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Potsdam-Mittelmark Zurück zu den familiären Wurzeln
Lokales Potsdam-Mittelmark Zurück zu den familiären Wurzeln
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20:46 15.03.2018
Die Teltower Historikerin Gabriele Bergner (l.) initiierte das Treffen mit Dorothy David (r.) in Teltow. Quelle: Stadtverwaltung Teltow
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Teltow

Sie steht vor dem Haus in der Max-Sabersky-Allee 4 in Teltow-Seehof, in dem ihr Vater, ihr Großvater, ihre Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen gelebt haben. Zwölf Stolpersteine wurden als stumme Erinnerung an die Familie schon vor sieben Jahren in der Einfahrt des Grundstücks verlegt. Zu fast allen Namen, die darauf stehen, kann sie etwas erzählen: Dorothy David ist mit 72 Jahren zum Ort ihrer familiären Wurzeln zurückgekehrt.

„Es fühlt sich gut, aber seltsam an“, sagt sie. Die Amerikanerin, die nach der Flucht ihrer Eltern in New York geboren wurde, ist mit einem deutschen Pass nach Berlin gereist. Im Jahr 2016 hat sie die Staatsbürgerschaft ihrer zum Teil jüdischen Vorfahren angenommen. Entschlossen hatte sie sich dazu, als bekannt wurde, dass US-Präsident Donald Trump für die Republikaner in den Präsidentschaftswahlkampf gehen würde, meint sie. Ihre Eltern mussten aus Deutschland fliehen. Ihnen wurde die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Dorothy David hat sie wieder angenommen, ihr wurde sie sozusagen angeboten. So schließt sich der Kreis. Irgendwie. Gestern stand sie dann vor dem Haus, das einst ihrer Familie gehört hatte. Später wurde es über ein Restitutionsverfahren an die Erben zurückgegeben, dann aber verkauft. Heute ist Dorothy David Besucher, auf der Suche nach Spuren ihrer Vorfahren.

Das ehemalige Wohnhaus der Familie David in Teltow-Seehof in der Max-Sabersky-Allee 4. Das Foto entstand im Jahre 1914. Quelle: Stadtverwaltung Teltow

Sie erzählt von Erinnerungen, ihren eigenen und weitergegebenen. Ihre Familie hätte nach der Flucht recht viel über das Leben in Deutschland berichtet sagt sie – mit Humor, lustige Anekdoten. Zumindest habe sie als Kind das damals so empfunden. Heute sehe sie das doch vor einem anderen Hintergrund. Sie erzählt von den Menschen, die hier, in diesem Haus, gelebt und die in besseren Zeiten gemeinsame Urlaube verbracht haben und später dann zum Beispiel über die Schweiz, Schweden oder Osteuropa und Shanghai nach Amerika und England geflohen sind. Die meisten haben es geschafft, haben überlebt, einer ist nach seiner Flucht an den Strapazen gestorben – ihm ist der erste Stolperstein gewidmet.

Ihre Familie habe Glück gehabt, sei clever gewesen und habe Geld gehabt, sagt Dorothy David. Sie hätte nicht alles zurücklassen müssen, konnte etwa Silberbesteck mitnehmen. Das wird auch klar, als die Teltower Historikerin Gabriele Bergner, die David begleitet, ein Silbermesser aus dem Haus ihrer Vorfahren präsentiert: „Ach, das kenne ich! Davon habe ich viele zuhause!“ Die Tischdecke mit Originalflecken kommentiert sie mit einer Anekdote von damals: „Wenn man bei uns nicht ordentlich gegessen hat, hieß es, das ist, als wenn Onkel Jakob gegessen hätte.“

Mutter folgte als Nicht-Jüdin ihrem Mann ins Exil

Sie erinnert sich an Cousins und Cousinen, die gar nicht so nah verwandt sind, aber von ihr doch als engste Familie benannt werden, weil sie viel Zeit miteinander verbrachten, zusammengewachsen sind. Dorothy David berichtet von ihrem Vater Heinz, der in Deutschland schon – solange es Juden noch erlaubt war – als Anwalt gearbeitet hatte, in New York aber neu studieren musste, Patentanwalt wurde und dann sehr früh starb. Und von ihrer Mutter Margarete, die Heinz 1925 kennengelernt hatte und ihm als Nicht-Jüdin 1937 ins Exil folgte, wo die beiden heirateten.

