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Zwergspitze sind ihre kleinen Kinder

Borkheide Zwergspitze sind ihre kleinen Kinder

Isabelle Frauendorf aus Borkheide hat Kinder – viele kleine Kinder. Ihre Namen: Hexe, Pepper oder Nachtigall. Allesamt sind sie kleine Samtschnuten, denn sie züchtet im Hohen Fläming eine der teuersten Hunderassen Deutschlands. Ihre Tiere gibt sie nur in die besten Hände. Dabei hat in der Vergangenheit ein wichtiger Wandel stattgefunden, meint sie.

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Isabelle Frauendorf ist glücklich, denn ihre kleinen Zwergspitze wachsen und gedeihen.

Quelle: Christin Iffert

Borkheide. Wenn Isabelle Frauendorf auf die Wiese ihres großen Gartens in Borkheide geht, bleibt sie nicht lange allein. Mehrere kleine Fellnasen folgen der 38-Jährigen auf Schritt und Tritt. Dann nimmt sie ein Spielzeug und die Schwänze der Vierbeiner wedeln vor Freude.

Neun Jahre ist es her, da hat die blonde Frau ihre Liebe zu Zwergspitzen entdeckt. Seither züchtet die Borkheiderin die kleinen, aufgeweckten Hunde aufgeweckten Hunde im Internationalen Club der Rassehundezüchter (ICR). Einige sind prämierte Champions, sie heißen „Zwergspitze von den kleinen Samtschnuten“. „Es ist eine schöne alte Rasse, die gesund und treu ist“, sagt sie. Ohne Frauchen oder Herrchen geht nichts. Sie streichelt liebevoll über ihre Tiere, die zu einer der teuersten Hunderassen Deutschlands zählen.

Zucht ist wertvoll, solange die Tiergesundheit stimmt

Die Zucht von Hunden ist im Hohen Fläming nicht selten. „Hier auf dem Land gibt es meiner bisherigen Erfahrung nach mehr Hunde- als Katzenzüchter“ glaubt Tierärztin Nora Wickidal, die sich im Frühjahr in Bad Belzig den Traum einer eignen Praxis erfüllt hat. In der Großstadt wie Berlin sei das anders. Ein Grund sei der Platz. Die 31-Jährige befürwortet die Zucht, sofern „auf die Tiergesundheit geachtet wird.“ Spitze indes gäbe es weniger in der Region als große Tiere oder Modehunde.

Die Hunde lieben es, im Garten mit Frauendorf zu spielen

Die Hunde lieben es, im Garten mit Frauendorf zu spielen.

Quelle: Christin Iffert

Isabelle Frauendorf ist eine der wenigen unter den Spitzzüchtern. Sie geht nach einer Spielrunde ins Haus. Damit ihr nicht alle Tiere folgen, trickst sie, greift in eine Box mit Hundefutter. Sie verteilt es und ergreift die Chance. „Die Hunde sind super pfiffig“, sagt sie. Mehrere Hündinnen und Rüden hat die 38-Jährige zur Zucht, dazu noch etliche Junghunde.

Spielzimmer nur für die Welpen

Die Hundeliebhaberin wuchs mit Tieren auf. Dass sie mit der Zucht begann, liegt ihr im Blut. Auch ihre Mutter ist Züchterin. Dabei ist das Wissen um Genetik unerlässlich. Es braucht unterschiedliche Blutlinien, um gesunde Tiere das Licht der Welt erblicken zu lassen.

Durch eine schmale Tür geht es in das Reich der Hunde. Das geschmackvoll eingerichtete Zimmer sieht wie das Spielzimmer einer ihrer drei Töchter aus – wären da nicht die Wurfboxen mit Welpen. Die Tiere quietschen, als die Hundemama in den Raum tritt. Freudestrahlend schnappt sie sich ein paar und kuschelt mit ihnen. „Die Zucht ist ein 24-Stunden-Job“, sagt sie. Das Rudel muss beobachtet, die Tiere gepflegt, die Welpen versorgt werden. Außerdem braucht es penible Sauberkeit.

