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Ziesar Studien im Revier von Klaus Cenkier
Lokales Potsdam-Mittelmark Ziesar Studien im Revier von Klaus Cenkier
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18:57 13.06.2018
Künstlerinnen mit Schaufel und Mischer: Kailin Lu (l.) und Mizi Lee arbeiten mit Formsand. Quelle: Marion von imhoff
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Köpernitz

Vier Stuttgarter Studenten haben ihren Studienort für zehn Tage von Stuttgart nach Köpernitz verlegt oder anders gesagt: Die Werkstatt des Köpernitzer Bildhauers Klaus Cenkier ist derzeit die Dependance der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Die Exkursion ins Brandenburgische ist der Freundschaft zwischen dem Hochschullehrer für Bronzeguss Werner Schüle und Cenkier zu verdanken.

„Wir kannten Sand-Bronzeguss gar nicht, was es hier gibt. Aber wir lieben Werner und waren bereit, überall mit ihm hinzugehen“, sagt Mizi Lee und lacht. Wobei ihr Kommilitone Julius Nägele schon betont: „Jetzt reizt mich das Gelände, anfangs war es das, mit einem handwerklichen Profi irgendwo hinzufahren und zu lernen.“ Wildwuchs und Bildhauerei, Natur und Kunst in Cenkiers Revier, das fasziniere ihn: Das alles hier ein bisschen sein darf.

Eine Reise auch in die märkische Kulturlandschaft

„Es ist ein Arbeitsaufenthalt, aber auch ein kulturelles Erlebnis, sagt Schüle zu der Reise. Die Studenten der Kunstakademie kommen aus unterschiedlichen Disziplinen. Da sind eine Fotografie-Studentin aus Südkorea, ein freier Grafiker aus Hechingen, ein Restaurator und eine Kunsthistorikerin, beide Austauschstudenten aus China.

Studenten-Workshop in Köpernitzer Bildhauerei: Das Gelände eines früheren Schweinstalls fasziniert die jungen Besucher.

Im Hof des früheren Schweinestalles schuften die vier mit Dreck, wie es Außenstehenden erscheinen könnte. Es ist dunkelbrauner Formsand, in einer orangefarbenen Zementmischmaschine feinkörnig gemahlen, wird er genutzt als Formgebung für Reliefs. Diese Technik gibt es an der Akademie in Stuttgart nicht. Es ist eine alte Ritztechnik. Von „ganz zart bis ganz grob“ können Linien in den Sand gezogen werden. In seine Rillen wird schließlich Bronze gegossen.

Einer der Kunststudenten möchte Lehrer werden

Das sinnliche Erleben des Materials sei es, dem Formsand die richtige Konsistenz zu geben, ist für die Studenten das Ziel. „Man arbeitet nicht mit dem Wort des Materials, sondern mit dem Material“, sagt der 22-jährige Julius Nägele, der später Kunstlehrer werden möchte.

„Die Arbeitsbedingungen hier sind besonders außergewöhnlich und super“, sagt der gebürtige Böblinger Schüle. „Das Ambiente, von Klaus mit eigenem Geist, mit eigener Kraft und Seele aufgebaut. Er macht es möglich, dass wir hier ein großes Spektrum an Arbeiten machen können.“ Und dann sagt Werner Schüle ein Wort, wie es Köpernitz in seinen Augen ganz gut trifft. „Diese Randständigkeit ist gut. Hier ist man nicht mittendrin und muss mit Lärm aufpassen. Es ist daher auch ein freies Arbeiten.“ Wobei „frei“ ruhig wörtlich genommen werden darf: „Wir stehen auf und tun etwas oder eben auch nicht“, sagt der 65-Jährige. „Und die Pausen sind so kostbar wie die Tätigkeit. Keiner muss eine Stundenzahl absolvieren.“ Eine gemeinsame Auswertung der Arbeiten aber, die gibt es schon. Und ein Relief soll entstehen in Gemeinschaftsarbeit, das mit Ziesar zu tun hat und der Stadt geschenkt werden soll, verspricht Cenkier.

Für die Zukunft will Klaus Cenkier den Nachwuchs wappnen

Kunst-Studenten müssen ihr eigenes Fühlen, ihr eigenes Erleben, ihre eigene Persönlichkeit in die Arbeit fließen lassen. „Die Studenten sollen wirklich etwas mitbekommen und viel lernen und für die Zukunft besser gewappnet ist“, sagt Cenkier.

Dass beide Männer vom gleichen Schrottplatz schwärmen, belegt die Künstler-Freundschaft: „Stuttgart: Falk & Adler! Der ist so abwechslungsreich wie kein anderer“, sagt Cenkier und erzählt von Nutzschrott und Schrott. An seiner Werkstatt steht ein kleiner Container voller Metallreste. „Da gehe ich immer wieder hin und ziehe mir was raus für meine Arbeiten.“

Sie lieben sogar den selben Schrottplatz

Die Freundschaft der beiden Künstler begann 1990. Seitdem war Werner Schüle schon ein dutzend Mal zu Gast in Köpernitz in der Gießerei und Bildhauer-Werkstatt von Klaus Cenkier. Der wurde 1956 in Ziesar geboren, wuchs in Köpernitz auf. „Solche Räumlichkeiten wie hier zu bekommen, wäre im stadtnahen Raum gar nicht möglich“, sagt er, der Station in Berlin, Dresden, Leipzig und Stuttgart machte, bevor er in seiner Heimat wieder heimisch geworden ist. Alle zwei, drei Jahre organisiert Cenkier nun einen solchen Workshop.

Und nebenbei erkundigt sich der Student Julius Nägele nach den Chancen für Lehrer hierzulande. Scheint, ein weiterer Künstler könnte in der Mark Brandenburg Heimat finden.

Von Marion von Imhoff

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