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Zum Büchertausch geht’s in die Zelle

Kleinmachnow Zum Büchertausch geht’s in die Zelle

In Kleinmachnow wurde am Montag eine Bücherbox eröffnet, in der Lesestoff getauscht werden kann. Die Box – eine alte Telefonzelle – soll eine Ergänzung zum Angebot der Gemeindebibliothek sein. Jeder kann dort Bücher einstellen und sich welche mitnehmen. Der Vorteil: Man kann sich sehr viel Zeit zum Lesen nehmen.

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Martina Dettke empfiehlt aus dem Eröffnungsbestand der Bücherbox "Bootsmann auf der Scholle".

Quelle: Stephan Laude

Kleinmachnow. Auch Kleinmachnow hat jetzt eine Bücherbox. Sie steht auf dem Puschkinplatz und wurde am Montag eröffnet. Der Start war vielversprechend. Einwohnerin Heidrun Brameyer war gleich mit einer Lieferung zur weiteren Bestückung der Regale gekommen, zufällige Passanten zeigten Interesse und wünschten viel Erfolg.

Die Bücherbox ermöglicht es den Bürgern, unkompliziert Bücher zu tauschen. Man stellt welche hinein und nimmt sich heraus, was einem gefällt. Untergebracht ist der Lesestoff in einer alten Telefonzelle, die aus dem Lager in Michendorf stammt. Die Gemeinde hat sie für wenig Geld erworben und der Graffitikurs des Jugendhauses Carat übernahm die Gestaltung.

Die Regale sind ständig zugänglich

Die Initiative zu dem Projekt war Anfang 2016 von der CDU in der Gemeindevertretung ausgegangen, die anderen Parteien haben es unterstützt. Dass die Umsetzung einige Zeit dauerte, liegt daran, dass es mit dem Aufstellen einer Telefonzelle nicht getan ist. Es musste zunächst ein Fundament gebaut und ein Stromkabel verlegt werden. Betreut wird die Minibibliothek von der Gemeindevertreterin Martina Dettke (SPD). Die Augenoptikermeisterin hat ihr Geschäft gleich gegenüber. Sie verfügt über den Schlüssel, will aber nur abschließen, falls sich an der Einrichtung Vandalismus breitmachen sollte. Ansonsten sollen die Regale ständig zugänglich sein.

158 Bücher standen zu Beginn zur Verfügung. Damit war die Zelle so gut wie voll. Martina Dettke konnte auch schon mit Empfehlungen aufwarten: Kleinen Bücherfreunden legte sie die Geschichte „Bootsmann auf der Scholle“ von Benno Pludra ans Herz und den Erwachsenen „Unser Sommer in Georgia“, einen fesselnden Roman von Patt Callahan Henry. Einige der ersten Bücher für die Box hat die Kleinmachnower Bibliothek spendiert, andere stammen aus Privathaushalten.

Die Bücherbox ist keine „Entsorgungsstation“

Für die Betreuerin ist wichtig: „Die Bücherbox soll keine Entsorgungsstation sein.“ Bücher, die mehr als zwei Monate keinen Interessenten finden, werden ausgetauscht. Natürlich kann und will die Bücherbox der Bibliothek keine Konkurrenz machen, aber sie hat neben der ständigen Öffnungszeit durchaus einen zweiten Vorteil: Da es kein Rückgabedatum gibt, kann man sich beim Lesen viel Zeit lassen. Bürgermeister Michael Grubert (SPD) sagte zur Eröffnung, wenn die Bücherbox gut angenommen werde, sei auch ein zweiter Standort in Kleinmachnow möglich.

Ideen, jederzeit öffentlich zugängliche Bücherboxen, Bücherbuden oder -schränke – die verwendeten Begriffe sind verschieden – zu etablieren, wurden schon in den 1990er Jahren realisiert. Vorreiter waren Darmstadt und Hannover. Im Online-Lexikon Wikipedia werden seitenweise Standorte aufgelistet, viele sogar mit Geokoordinaten. In Potsdam-Mittelmark wurde eine Bücherbox zum Beispiel im Beelitzer Ortsteil Fichtenwalde errichtet. In Potsdam kann man unter anderem in einem Regal an der Alleestraße Bücher tauschen. Und auch in der Kleinmachnower Partnerstadt Schopfheim (Baden-Württemberg) gibt es eine Bücherbox.

Die Telefonzelle ist die klassische „Bücherbox“

Wie in Kleinmachnow wurden für den Literaturtausch vielerorts alte Telefonzellen umfunktioniert; weil fast jeder ein Handy hat, werden sie ja kaum noch gebraucht. Besonders beliebt scheinen die markanten, roten Modelle aus England, Typ K 6, zu sein. Manche kamen über Städtepartnerschaften nach Deutschland, andere wurden gekauft. Eine englische Firma bietet sie für 2750 Pfund (3078 Euro) an und versichert, dass es sich um Originale der britischen Telefongesellschaft BT handle. Auch in Großbritannien selbst dienen viele Telefonzellen inzwischen dem Büchertausch. Bücherboxen waren auch schon Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie, erstellt im Jahr 2008 von der Universität Bonn. Sie stellte fest, dass sich das System als Alternative zum klassischen Buchhandel entwickelt habe. Die Befragung der Benutzer habe hervorgebracht, dass die regelmäßige Nutzung beispielhaft sein könnte und ähnliche Versorgungssysteme für andere Waren erwünscht seien. Größere Probleme mit Vandalismus wurden bisher nicht bekannt.

Von Stephan Laude

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