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Zugang zur Badestelle ist wieder dicht

Geltow Zugang zur Badestelle ist wieder dicht

Der Streit um den Uferweg in Geltow geht in eine neue Runde: Auf dem einstigen Havelzugang steht seit kurzer Zeit ein umzäuntes Holzhaus. Ein Landwirtschaftsbetrieb soll dort Schafe halten. Eigentlich war der Besitzer der benachbarten Villa vom Landkreis aufgefordert worden, den Weg freizumachen.

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Bisher versperrte nur eine Hecke den Blick und den Zugang zur Havel – jetzt ist es ein massives Holzhaus.

Quelle: Friedrich Bungert

Geltow. Der Streit um den versperrten Weg zur Havel in Geltow neben der Villa Maurus nimmt immer kuriosere Formen an. Nachdem der Kreistag Ende März die vollständige Beräumung der heckenartigen Sperre unterstützt hat, stand ein paar Wochen später plötzlich ein Holzschuppen mitten auf dem Pfad. Doch damit nicht genug. Auf dem neuerdings eingezäunten Abschnitt des Uferwegs soll ein landwirtschaftlicher Betrieb Moorschnucken halten. Gesichtet wurden die Schafe bislang noch nicht. Über diese jüngsten Entwicklungen hat der Ortsbeirat Geltow am Montagabend diskutiert.

Sicht und Durchgang zur Havel sind vollkommen versperrt

Sicht und Durchgang zur Havel sind vollkommen versperrt.

Quelle: Friedrich Bungert

Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) zufolge fordert Mathias Gläser, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Potsdam-Mittelmark, in einem verwaltungsrechtlichen Verfahren erneut, dass jedwede Sperrungen auf dem Weg entfernt werden. Grundlage ist der Beschluss des Kreistages. In der Vergangenheit hat sich aber bereits gezeigt, dass eine Ordnungsverfügung des Landkreises und auch ein Urteil des Verwaltungsgerichtes beim Eigentümer kaum etwas bewirken. Denn dagegen hatte er geklagt und gegen das Urteil Berufung eingelegt. „Wir stehen mit der größten Ohnmacht vor diesem Fall“, sagte Ortsbeiratsmitglied Matthias Fannrich (Bürgerbündnis).

Eingriffe ins Landschaftsschutzgebiet nicht zulässig

Der Eigentümer der Villa ist der Anwalt Thomas Mestwerdt. Er hatte einst erklärt, dass er einen 30 Meter breiten Streifen neben seinem Grundstück erworben hat, zu dem das Ufer und ein Großteil des Weges gehöre. Um einen öffentlichen Weg zur Havel habe es sich seiner Meinung nach nie gehandelt. Müllablagerungen und Vandalismus hätten ihn dazu bewegt, den Weg privatisieren zu wollen. Eine veränderte Nutzung sei aber im Landschaftsschutzgebiet „Potsdamer Wald- und Havelseengebiet“ und in der geschützten Uferzone unzulässig, sagt die SPD Schwielowsee, die seit Jahren in dem Fall engagiert ist. Sie will sich mit dem Ohnmachtsgefühl der Gemeinde und des Ortsbeirates nicht zufrieden geben. Friedhelm Schmitz-Jersch (SPD), zugleich Vorsitzender des Nabu Brandenburg, forderte die Verwaltung daher auf, ihr Möglichstes dafür zu tun, den rechtmäßigen Zustand wieder herzustellen. Die Gemeinde Schwielowsee betont die Zuständigkeit des Kreises. „Es ist eine Herausforderung für einen Rechtsstaat“, räumte Schmitz-Jersch ein.

Verbotsschilder finden sich am Uferweg in Geltow eine Menge

Verbotsschilder finden sich am Uferweg in Geltow eine Menge.

Quelle: Friedrich Bungert

Vor genau drei Jahren habe der Eigentümer einen Großteil des neben seinem Grundstück liegenden, rund 60 Meter langen Zugangsweges von der Straße Am Wasser zur Havel gesperrt, so Norbert Kunz, Vize-Vorsitzender des SPD-Ortsverbands. Die vorhandene Badestelle und damit der schöne Aussichtspunkt zur Inselstadt Werder sind für Radler und Wanderer seitdem nicht mehr zugänglich. Bevor jüngst der Zaun errichtet wurde, versperrte eine labyrinthartige Hecke den Weg. Einen ein Meter breiten Durchgang sollte Mestwerdt nach der Ordnungsverfügung des Kreises schaffen. An einem Baum hängend warnte ein Schild vor dem Betreten eines Privatgrundstückes. Diese Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet sind nach Ansicht der SPD nicht rechtens. Doch die Eingriffe hören nicht auf.

„Die Provokationen sind kaum noch auszuhalten“

Bei vielen Bürgern stößt die Blockade an der Havel auf Empörung. In den vergangenen Monaten häuften sich Fälle, bei denen Einheimische oder Touristen vom Grundstück Mestwerdts aus beschimpft wurden. Auch Ortsvorsteher Heinz Ofcsarik (Bürgerbündnis) berichtete am Montag von einem solchen Fall. Eine Frau aus Potsdam erlebte an der für sie voller Erinnerungen steckenden Badestelle ebenfalls einen unschönen Vorfall: „Mein Mann und ich sind hässlichst beschimpft worden. Eine Frau sagte uns noch, dass ihre Kinder in Ruhe den Strand nutzen wollen. Auch ein Mädchen war dabei“, sagte sie der MAZ auf Nachfrage am Dienstag.

„Auf Eigentumsrecht komme es hier nicht an“, betonte Schmitz-Jersch bei der Ortsbeiratssitzung. Er nennt es eine „schwere Störung des Rechtsfriedens in der Gemeinde“, dass der Eigentümer den Weg mit aller Macht privatisieren will. Der nach seinen Aussagen sechs Meter breite Schuppen und der aufgetürmte Wall im Wald neben dem eingezäunten Stück seien ein Unding. „Auch ich habe dort tätliche Übergriffe erlebt. Die Frau beschimpfte mich mit den Worten, ich würde mich auf privatem Grund befinden und sie würde mittlerweile wissen, wo ich wohne“, erzählte Schmitz-Jersch. Die Bürgermeisterin weiß kaum noch weiter: „Die Provokationen sind kaum noch auszuhalten“, sagte Hoppe.

Norbert Kunz aber will nicht aufgeben. Er plant, die engagierten Bürger auf ein Picknick am Ufer einzuladen. „Wir werden vom Wasser aus heranfahren“, sagte er. Denn der Uferbereich gehöre definitiv der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.

Unmut und Empörung in der Bevölkerung

Mehrmals hat die SPD Schwielowsee in den vergangenen Jahren Treffen mit Widersachern am Uferweg veranstaltet.

Dazu zählten Aufräumaktionen auf dem öffentlichen Teil des Weges oder Glühweintrinken am Ufer.

Jedes Mal kamen etwa 30 Menschen und protestierten. Ihnen liegt viel am Uferweg, unter anderem auch, weil es einer der letzten freien Zugänge an die Havel war.

Auch am Schwielowsee ist es schwieriger geworden, ans Wasser zu kommen, ohne privaten Grund zu betreten.

Im November hatte eine Ur-Geltowerin bei einem Treffen Fotos aus den 1940er-Jahren mitgebracht, die sie mit ihrer Familie am Ufer zeigten. „Das hier war immer meine Badestelle“, sagte sie.

Voller schöner Erinnerungen , aber auch mit Unmut kehrte sie an diesen Ort zurück. So geht es auch einigen anderen Menschen aus Wildpark-West, Geltow, Caputh oder Potsdam.

Sie hoffen nun , dass der Beschluss des Kreistages schnell durchgesetzt wird.

Von Luise Fröhlich

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