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Potsdam-Mittelmark Zwölf Uhr mittags: Gänsehaut im Jubiläumsort
Lokales Potsdam-Mittelmark Zwölf Uhr mittags: Gänsehaut im Jubiläumsort
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19:46 03.07.2016
An der Spender-Tafel: Andreas Krasemann (l.), Gerald Dreyer (r.) und Dieter Hinze, der die Idee hatte, die Turmuhr mit Spenden zurückzuholen. Quelle: Jens Steglich
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Saarmund

„Was wir jetzt erleben, ist ein kleines Fingerzucken für den einzelnen Menschen, aber ein großer Schritt für Saarmund“, sagt Pfarrer Roy Sandner und überlässt den historischen Akt der jungen Generation. Der zehnjährige Hennes aus der Christenlehre schiebt am 3. Juli 2016 gegen 11.45 Uhr den Sicherungsschalter nach oben und setzt damit Saarmunds Turmuhr in Gang. Eine Viertelstunde später, nach dem Festgottesdienst in einer prall gefüllten Kirche, stehen die Menschen vor dem Gotteshaus und schauen hoch zur neuen Turmuhr, die 71 Jahre, nachdem die alte Uhr der Überlieferung nach für immer stehen blieb, das erste Mal schlägt – zur zwölften Stunde zwölf Mal. Es ist der ergreifende Moment, der die Festwoche zum 800. Geburtstag Saarmunds richtig einläutet. „Ich hatte Gänsehaut“, sagte Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke). Tief bewegt ist auch der Pfarrer: „Das Projekt hat Saarmund zusammengeschweißt“, sagte er und erzählte, dass es am Anfang nicht danach aussah, als würde es gelingen. Da hieß es in seinem Bekanntenkreis noch: „Niemand braucht heute eine Turmuhr.“ In einer Zeit, in der Zeiger-Uhren abgeschafft werden und Menschen mindestens zwei Zeitmesser bei sich tragen (am Arm und im Smartphone), haben sich die Saarmunder ihre verlorene Turmuhr zurückgeholt. Eine Uhr, so hofft der Pfarrer, die keine Hektik verbreitet, die vielmehr zum Blick nach oben zwingt und zeigt: „Unsere Zeit ist begrenzt, nutzen wir sie.“

Im Fall der Turmuhr wurde der Pfarrer von der Wirklichkeit positiv überrascht. Die Spendengelder (insgesamt 13 000 Euro) waren schneller als gedacht zusammen, als hätten die Leute schon lange etwas vermisst und nun die Chance ergriffen, es in ihr Leben zurückzuholen. Jene, die mit mehr als 100 Euro dazu beitrugen, stehen auf der Spendentafel. Hinter vielen Namen stecken Geschichten. Andreas Krasemann aus Sulzbach bei Frankfurt/Main etwa wurde Pate für die Ziffer neun. Er ist der Enkel von Hans Krasemann, der von 1946 bis 1976 Pfarrer in Saarmund war. Die Wahl der Neun ist kein Zufall: Der Enkel (45) verbrachte seine Kindheit in Pfarrhof und Pfarrhaus, Am Markt Nummer neun. Der Potsdamer Gerald Dreyer wiederum folgte der Bestimmung seines Namens und rückte die Drei in den Mittelpunkt. Er spendete gleich für drei Projekte im Jubiläumsjahr: für Festschrift, Geschichtstafeln und für die Turmuhr. Und wählte die Drei für seine Ziffern-Patenschaft.

Die Geschichte eines alten rostigen Uhrwerks erzählte am Sonntag noch eine Tanzperformance, die Michael Steppat mit Saarmundern kreierte. Der Dozent hatte 2013 mit dem Studenten Tim Arnold einen Film über Saarmunds verlorene Turmuhr produziert. Der Film wühlte damals auf und brachte etwas ins Rollen, was 2016 in der Tanzchoreographie als Beginn einer neuen Zeit gefeiert wird. Die Tänzer, umgeworfen von der Schnelligkeit unserer Ära, rappeln sich zum Pink-Floyd-Song „Time“ wieder auf und zeigen am Ende nach oben – zur neuen Turmuhr, die daraufhin vier Mal schlägt. Diese Schläge gehen unter – im Beifall der Leute, die etwas zu früh klatschten.

Von Jens Steglich

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