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Zwei Frauen halten die Fahne hoch

Austritte bei der SPD Radewege Zwei Frauen halten die Fahne hoch

Die SPD rund um den Beetzsee ist auf der Suche nach sich selbst – und nach neuen Mitgliedern. Im Ortsverein Radewege halten zwei Genossinnen die Fahne hoch. In Päwesin scheiterte bisher der Versuch einen Ortsverein für die gesamte Beetzseeregion zu gründen. Und dann treten auch noch prominente Mitglieder aus.

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Gerne würde die SPD rund um den Beetzsee mehr Flagge zeigen. Doch es fehlen die Mitglieder.

Quelle: dpa

Radewege. Es ist still geworden um die SPD in Radewege. So still, wie der Beetzsee an einem goldenen Herbstabend. Zwar gab es unlängst ein parteipolitisches Gewitter, doch das reinigte nicht die Luft, sondern stürzte den nördlichsten Ortsverein des Unterbezirks Potsdam-Mittelmark in eine tiefe Krise.

Ausgerechnet Alfred Arndt, im Dezember 1989 Mitbegründer der Brandenburger Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei (SDP) in der DDR, gab sein Mitgliedsbuch zurück. Zu den Gründen seines Austritts mag Arndt ungern öffentlich lamentieren, doch die Frustration über den Zustand seiner Partei ist ihm am Telefon anzumerken. Mit ihm verließ seine Ehefrau Helga die SPD. Ein schwerer Rückschlag für den Ortsverein, der eigentlich keiner mehr ist. Nur zwei Genossinnen halten die Fahne in Radewege hoch: Petra Stiehl, Kreistagsabgeordnete und Wahlkreis-Mitarbeiterin von Bildungsminister Günter Baaske. Ihre Mitstreiterin ist Felicitas Wilkening, bekannt für ihr langjähriges Engagement im Förderverein Kirchdach.

Der Unterbezirk Potsdam-Mittelmark (UB) hatte den Ortsverein eigentlich schon aufgegeben. UB-Vorsitzender Matthias Schubert erinnert sich: „Ich habe mit Alfred Arndt über seinen Austritt gesprochen, aber da war nichts mehr zu machen.“ Die mittelmärkische Parteispitze zog nämlich eine Angliederung der Radeweger an den Ortsverein Groß Kreutz-Deetz in Erwägung. Dort ist bereits eine andere SPD-Frau vom Beetzsee organisiert – Lisa Price aus Päwesin. Persönliche Befindlichkeiten verhinderten eine Zusammenarbeit, die aus geografischen Gründen naheliegend gewesen wäre.

Parteien mit wenig Einfluss

Ortsvereine sind die unterste Ebene im Aufbau der SPD. In Potsdam-Mittelmark gibt es 21 Ortsvereine, die mindestens fünf Mitglieder haben sollen. Außer in Radewege gibt es im Altkreis Brandenburg Ortsvereine in Kloster Lehnin, Wusterwitz, und Ziesar. Dort stellt die Partei sogar eigene Fraktionen in den Gemeindevertretungen beziehungsweise in der Stadtverordnetenversammlung.

Im Amt Beetzsee ist der Einfluss von Parteien auf das kommunalpolitische Geschehen nur schwach ausgeprägt. Es dominieren Wählergemeinschaften und Bürgerlisten. Fraktionsstärke erreicht nur die CDU. Und zwar in der Stadtverordnetenversammlung von Havelsee und in der Gemeindevertretung von Beetzsee.

Der Organisiertheitsgrad hat offenbar wenig Einfluss auf das Wahlverhalten. Bei den Landtagswahlen 2014 holte die SPD mit 35,5 Prozent im Amt Beetzsee die mit Abstand meisten Stimmen, gefolgt von der CDU mit 25,4 Prozent.

Die Idee einer Fusion mit den Groß Kreutzer Genossen stößt in Radewege unverändert auf wenig Gegenliebe. „Die Würfel waren ja noch nicht gefallen. Aber es hat sich als Fehler erwiesen, dass wir die Bedenken der Mitglieder wohl nicht ernst genug genommen haben. Jetzt sind wir doppelt vorsichtig“, so Mittelmarks UB-Vorsitzender Schubert. Dafür setzt der Kleinmachnower jetzt auf eine Wiederbelebung des Radeweger Ortsvereins.

Ein Ziel, dass Petra Stiehl für „realistisch“ hält. Sie habe bereits Kontakte nach Brielow und Butzow geknüpft und sei dort auf offene Ohren gestoßen. Aber alles brauche seine Zeit“, sagte sie der MAZ. Gemeinsam mit dem SPD-Unterbezirk soll in den nächsten Wochen eine Strategie zur Mitgliedergewinnung entwickelt werden. „Das ist ein zähes Geschäft. Potenzielle Kandidaten sind nicht reich gesät“, schätzt Stiehls Parteifreundin Felicitas Wilkening die Lage ein. Problem: In den Beetzsee-Dörfern gibt es auch andere SPD-Mitglieder. Doch die sind oft in ihren früheren Wohnorten organisiert. Vor allem in der Stadt Brandenburg. Dort träumt die SPD gerade von einer neuen Eingemeindungsrunde als Alternative zu der vom Land geplanten Einkreisung. Eine Vision, mit der sich in den Dörfern schlecht punkten lässt, befürchtet Wilkening.

Auch im nicht weit entfernten Päwesin hat es SPD-Frontfrau Lisa Price bisher nicht geschafft, einen von ihr favorisierten Ortsverein Beetzsee zu installieren. Gern verweist die Gemeindevertreterin auf ihre Mailing-Liste mit 36 Namen. Doch in Verstärkung für ihre Partei haben sich die Internet-Kontakte bislang nicht umgemünzt. Entmutigen lässt sich Price deshalb nicht. Sie habe es nicht eilig, sagte sie der MAZ. Spätestens 2019 soll es einen Kreis Getreuer geben. Denn dann will Price für den Brandenburger Landtag kandidieren. Am besten mit dem Segen eines Ortsvereins vor der eigenen Haustür. Ein Wunsch, den auch Petra Stiehl aus Radewege vor Augen haben dürfte, wenn es in vier Jahren darum geht, den Wahlkreis des gerade freiwillig ausgeschiedenen Landtags-Urgesteins Andreas Kuhnert aus Lehnin zu beerben.

Von Frank Bürstenbinder

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