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Zirkus macht Flüchtlingskinder stark

Schulprojekt in Treuenbrietzen Zirkus macht Flüchtlingskinder stark

Wenn Kinder damit aufwachsen, dass Erwachsene ihre Konflikte oft mit Gewalt lösen wollen, greifen sie auch selbst oft auf diese „Konfliktlösungsstrategie“ zurück. Dass es auch anders geht, erleben die Jungen und Mädchen der Treuenbrietzner Willkommensklasse in dieser Woche.

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Frank von Kneten alias Mister Kerosin hat für die Arbeit mit Kindern ein gutes Händchen.

Quelle: Uwe Klemens

Treuenbrietzen. Ein Hochseilartist ohne Partner am Boden? Der oberste Mann auf der menschlichen Pyramide ohne Untermänner? Undenkbar, dass das funktioniert. Die Welt des Zirkus’ ist eine gute Spielwiese um zu lernen, dass vieles nur oder zumindest viel besser gelingt, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Diesen Gedanken greift aktuell das Projekt „Zirkus macht stark“ auf. Drei Tage lang lernen in Treuenbrietzen Flüchtlingskinder, die seit September die hiesige Albert-Schweitzer-Grundschule besuchen, diesen Gemeinschaftssinn in der Praxis anzuwenden.

Fliegende Bälle statt Fäuste

Statt Fäusten, die auf dem Schulhof viel zu oft als Konfliktlösung herhalten müssen, fliegen in der Turnhalle nun bunte Bälle. Statt Porzellan, das in Scherben gehen könnte, purzelt hier ab und zu ein Plastikteller auf den Boden. Schwungvoll lassen die Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis 13 Jahren bunte Tücher und glitzernde Reifen durch die Luft sausen. Die Mutigsten unter ihnen trauen sich aufs Rola-Bola, ein wackelndes Brett, das auf einer armdicken Rolle liegt und von seinem Bezwinger große Körperbeherrschung verlangt.

Erfolgsgeschichte Harlekids

Zirkuspädagogik verbindet die Teilbereiche Sport-, Spiel-, Erlebnis-, Schul- und Kulturpädagogik und wirkt zugleich sozialtherapeutisch, interkulturell und integrativ.

Vor 15 Jahren gründete der Sozialpädagoge Frank von Kneten nach den ersten positiven Erfahrungen deshalb in Senftenberg das Zirkuspädagogische Zentrum „Harlekids“ und betreut seither Zirkusprojekte für Kinder in ganz Brandenburg.

Die Mehrzahl der ersten Harlekids-Generation, also der damaligen Kinder und Jugendlichen, ist heute als Harlekids-Trainer mit im Boot.

Allein in Cottbus betreibt der Verein heute dauerhafte Zirkusprojekte an zehn Schulen, sowie landesweit mehrtägige Schulprojekte.

Spätestens nach dem ersten Trainingstag haben die meisten Kinder gelernt, dass man nicht weiterkommt, wenn man sich gegenseitig die Bälle wegnimmt oder den Nebenmann beim Üben stört. „Es ist ein ganz niederschwelliges Angebot“, sagt Schulsozialarbeiterin Diana Bölke über das Projekt. Zusammen mit ihrer städtischen Kollegin Christiane Pusch, Praktikantin Jenny Sumpf und einer ehrenamtlich mithelfenden Mutter begleitet sie die Kinder drei Tage lang auf ihrem Ausflug ins Zirkusreich. Den Hut auf haben aber der Akrobat, Zauberer und Sozialpädagoge Frank von Kneten, der vor 15 Jahren das Zirkuspädagogische Zentrum Harlekids gründete, und Harlekids-Trainer Olaf Preißner.

Kinder als Frieden stiftende Botschafter

30 Flüchtlingskinder unterschiedlichen Alters besuchen in Treuenbrietzen derzeit die eingerichtete Willkommensklasse. Da sie aus unterschiedlichen Ländern kommen, fällt ihnen nicht nur die Verständigung mit Lehrern und Schülern der anderen Klassen schwer, sondern auch untereinander. Konflikte werden da gern mit Ellbogen und Fäusten gelöst. Auch, weil es in ihrem derzeitigen Zuhause, dem Brücker Übergangswohnheim, die Eltern oft so vormachen, erläutert Diana Bölke. Wenn Mittwochnachmittag die Eltern zur Abschlussvorstellung kommen und ihre Kinder als Teamplayer erleben, könnten vielleicht auch sie die im Zirkusworkshop versteckte Botschaft verstehen. „Kinder als Botschafter – das wäre eine schöne Vorstellung“, sagt Bölke.

An positive Erfahrungen anknüpfen

Auch nach dem Ende des dreitägigen Workshops soll das Zirkustraining als außerschulisches Angebot erhalten bleiben. Denn gefördert vom Bundesinnenministerium wurden nicht nur die Projekttage, sondern auch die Anschaffung der Grundausstattung zum Jonglieren und Balancieren, so dass die Arbeit grundsätzlich fortgeführt werden kann. Überhaupt: Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, dass eine Sache in Teamarbeit besser funktioniert, wird diese Erfahrungen auch in andere Lebensbereiche übertragen. Dessen sind sich Diana Bölke und Frank von Kneten sicher.

Von Uwe Klemens

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