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Zirkus im Visier der Behörden

Treuenbrietzen Zirkus im Visier der Behörden

Die für einen Autofahrer tödliche Kollision mit entlaufenen Zirkus-Rindern bei Treuenbrietzen ist noch immer nicht aufgeklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem tragischen Unglück vom August. Unterdessen hat jetzt im alten Fahrzeugwerk ein anderer Zirkusbetrieb Winterquartier bezogen. Die Tiere müssen vorerst in Gattern innerhalb einer Halle gehalten werden.

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Im ehemaligen Fahrzeugwerk von Treuenbrietzen hat der Zirkus Henry mit seinen Tieren jetzt zum zweiten Mal Winterquartier bezogen. Das Team – hier Horst Mai – betreut dort auch Kamele.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Unter besonderer Beobachtung steht aktuell das Winterquartier des Zirkus „Henry“ im ehemaligen Fahrzeugwerk in Treuenbrietzen. „Die Tiere dürfen vorerst nur in ihren Gattern innerhalb der Hallen gehalten werden, bis das Werksgelände wieder über eine geschlossene Zaunanlage verfügt“, informierte Bürgermeister Michael Knape (parteilos) jetzt vor Stadtverordneten.

Erste Kontrollen ergaben keine Beanstandungen

Dem privaten Besitzer des vom Zirkus als Lager genutzten Geländes sei auferlegt worden, dort für die Sicherung zu sorgen. Erfolge dies nicht innerhalb einer gesetzten Frist, behalte sich die Stadt „eine Ersatzvornahme vor“, so Knape. „Die Kosten für eine Sicherung durch uns, würden wir dann dem Eigentümer übertragen“, so der Bürgermeister. Das Gelände gehört seit 2012 dem im Schwarzwald ansässigen Schweizer Benedikt Hügli. Betreiben lässt er es von Projektentwickler Volker Lorenzen aus Schleswig-Holstein.

Erste Kontrollen durch das örtliche Ordnungsamt hätten kürzlich keinerlei Beanstandungen in Bezug auf die Haltung der Zirkustiere ergeben, so Knape. „Die Gatter sind sicher und entsprechen den üblichen Regeln für Stallanlagen“, bestätigte Bürgeramtsleiter Ralf Gronemeier in der Sitzung. Wie jedoch mit der Nutzung des heute weitgehend maroden, alten Werksgeländes „als Wohnquartier umzugehen ist, muss die Bauaufsicht der Kreisverwaltung klären, die von uns informiert ist“, sagte Michael Knape im Stadtparlament.

Tragisches Unglück bleibt unvergessen

Hintergrund der sofortigen Kontrollen sind die tragischen Vorfälle vom August. Damals war ein 56-jähriger Autofahrer auf der nahen Bundesstraße 102 mit zwei riesigen Watussi-Rindern kollidiert und bei dem Unfall getötet worden. Diese Tiere gehörten zum Zirkus Scholl, der damals kurzzeitig Quartier im Fahrzeugwerk bezogen hatte. Warum sie ihre Gatter in den Hallen und sodann das alte Betriebsgelände verlassen konnten, ist noch immer nicht genau geklärt. Weiterhin ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam zum Ablauf des Unglücks. Geprüft werde, ob der Tierhalter oder Dritte verantwortlich seien. Das sagte Sprecherin, Sigrid Komor, jetzt auf Anfrage der MAZ. „Beauftragte Sachverständige arbeiten an Gutachten zum Hergang. Diese liegen uns jedoch noch nicht vor“, so die Staatsanwältin.

Gegenstand der Ermittlungen seien auch die Pannen beim Umgang mit zwei Notrufen von Autofahrern im Einsatz- und Lagezentrum der Landespolizei. Diese waren am Unglücksmorgen des 22. August erstmals 20 Minuten vor dem tödlichen Zusammenstoß des Autos mit den bereits an der Straße gesichteten Rindern bei der Polizei eingegangen. Einsatzkräfte wurden jedoch nicht entsandt.

Tierärztin behält Stallanlagen im Blick

Unterdessen hat aktuell auch das Veterinäramt der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark ein Auge auf die neue Tierhaltung im Fahrzeugwerk Treuenbrietzen. Bei der Kontrolle durch die amtliche Tierärztin Petra Thiem „war alles in Ordnung gewesen“, sagt Kai-Uwe Schwinzert , am Donnerstag der MAZ. „Den Tieren geht es gut“, so der Sprecher der Kreisverwaltung. Das Veterinäramt habe vorgeschlagen, den Auslauf der Vierbeiner im rückwärtigen Bereich des alten Firmengeländes und damit weiter entfernt von der Bundesstraße zu ermöglichen.

 Die Zugänge zu den Ställen in den Hallen werden mit Gittern gesichert, zeigt Georg Frank

Die Zugänge zu den Ställen in den Hallen werden mit Gittern gesichert, zeigt Georg Frank.

Quelle: Thomas Wachs

„Im Freigelände können wir auch Elektrozäune und eine Wache stellen“, erklärt Georg Frank. Er verweist für die Stallanlagen auf zusätzliche Gitter und Bauzäune, mit denen die Eingänge zu den alten Werkhallen gesichert sind. Der Zirkuschef zeigt Verständnis für die zusätzlichen Kontrollen der Behörden. „Wir sehen ein, dass die Leute nach dem schlimmen Unfall vom Sommer Angst haben“, so Georg Frank.

Nach seinen Angaben leben derzeit rund 20 Personen seiner Zirkusfamilie sowie rund 30 Tiere auf dem privaten Gelände am Stadtrand. Zum Zirkus-Tross gehören keine Exoten oder Wildtiere. „Die haben wir schon vor Jahren abgeschafft“, sagt Georg Frank „Wir haben heute Pferde, Kamele, Rinder aber auch viele Hunde sowie Schafe und Ziegen dabei“, erzählt der Zirkuschef. Er hatte bereits im vorigen Winter von November bis März in Treuenbrietzen Saisonpause eingelegt. Im Winterquartier wollen die Zirkusleute nun wieder ihre Technik und Fahrzeuge warten sowie neue Nummern eintrainieren. „Auch können kleinere Auftritte mit einzelnen Tieren in Kindergärten, Schulen oder Seniorenheimen angeboten werden“, erzählt Georg Frank.

Von Thomas Wachs

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