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Potsdam-Mittelmark Zwei Fronten im Wohngebiet „Am kurzen End“
Lokales Potsdam-Mittelmark Zwei Fronten im Wohngebiet „Am kurzen End“
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12:20 07.09.2017
Ein selbstgebasteltes Schild weist derzeit darauf hin, dass im Viertel „Am kurzen End“ Kinder wohnen und spielen. Quelle: Heinz Helwig
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Bergholz-Rehbrücke

Durch die Einwohnerschaft im Wohnviertel „Am kurzen End“ geht ein tiefer Riss. Der Streit um Parkplätze, den Verkehr und dessen Geschwindigkeit teilt die Bergholz-Rehbrücker Wohngebietsgemeinschaft in zwei Fronten. Versuche der Kommune, das zu befrieden, sind bislang gescheitert.

Was ist passiert? Zunächst hatten Anwohner Unterschriften für die Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone gesammelt, die man früher Spielstraße nannte. „So sollen Autofahrer vor allem im vorderen Bereich des Wohngebiets ausgebremst werden, die aus der Schlüterstraße einbiegen“, sagte Anwohner Sven Elze. Die in verkehrsberuhigten Zonen geltende Schrittgeschwindigkeit soll die 27 Kinder unter 14 Jahren schützen, die am „kurzen End“ leben und spielen – ein Wohngebiet, in dem es keine Gehwege gibt. Nuthetals Gemeindevertretung war im März dem Wunsch bereits mehrheitlich gefolgt und hatte beschlossen, die verkehrsberuhigte Zone einzurichten und dies bei der Verkehrsbehörde zu beantragen. Die Behörde stimmte zu und erließ eine verkehrsrechtliche Anordnung dafür. Weil in der Anordnung kein Erfüllungsdatum angegeben ist, hat Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke) den Vollzug zunächst ausgesetzt. Denn inzwischen machen andere Einwohner des Viertels mobil und sammelten ähnlich viele Unterschriften gegen die verkehrsberuhigte Zone. Sie fürchten vor allem, dass mit der Einrichtung einer Schrittgeschwindigkeitszone Parkmöglichkeiten, die nicht offiziell ausgewiesen sind, verloren gehen.

In Spielstraßen darf man nur auf gekennzeichneten Plätzen das Auto abstellen. Sie schlagen vor: Statt eine Spielstraße einzurichten, sollte das Tempo auf zehn Kilometer pro Stunde begrenzt werden. Ein Vorschlag, den die Verkehrsbehörde nicht mitträgt, so Bauamtsleiter Rainer vom Lehn. Tempo zehn sei in „Sackgassenvierteln“ ohne Durchgangsstraße nicht vorgesehen. Zwischen den Fronten stehen die Gemeindevertreter und Ortsbeiratsmitglieder, die nun zu entscheiden haben, wie es mit dem Verkehr am „kurzen End“ weiter gehen soll. Im Ortsbeirat Bergholz-Rehbrücke werden am Donnerstagabend drei Anträge verhandelt, die Gegensätzliches wollen. Es läuft auf eine Kampfabstimmung über diese Varianten hinaus: Aufhebung des Beschlusses zur Einrichtung der verkehrsberuhigten Zone (SPD-Antrag) oder Durchsetzung des Beschlusses und der verkehrsrechtlichen Anordnung (Antrag „Bürger für Nuthetal“).

Das Anfang der 1990er Jahre gebaute Wohnviertel „Am kurzen End“ trägt den Namen zurecht. Die Straßen sind kurz, die Gärten klein. Pro Haushalt steht ein ausgewiesener Parkplatz bereit, viele haben aber zwei oder drei Autos. Kurzum: Es ist eng am „kurzen End“. So eng, dass unterdessen die Feuerwehr Alarm geschlagen hat. Rettungsfahrzeuge kommen dort zum Teil nicht durch. Das ist der Befund einer Test-Fahrt mit Feuerwehrauto in einigen Nuthetaler Straßen, der auch im Anwohner-Streit für eine neue Lage sorgt. „Wir haben die Befahrung mit einem der erfahrensten Maschinisten durchgeführt“, sagte Bauamtsleiter vom Lehn. Trotzdem hatte der Mann am Lenkrad große Probleme, durchzudringen. „Nach diesem Kenntnisstand ist die Verwaltung verpflichtet, die Freihaltung der Rettungswege durchzusetzen“, sagte die Bürgermeisterin.

Für das Wohnviertel am „kurzen End“ bedeutet das faktisch, Straßenflächen, die nicht als Parkplätze ausgewiesen sind, dürfen nicht mehr zum Parken genutzt werden. „Wir reden hier nicht über Peanuts. Im Ernstfall geht es um Leben und Tod. Die Freihaltung der Rettungswege geht deshalb vor. Da muss man dann 100 Meter laufen bis zum Parkplatz in der Schlüter- oder Leibniz-Straße“, sagte Hustig und stellte klar: Unabhängig davon, ob die verkehrsberuhigte Zone eingerichtet wird oder nicht, darf am „kurzen End“ nur noch auf ausgewiesenen Stellplätzen geparkt werden.

Ortsbeirat berät über drei Anträge

Der Ortsbeirat Bergholz-Rehbrücke berät Donnerstagabend, 19 Uhr, im Mehrgenerationenhaus über drei Anträge.

Die CDU schlägt vor, die Anordnung zur Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone auszusetzen und unter Federführung der Verwaltung eine Lösung zu suchen.

Die SPD will die Anordnung aufheben, weil sie keine mehrheitliche Zustimmung im Viertel pro „Spielstraße“ sieht.

Die Fraktion „Bürger für Nuthetal“ drängt auf eine Durchsetzung der Anordnung. An der Begründung, die Sicherheit für die schwächsten Verkehrsteilnehmer (Kinder) zu erhöhen, habe sich nichts geändert.

Von Jens Steglich

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