten freien Parkplatz – für Busse. „Was soll ich machen? Das ist besser als die Einfahrt zu behindern“, verteidigt der Pole seinen Schlafplatz. Kollegen, die später anrollen, fahren entweder weiter oder drängeln sich auf Freiflächen, wo das Parken aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht gestattet ist.

Die Köpernitzer leben seit gut 80 Jahren mit der Autobahn. Die Raststätte Buckautal, früher Ziesar, war auch schon immer Arbeitgeber für Menschen aus dem Dorf und der Umgebung. Trotzdem löst die geplante Erweiterung der Lkw-Stellplätze keinen Jubel aus.

Jeden Abend der gleiche Wahnsinn auf der Autobahn. Für immer mehr Laster stehen zu wenige Stellfächen zur Verfügung. Die 76 Plätze zu beiden Seiten der Tank- und Rastanlage Buckautal reichen hinten und vorne nicht. Das soll sich nach dem Willen des Landes Brandenburg ändern. Deshalb wurde die im Besitz des Bundes und der Länder befindliche Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und Bau GmbH (Deges) mit dem Ausbau der Anlage beauftragt. Geplant sind insgesamt weitere 155 Lkw-Stellplätze, die sich auf Nord (Richtung Hannover) und Süd (Richtung Berlin) aufteilen, wie Deges-Sprecher Lutz Günther der MAZ bestätigte.

Baubeginn nicht vor 2022

Die Voruntersuchungen für die Erweiterung der Lkw-Stellflächen sind bereits abgeschlossen. Derzeit wird die Entwurfsplanung unter Beteiligung der Träger öffentlicher Belange erstellt. Zur Erlangung des Baurechts ist ein Planfeststellungsverfahren vorgesehen.

Mit einem Baubeginn rechnet die Deges nicht vor 2022/23. Für eine Erweiterung müssen zunächst zusätzliche Flächen erworben werden. Die Bereitschaft bei den Eigentümern für einen Verkauf ist nicht sonderlich ausgeprägt.

Die Deges will in Brandenburg mehrere hundert Lkw-Stellplätze zusätzlich an der A 2, A 10, A 13, und A 24 schaffen. Für Kritiker sind auch diese Investitionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Mehr privat geführte Autohöfe nahe von Abfahrten wären eine Alternative

Wird jetzt alles gut? Zumindest nicht für die Köpernitzer. Unter den Einwohnern ihres kleinen Heimatdorfes, das seit gut 80 Jahren mit der Autobahn vor der Haustür lebt, regt sich Widerstand. Über 70 Unterschriften wurden gegen des Ausbau der Lkw-Stellplätze gesammelt. „Das ist immerhin mehr als jeder Zweite im Dorf“, gab Marian Krüger am Dienstagabend im Dorfgemeinschaftshaus bekannt. Schon zum dritten Male trafen sich dort die Gegner der Deges-Pläne. Neben Krüger gehören Ortsvorsteherin Simone Bab und Andrea Hölzer zu den Wortführern eines Bündnisses von Gleichgesinnten, die sich notfalls mit juristischem Beistand gegen das Heranrücken der Rastanlage an die Ortslage wehren wollen.

Zu einer Einwohnerversammlung trafen sich Kritiker des Stellplatzausbaus im Köpernitzer Dorfgemeinschaftshaus. Darunter auch Ortsvorsteherin Simone Bab. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der Frust sitzt tief bei den Kritikern. Ortsvorsteherin Bab wirft den Behörden „Ignoranz und Arroganz“ vor. Die Köpernitzer fühlen sich nicht informiert. Dafür hat der Buschfunk Hochkonjunktur. „Vermesser betreten unsere Grundstücke. Tiere und Pflanzen wurden gezählt. Aber mit den Menschen redet niemand“, beklagt sich die Ortsvorsteherin. In diversen Briefen haben die Köpernitzer Bürger ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Antworten gab es bislang von keiner Stelle. Sie befürchten von einer Verdopplung der Lkw-Stellplätze noch mehr Müll, Lärm durch Standheizungen und Kühlaggregate, Belastungen durch Feinstaub sowie ein Anstieg der Kriminalität. Schon jetzt sind die anliegenden Grundstücke voller Exkremente und Abfälle. Der Zaun der Tank- und Rastanlage ist längst demoliert.

Natürlich ist auch den Köpernitzern klar in welcher Lage Lkw-Fahrer wie Lacek Rugorski sind. „Wir wissen um die Schwierigkeiten des zunehmenden Verkehrs auf unseren Autobahnen und Bundesstraßen“, heißt es in dem Bürgerbrief, den unter anderem auch die Deges erhalten hat. Deshalb machen die Gegner alternative Vorschläge. Sie können sich eine Umwandlung des zu großen Teilen brach liegenden Industriegebietes Ziesar zu einem Lkw-Parkplatz vorstellen. In ihrer alltäglichen Not steuern Brummi-Fahrer das Gelände auf der Autobahnnordseite ohnehin längst an. Auch in den Gewerbeflächen bei Schopsdorf und Wollin sehen die Köpernitzer Stellplatzreserven, die einen Ausbau von Buckautal unnötig machen würden.

Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels sieht dagegen kaum Chancen, das Projekt zu stoppen. „Anstatt den Ausbau verhindern zu wollen, sollten wir uns gemeinsam für einen aktiven Lärmschutz stark machen, der im Rahmen des sechsstreifigen Ausbaus unter den Tisch gefallen ist“, sagte der Verwaltungschef auf Nachfrage. Neben einer Lärmschutzwand hält Bartels sichere Zuwegungen für die Mitarbeiter der Tank- und Rastanlage für eine wichtige Forderung an die Deges. Denn Köpernitz lebt nicht nur mit, sondern auch vom Rasthof als Arbeitgeber. Details kommen am 20. November zur Sprache, wenn sich die Deges mit den Trägern öffentlicher Belange im Glassaal der Burg zu einer Informationsveranstaltung trifft. Eine Gelegenheit, die auch die Köpernitzer nicht verpassen wollen, um ihre Meinung kundzutun – auch wenn sie nicht gefragt werden sollten.

Von Frank Bürstenbinder

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