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Fläminger Koks-Bauer: Gab es Hintermänner?

Nach Drogenfund drohen 10 Jahre Haft Fläminger Koks-Bauer: Gab es Hintermänner?

Nach Bekanntwerden des spektakulären Drogenfundes in einer Milchviehanlage in Werbig bei Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) bleiben viele Fragen offen. Klar ist jedoch: Dem vorerst inhaftierten Betreiber des Landwirtschaftsbetriebes drohen mindestens zehn Jahre Haft.

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Rien V. im Dezember 2015: Beim Tanken in Bad Belzig sprach er mit der MAZ über die Dieselpreise.

Quelle: Uwe Klemens

Werbig. Gesprächsthema Nummer eins im Fläming ist der spektakuläre Drogenfund in der Milchviehanlage von Werbig. Niemand habe davon mitbekommen, wie der aus Holland stammende Betreiber des Landwirtschaftbetriebes am Rande des beschaulichen Bad Belziger Ortsteiles seine kriminellen Nebengeschäfte abwickelte. Dafür droht dem Firmenbetreiber jetzt ein mehrjährige Haftstrafe. Denn Landwirt Rien V. (60) hatte im Keller seiner Milchviehanlage insgesamt rund 110 Kilo Kokain, Marihuana, Ecstasy und andere Drogen gelagert. Deren Gesamtwert auf dem Schwarzmarkt liege bei rund 1,5 Millionen Euro. Doch habe er angegeben, das Gebäude mit dem inhaltsschweren Lager, lediglich vermietet zu haben, heißt es von Ermittlern.

Ermittler gehen von bandenmäßiger Struktur aus

Unklar sei noch, welche Rolle das Werbiger Lager gespielt hat. Angesichts der gefundenen Mengen und der Breite des Arsenals gehen die Ermittler wohl von bandenmäßig organisierten Strukturen aus. „Die Ermittlungen der Kriminalisten laufen noch auf Hochtouren“, sagt Thomas Graminsky, Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg, am Freitag der MAZ. Beim Einsatz der rund 20 Ermittler, der eigentlich Steuervergehen galten, konnten am Dienstag voriger Woche auf dem Hof bei Werbig auch Fingerspuren gesichert werden. Deren Auswertung laufe bei LKA und verspreche durchaus verwertbare Hinweise auf Kontaktleute und Vertriebsstrukturen, so Graminsky.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Rien V. sitzt weiter in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel in Untersuchungshaft. Nach 14 Tagen müsse die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob er bis zur Verhandlung wieder auf freien Fuß kommen darf oder ob die Fluchtgefahr zu hoch sei. Immerhin drohen dem gebürtigen Niederländer erhebliche Haftstrafen. „Allein der Besitz von sieben Kilogramm Kokain dürfte schon für eine zweistellige Jahreszahl Haft reichen“, sagt Graminsky. „Unter zehn Jahren wird das wohl nicht abgehen“, sagt der Zollfahnder.

Eigentlich ging es um Zigarettenhandel und Tankbetrug

Seine Kollegen waren eigentlich zur Hausdurchsuchung nach Werbig ausgerückt, um Hinweisen auf illegalen Zigarettenhandel und Tankbetrug nachzugehen. In der Tat fanden die Einsatzkräfte der Zollbehörde bei ihrem Überraschungseinsatz auch 37 000 unverzollte Zigaretten. Zudem machte eine Untersuchung von Landmaschinen klar, dass sie mit billigerem Heizöl statt mit Dieselkraftstoff betrieben werden. Den Verdacht erweckt hatte wohl eine ungewöhnlich große Bestellung an Heizöl.

„Absoluter Überraschungsfund“

Auch zwei Luftdruckwaffen ohne Prüfsiegel sowie illegale Böller fanden die Ermittler in einem verschlossenen Kelleraum auf dem seit 2003 von dem Holländer betriebene Stallgelände. „Das alles war schon eine etwas ältere Geschichte, der nun mal nachgegangen wurde“, sagt Thomas Graminsky. „Auf Drogendelikte hatten wir und die Kollegen vom Landeskriminalamt gar keine Hinweise“, so der Zoll-Sprecher. „Das war ein absoluter Überraschungsfund – und dann noch in dieser Größe.“

Im Dorf herrscht Verwunderung

Im Umfeld des Dorfes Werbig herrscht weiter Verwunderung über so viel kriminelle Energie. „Ich bin schon erschüttert und überrascht, dass so etwas in der Größenordnung unbemerkt am Rande eines so kleinen Dorfes mir rund 180 Einwohner abläuft“, sagte Hannelore Klabunde-Quast, Bürgermeisterin von Bad Belzig, am Freitag. „Alles sollte gut aufgeklärt werden. Ich gehe aber davon aus, dass im Dorf niemand involviert war in diese dubiosen Geschäfte.“

Im Dorf war nichts Auffälliges bemerkt worden, sagte Ortsvorsteherin Kerstin Zurek. Im Dorf galt Rien V. als unauffälliger und hilfsbereiter Nachbar. Seine Familie – drei Söhne, eine Tochter und seine Frau – hat ihren Hauptwohnsitz nicht in dem Flämingdorf. Wie der Betrieb mit etwa zwölf Mitarbeitern nun weiter läuft, ist offen. Ein ebenfalls mit holländischem Akzent sprechender Beschäftigter wollte dazu gegenüber MAZ vor Ort keine Angaben machen.

Rien V. scheute mit seinem Betriebe bislang nicht die Öffentlichkeit. So lud er beispielsweise im Jahr 2011 zum Tag der offenen Tür mit Besichtigungen ein. Auf dem sieben Hektar großen Stallgelände setzte der Landwirt schon damals nicht nur auf seine mehr als 400 Milchkühe im Stall, sondern auch auf erneuerbare Energie. Auf einem etwa 3000 Quadratmeter großen Stalldach ging damals die zweite Photovoltaik-Anlage mit einer Spitzenleistung von 400 Kilowatt Peak (kWp) in Betrieb.

Öffentlichkeit hat er nie gescheut

Die erste ihrer Art auf insgesamt 2000 Quadratmetern produzierte schon ein Jahr länger Sonnenstrom mit einer Spitzenleistung von bis zu 270 kWp. Als jährlichen Stromertrag erwartete der Betreiber damals etwa 250 000 sowie 370 000 Kilowattstunden (Kwh) zur Selbstnutzung und zum Verkauf ins allgemeine Netz. Nur über die Finanzierung hüllte sich der Investor damals in Schweigen.

Rien V. war immer auf Geld bedacht. So im Dezember in einer Umfrage der MAZ zu historisch niedrigen Dieselpreisen. „Überall sinkt der Preis, nur Bad Belzig ist es im Vergleich immer fünf bis sechs Cent teurer“, monierte der Landwirt. „Beim jetzigen Ölpreis müsste Diesel unter einem Euro möglich sein“, sagte der gebürtige Niederländer beim Tankstopp in der Kreisstadt. Wenigstens seinen großen schwarzen Geländewagen aus japanischer Produktion befüllte er dort mit Diesel statt daheim seine Landmaschinen mit Heizöl.

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Von Thomas Wachs

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