Aus Angst, dass ihr das amerikanische Visum Probleme machen könnte, weil als Grund die geplante Heirat mit Heinz David – einem ganz klar jüdischen Nachnamen – angegeben war, versteckte sie es während der Ausreise sehr gut. Auf dem Schiff wagte sie es erst, sich mit dem besten Freund ihres Verlobten und ihrem zukünftigen Schwager zu unterhalten, die mit ihr gemeinsam unterwegs waren, als sie von Irland auf den sicheren Atlantik abgelegt hatten. Die beiden waren ebenfalls Juden.

Zwölf Stolpersteine erinnern in der Max-Sabersky-Allee 4 in Teltow-Seehof an die Familie David. Die Steine wurden vor sieben Jahren in der Einfahrt zum Grundstück verlegt. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

All ihre Erinnerungen kommen in nahezu fehlerfreiem Deutsch. Anfangs hätten auch alle Erwachsenen in ihrem Umfeld fast nur Englisch gesprochen, sagt sie. Doch als schließlich die Eltern ihrer Mutter auch nach Amerika nachgekommen seien und kein Englisch konnten, hätte sich das geändert. So kam es, dass sie mit ungefähr drei Jahren anfing, die Sprache ihrer Vorfahren zu lernen. Das Erlernen neuer Sprachen sollte sie ihr Leben lang begleiten: An der Tufts University in Boston studierte sie Latein, in Neapel lernte sie Italienisch, in Paris schließlich Französisch. Sie brachte amerikanischen Jugendlichen Latein und Französisch bei und entwarf staatliche Abschluss- und Hochschuleinstufungstests für mehrere Sprachen. David hat einen jüdischen Mann geheiratet und ist dafür ebenfalls zu dem Glauben konvertiert: Nur wer von einer jüdischen Mutter geboren wird, ist selber auch automatisch Jude – Dorothy Davids Mutter war Nicht-Jüdin. Heute lebt sie in der Nähe der amerikanischen Elite-Universität Princeton in New Jersey, ihre beiden Kinder sind 29 und 32 Jahre alt. Sie waren es übrigens auch, die ihre Mutter schon länger dazu gedrängt hatten, deutsche Staatsbürgerin zu werden – damit es für sie selbst einfacher ist, im EU-Raum zu arbeiten. Erst Trump konnte Dorothy David endgültig davon überzeugen. Es ist immer gut, einen Plan B zu haben.

Sommersitz für Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer

Max und Albert Sabersky erwarben im Jahr 1872 große Flächen in Teltow, darunter auch das Gut Seehof. Das Gelände wurde parzelliert, Wege und Straßen wurden angelegt.

In den Jahren danach entwickelte sich die Gegend zu einem Berliner Sommersitz für Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer. Eine Seepromenade, ein Kurhaus und eine Badeanstalt entstanden.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ein „Ariseur“ damit beauftragt, das Gut weiter zu parzellieren und es schließlich zu verkaufen. Einen Teil des Areals muss die Familie dabei an die Stadt Teltow abgeben.

Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 forderten Saberskys Erben den Besitz zurück – mehr als 1000 Grundstücke waren oder sind in Seehof von Restitutionsverfahren betroffen.

Im Jahr 2005 wurde ein großer Vergleich abgeschlossen, der für 550 Grundstücke Rechtssicherheit brachte.

Etwa die Hälfte der Flächen ging dabei an die Erben zurück. Von den anderen Ansprüchen traten sie zurück und erhielten dafür Gelder aus dem bundesdeutschen Entschädigungsfonds.

Von Konstanze Kobel-Höller

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