In Borkheide hat die Hundezüchterin eigens für die Welpen Räume gestaltet, die man leicht mit Kinderzimmern verwechseln könnte

In Borkheide hat die Hundezüchterin eigens für die Welpen Räume gestaltet, die man leicht mit Kinderzimmern verwechseln könnte.

Quelle: Christin Iffert

Meist werfen die Hündinnen zwei bis drei Welpen. „Sind es vier, ist es ein großer Wurf und alles darüber ein Wunder“, weiß die Züchterin. Den Großteil bringt sie selbst auf die Welt. Nur zwei Mal kam sie in die Situation, einen Kaiserschnitt wählen zu müssen. Andere Rassen sind häufiger davon betroffen, weil etwa große Köpfe nicht durch das schmale Becken passen. Außerdem kann es zu Wehenschwächen oder Lageanomalien kommen. „Wir sehen als Tierärzte in den Praxen meist nur die komplizierten Fälle“, erklärt Nora Wickidal. Manchmal reiche schon ein Wehentropf, dann kann die Geburt im natürlichen Umfeld stattfinden. Das sei wünschenswert, weil dort weniger Stress auf sie einwirkt.

Manchmal verliert man einen Welpen

Ab und an gibt es schmerzliche Erfahrungen. „Manchmal verliert man einen Welpen – nicht bei jedem Wurf, nicht bei jeder Hündin“, sagt die Zwergspitzzüchterin. In der Regel geschieht das während der Geburt, auch wenn die 38-Jährige keinen Hund so schnell aufgibt. „Wenn es keine Chance gibt, ist das schlimm. Es bricht einem das Herz.“ Dieses Gefühl kennt auch Tierärztin Wickidal. „Man braucht etwas Abstand für die eigene Psyche“, sagt sie. Sie selbst hatte anfangs damit zu kämpfen, ein Tier zu verlieren. Allerdings müsse man sich in der Tiermedizin und auch als Züchter damit abfinden. „Es ist die Natur und mancher Welpe wird damit erlöst.“

Nora Wickidal hat in ihrer Tierarztpraxis einige Hundegeburten begleitet

Nora Wickidal hat in ihrer Tierarztpraxis einige Hundegeburten begleitet.

Quelle: Christin Iffert

Mitunter muss sich Borkheiderin Frauendorf von ihren älteren Tieren wieder trennen. „Das ist die Hölle“, gibt sie zu. Doch sind sie nicht zur Zucht geeignet, kann sie kein Animal Hoarding betreiben. Sie findet dann passende Menschen, bei denen ihre Schützlinge ein Zuhause auf Lebenszeit finden. Ohnehin achtet die Züchterin auf die Auswahl ihrer Käufer. Sympathie und eine geeignete Umgebung sind der Schlüssel.

Käufer sind verantwortungsbewusster als früher

Es ist selten geworden, dass Käufer die Tiere zurückgeben, weil sie überfordert sind oder eine Allergie haben. Überhaupt sieht Frauendorf einen Wandel. „Die Menschen setzen sich heute wesentlich stärker damit auseinander, welche Arbeit auf sie zukommt und ob die Hunde zu ihnen passen.“ Immer öfter suchen sie vorab Tierärzte auf. „Angehende Hundebesitzer können bei ihrem Veterinär in der Nähe jederzeit um Rat fragen“, meint Wickidal. Dort gibt es nicht nur zur Haltung Tipps, sondern auch den Hinweis, Welpen nicht vor der zehnten Woche, besser sogar mit der zwölften zu sich zu holen. Außerdem sollte der erste Gang mit dem Tier nicht in eine Arztpraxis führen, sondern in die neue Umgebung. „Es strömen so viele neue Reize auf die Hunde ein, sie dürfen ruhig erstmal ankommen.“

Isabelle Frauendorf setzt die Welpen, die gerade noch in ihren Händen jeden einzelnen Finger erkundeten, zurück in die Wurfboxen. Ein kurzer Blick geht prüfend durch den Raum, dann schließt sie die Tür hinter sich. Schlafenszeit – für ein paar Stunden.

Von Christin Iffert

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