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Wenn die Spenden nicht mehr ausreichen

Tafel auf Sparflamme Wenn die Spenden nicht mehr ausreichen

Die Zahl der sozial Schwachen in der Region steigt. Der tägliche Gang zu Hilfseinrichtungen wie der „Tafel“ gehört für viele Menschen dazu, um über die Runden zu kommen. Nicht nur in Bad Belzig kommen die Tafeln zwischen steigender Zahl der Notleidenden und sinkender Lebensmittelspenden zunehmend an den Rand ihrer Möglichkeiten.

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Sabine Bondieck aus Benken gehört zu den regelmäßigen Besuchern der Bad Belziger Tafel und wird von Katrin Krause und Karina Naue (v.l.) freundlich bedient.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. „Weggeschickt, ohne dass er etwas bekommen hätte, haben wir noch nie jemanden“, sagt Katrin Krause, die in der Bad Belziger Tafel den Hut aufhat und inzwischen eine Meisterin im Einteilen ist. Denn die Vorräte sind aufgebraucht und der Nachschub seit Monaten ins Stocken geraten. Das ist kein Einzelfall: So wie der vom Verein für Arbeit und Leben (VAL) betriebenen Einrichtung geht es in der Region so ziemlich allen Ausgabestellen.

Doppelt so viele Kunden, aber weniger Lebensmittel

„Mit 150 Besuchern pro Tag hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt“, schildert VAL-Vorsitzende Jutta Gehrke das Problem. Denn die Menge der täglich eingesammelten Lebensmittelspenden ist nicht nur nicht mitgewachsen, sondern sogar leicht gesunken. „Der Wettbewerb der Discounter untereinander wird immer härter, so dass noch knapper kalkuliert wird und am Ende weniger übrig bleibt“, glaubt Gehrkes Stellvertreter Volker Wernsdorf. Für kleinere Erzeuger und Geschäfte treffe dies erst recht zu.

Auch kleinste Spenden willkommen

Die erste Tafel in Bad Belzig wurde im Jahr 2000 vom Verein für Arbeit und Leben gegründet und ging später im deutschlandweiten Netzt „Die Tafeln“ auf.

2004 gründete der VAL deshalb eine zweite, eigenständige Tafel, die sich im sozialen Dienstleistungszentrum in der Weitzgrunder Straße 4 befindet.

Geöffnet ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 12 Uhr.

Lebensmittelspenden von Händlern, Erzeugern und Privatpersonen sind, auch in kleinsten Mengen, immer erwünscht. Auch Geldspenden zur Abdeckung der Sachkosten sind willkommen. Weitere Infos dazu unter (033841) 44455.

Viermal in der Woche machen sich drei der insgesamt fünf ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter auf die 110 Kilometer lange Einsammel-Tour. Dass es beim Bäcker manchmal gerade noch ein Brot gibt, was nicht ofenfrisch verkauft wurde und die Paletten bei Edeka nicht mehr so üppig gepackt sind, erleben sie inzwischen nicht mehr als Ausnahme, sondern als Regel.

Ohne Rationierung geht’s nicht mehr

Nicht jeder sozialschwache Mitbürger, der hier zum preisgünstigen Einkaufen erscheint, hat dafür Verständnis, dass die Ausgabemenge inzwischen rationiert wird. Der Einkaufszettel der Bedürftigen wird dazu mit der amtlich erfassten Haushaltsgröße abgestimmt. „Einen Schokoladenweihnachtsmann mitnehmen kann nur, wer Kinder im Haushalt hat“, sagt Wernsdorf. Wer eine größere Familie zu versorgen hat, darf sich mehr Apfelsinen leisten als ein Alleinstehender.

Besonders im Umgang mit Flüchtlingen verhindert die Sprachbarriere, dass man den manchmal auch erbosten Kunden den Zwang zum Haushalten richtig erklären kann. Für Katrin Krause und ihre beiden Mitstreiter in der Lebensmittelausgabe bedeutet das, dass sie sich nicht nur mit Lebensmitteln auskennen, sondern auch eine große Portion psychologisches Geschick mitbringen müssen.

Zwei Stunden vor dem Öffnen stehen die ersten vor der Tür

Wie groß der Bedarf ist, kann man an jedem der vier wöchentlichen Tage bereits zwei Stunden vor Toreöffnung beobachten. „Zehn Uhr machen wir auf. Zehn Minuten vor Acht stehen die ersten vor der Tür, weil sie Angst haben, dass sie sonst nichts mehr abbekommen“, schildert Katrin Krause die Situation. „Wenn dann die Stiegen mit Obst, Gemüse und abgepackter Waren herein getragen werden, aber nicht jeder von allem so viel abbekommt wie der Kunde vor ihm, entsteht manchmal richtiger Futterneid“, sagt Volker Wernsdorf. Das Grundübel dabei sieht er in der Tatsache, dass die Leute wissen, dass an ihnen als sozial Schwächste immer zuerst gespart wird.

Von Uwe Klemens

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