Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Zusatzangebot soll Lust auf Lernen machen

Bad Belzig Zusatzangebot soll Lust auf Lernen machen

Die Lust auf das Lernen muss mitunter besonders geweckt werden. In der Krause-Tschetschog-Oberschule Bad Belzig haben Siebent- und Achtklässler gute Erfahrungen gesammelt. Doch ist das Angebot ist befristet und muss neu beantragt werden.

Voriger Artikel
Aus dem Seecafé wird das „Haus am See“
Nächster Artikel
Landkreis bremst Kommunen aus

Wochenauftakt in der Küche: Für Marie Meißner, Sarah-Michelle Klee und Jessica Gawel gehört Backen zum Unterricht.

Quelle: René Gaffron

Bad Belzig. Die Unterrichtswoche beginnt für Sarah-Michelle Klee, Marie Meißner und Jessica Gawel manchmal im Mehrzweckraum der Albert-Baur-Halle. Dann wird in der gut ausgestatteten Küche gebacken. Kuchen oder Kekse braucht man als Verpflegung für den nächsten Ausflug. „Mal müssen die Schüler Mengen für die Zutaten ausrechnen, mal müssen sie ein Rezept aus dem Englischen übersetzen“, erklärt Julia Zwank. Eher beiläufig kommt sie mit dem Trio am Montagmorgen gut ins Gespräch.

„Darauf kommt es aber an“, sagt ihr Kollege Olaf Görisch. „Miteinander zu reden, ist die Grundlage der ehrlichen Beziehungen zu den Schülern“, sagt der Sozialarbeiter. Auf deren Basis wiederum soll bei den Jungen und Mädchen die Lust auf das Lernen erhalten oder geweckt werden. Das ist das Ziel des Programms „Back to School“ (Zurück zur Schule), das erstmals und auf Probe an 14 märkischen Bildungseinrichtungen – darunter die Krause-Tschetschog-Oberschule Bad Belzig – für Siebt- und Achtklässler umgesetzt wird. Denn das Land Brandenburg hat sich vorgenommen, unter anderem mit diesem Beitrag die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss und somit wenig Perspektiven zu senken.

Erziehungsberechtigte stellen Teilnahme-Antrag

Doch längst sind es nicht allein (potenzielle) Schwänzer, die bei Laune gehalten werden. Im Gegenteil: „Wir haben einige Kinder dabei, die in der Schulbank sitzen und doch nicht bei der Sache sind“, sagt Görisch. Das Unterstützungsangebot gilt für jene, denen es nicht leichtfällt ihre Potenziale zu nutzen und die womöglich wegen Problemen im sozialen oder emotionalen Bereich ihre Schwierigkeiten beim Lernen haben.

Die Erziehungsberechtigten stellen den Antrag, dass ein Kind in die Gruppe aufgenommen werden soll. Die Schule, in Abstimmung mit Jugendamt trifft die Entscheidung. Maximal 15 aus den Jahrgangsstufen sieben und acht sollen dabei sein und höchstens für ein halbes Jahr. Neben den beiden Sozialarbeitern von der Stiftung „Sozialpädagogisches Institut Walter May“ (SPI), deren Stellen aus dem Europäischen Sozialfonds gespeist werden, sind drei Lehrer mit im Boot, wofür das Landesbildungsministerium 25 Wochenstunden finanziert.

Reger Austausch mit Eltern und Lehrern

Margrit Ribbe, Brigitte Kaatz und Elisabeth Keil als Sonderpädagogin haben hier die Möglichkeit, individuell auf die Stärken und die Schwächen der einzelnen Schüler einzugehen. Von Zeit zu Zeit wird spezielles Unterrichtsmaterial eingesetzt. Auf Zensuren wird ebenfalls nicht verzichtet.

Reger und regelmäßiger Austausch, nicht zuletzt mit Schulsozialarbeiterin Silvana Bröhl und den Eltern, über die Entwicklung der Jugendlichen gehört ebenfalls dazu. „Wir haben eine Whats-App-Gruppe“, berichtet Julia Zwank über ebenso vertrauensvolle wie zeitgemäße Kommunikation. „Da können wir mitunter den Lehrern einen Hinweise geben.“

Ringen um Schulabschlüsse

Landesweit sind 2015 genau 1556 Schüler ohne jeden Abschluss geblieben. Das sind acht Prozent des Jahrgangs.

Im Kreis Potsdam-Mittelmark hat sich die Zahl zwischen 2013 und 2015 von 62 auf 81 erhöht.

Das „Projekt Schule/Jugendhilfe 2020“ richtet sich an 14 Schulen an die Neuntklässler. Nun kommen 14 weitere Schulen dazu, die das Projekt für Siebt- und Achtklässler anbieten, darunter die Bad Belziger Oberschule.

Um das Zusatzangebot hatten sich 80 Schulen mit ihren Sozialarbeitern beworben.

Wer den Schulabschluss nachholen will, hat in der SPI-Stiftung einen Ansprechpartner. Im Jugendfreizeitzentrum Pogo richtet sie den 18-Monate-Kurs (einschließlich beruflicher Qualifizierung) aus.

Ein Erfolg in Zahlen lässt sich freilich noch nicht dokumentieren, wie Olaf Görisch einräumt. Denn das Angebot läuft ja gerade erst im zweiten Jahr. Die Bad Belziger wollen sich für weitere zwei Jahre bewerben. Der Antrag muss bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg noch in diesem Monat gestellt werden. Nicht uneigennützig hofft der 45-Jährige, das kontinuierliche Weiterarbeit möglich wird.

In Potsdam-Mittelmark ist das Projekt einzigartig. Und die Kekse? Die Mädchen aus Bad Belzig haben ihr Gebäck bei der Begegnung in der Potsdamer Biosphäre mit anderen Projektteilnehmern aus Oranienburg geteilt.

Von René Gaffron

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg