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Zweiter Band der Werder-Chronik vorgestellt

700 Jahre Ortsgeschichte Zweiter Band der Werder-Chronik vorgestellt

Im Beisein der Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) ist am Donnerstag der zweite Band der Werder-Chronik im Café Hagemeister in Werder vorgestellt worden. Baldur Martin, Ortschronist, verfasste den Hauptteil des Bandes, der die Geschichte der Stadt zwischen 1740 und 1945 abhandelt. Bei der Recherche kam einiges Neues ans Licht.

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Diese Abbildung aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Pferdebahn vom Bahnhof zur Insel.

Quelle: Stadt Werder (Havel)

Werder. „Die Stadt war nicht immer so schön, wie sie es heute ist“, sagt Werders Chronist Baldur Martin. Es gab bittere Armut, die „Werderschen“ litten an Hungersnot oder starben qualvoll an Cholera. Aber nur wenige Jahre später blühte die Stadt nach der Reichseinigung 1871 auf und vieles, was heutzutage selbstverständlich ist, prasselte förmlich auf die Menschen ein. Dass die Werderschen in der Vergangenheit immer mal wieder für das kämpfen mussten, was ihnen lieb und teuer war, ist eines der herausragenden Themen im zweiten Band der Werder-Chronik. Der Verein „700 Jahre Stadtgeschichte Werder (Havel)“ stellte das Buch am Donnerstag im Café Hagemeister auf der Insel vor.

Das 236 Seiten starke Werk handelt die Geschichte der Blütenstadt zwischen den Jahren 1740 und 1945 ab. Martin hat die Chronik gemeinsam mit Erhard Schulz verfasst. Ergänzt wird sie durch Einzelbeiträge von Wolfgang Heitsch und Hartmut Röhn. Tino Würfel gab den Werderschen, von denen es aus den Zeiten vor der Fotografie kaum Bildnisse gibt, ein Gesicht in Form seiner detailreichen Zeichnungen.

Mehr als 800 Urkunden durchforstet

Für den zweiten Band ist Martin ein dreiviertel Jahr in 800 Urkunden und unzähligen Akten des Brandenburgischen Landeshauptarchivs eingetaucht – immer auf der Suche nach den Werderschen. „Das schöne Städtchen hat in seiner Geschichte erfolgreiche, aber auch sehr bittere Zeiten erlebt“, sagt Martin. Bei seiner Recherche stieß der 76-Jährige sogar auf bislang unbekannte historische Details. Neu ist zum Beispiel, dass die Inselstadt während der Napoleonischen Kriege von französischen Truppen besetzt war. „Die Offiziere wurden bei den Bewohnern einquartiert und haben die Werderaner arm gefressen“, schildert Martin.

Aus der Zeit des beispiellosen Aufschwungs zwischen 1871 und 1913 ist dank Stadtberichten des damaligen Bürgermeisters Franz Dümichen oder Schriftstücken von Theodor Fontane viel über Werder bekannt. Der Chronist beschreibt außerdem, wie sich die Politik in Werder nach der Reichsgründung entwickelt hat. „Vorher gab es kein rechts oder links“, so Martin. Erstmals wird in dem zweiten Band der Chronik also auch die Zeit des Nationalsozialismus behandelt. Viele Akten aus dieser Zeit seien vernichtet worden, sodass es schwierig war, an Informationen heranzukommen, berichtet Martin. In den archivierten Ausgaben des Generalanzeigers oder der Potsdamer Tageszeitung wurde er aber fündig.

Saß: „Man sollte Geschichte nicht vergessen“

Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) dankte dem Verein und dem Verfasser für diesen weiteren Band in der siebenteiligen Sammlung. „Man sollte Geschichte nicht vergessen und auch die dunklen Zeiten gehören dazu“, sagt Saß.

Beliebte Bände

Die Bände 1 bis 3 sind chronologisch gestaltet. Der erste Band der Werder-Chronik (Ursprung bis Frühe Neuzeit) kam im vergangenen Jahr raus. Der dritte Band (1945 bis zur Gegenwart) soll im kommenden Jahr fertig sein.

Ergänzend gibt es vier thematische Bände. Teil 4 zum Großgewerbe und Teil 5 zum Obstbau, der jüngst veröffentlich wurde, sind aktuell vergriffen. 2017 sollen Band 6 zu Industrie und Dienstleistungen und Band 7 zu Kultur, Sport und Bildung erscheinen.

600 Exemplare erscheinen pro Band im Knotenpunkt-Verlag zum Preis von jeweils 17 Euro. Auch den Werderaner Schülern sollen die Bände bald zur Verfügung stehen.

 

Von Luise Fröhlich

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