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Potsdam-Mittelmark Schafherde flüchtet auf Bahngleise
Lokales Potsdam-Mittelmark Schafherde flüchtet auf Bahngleise
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17:31 22.10.2015
Amtlich bestätigt: Der Zaun, den Schäfer Thomas Wolff gesetzt hatte, war intakt. Quelle: René Gaffron
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Borne

Vier tote Schafe hatte Thomas Wolff in der vorigen Woche zu beklagen. Dass Isegrim seine Tiere ungeachtet des fast gleichen Namens nicht verschonen wird, war dem 63-Jährigen klar. Die speziellen Umstände, welche die bislang erste Attacke gegen seinen Bestand nach sich zog, bereiten ihm allerdings nach eigener Aussage viel Kopfzerberechen. Denn der Räuber hat bei der Herde, die auf der Nachtferch südlich von Borne stand, offensichtlich eine solche Panik ausgelöst, dass sie über mindestens einen Kilometer bis ins Heimatdorf geflüchtet ist.

Ausgerechnet auf dem beleuchteten Bahnübergang wähnte sich der Großteil der 250 Schafe dann sicher. Kurz nach 1 Uhr war es der Triebfahrzeugführer eine Güterzuges, der die brenzlige Situation erkannt und gemeldet hat, bestätigt Burkhard Ahlert. Ein Zusammenstoß hat sich anscheinend nicht ereignet. Ob letztlich der Wolf, was vor Ort angenommen wird, die Tiere an und auf die Gleise getrieben hat, sei indes nicht zu sehen gewesen, erklärt der Sprecher der Deutschen Bahn-AG.

Brenzlige Situation an den Bahngleisen

Die Freiwillige Feuerwehr Bergholz musste indes ausrücken, den Schäfer wecken und mit ihm den Bahndamm räumen. Durch das Dorf ging es in den Stall, wo die „Pfennigsucher“ jetzt buchstäblich unter Verschluss gehalten und mit gekauftem Futter versorgt werden.

„Da sich der Fall in der Betriebspause der Regionalexpresslinie 7 (Berlin – Dessau) zugetragen hatte und nur geringer Güterverkehr stattfand, ist davon auszugehen, dass eine Gefahr für Bahn-Personal und -Reisende oder -Anlagen grundsätzlich nicht bestand“, sagt Jens Schobranski. Der Sprecher der Bundespolizei bestätigt indes die dramatischen Begleitumstände, die sich am Mühlberg zugetragen haben müssen.

Ein Schaf aus Wolffs Herde. Quelle: Rene Gaffron

Vieles deutet darauf hin, dass es mindestens ein Wolf war, der nicht nur die Schafe gerissen, sondern vor allem die Herde derart in Unruhe versetzt hat, dass sie den Zaun niedertrampelte und ins Helle flüchtete. Selbst das Umweltamt des Landes Brandenburg verweist zwar auf die noch nicht beendeten Untersuchungen, stellt aber auf MAZ-Anfrage fest: „Die Bissverletzungen weisen auf die Beteiligung eines oder mehrerer großer Caniden hin.“ Kay-Uwe Hartleb habe deshalb Genproben von zwei Tieren nehmen lassen.

Gefahrenpotenzial nicht abschätzbar

Zur Bewertung der Gefahrenlage für Bahn- und Straßenverkehr verweist das Umweltamt des Landes Brandenburg an die (Bundes-)Polizei.

Ob sich mit Anwesenheit des Wolfes die Gefahr für Wildunfälle erhöht, lässt sich laut Polizeidirektion West nicht einschätzen. Zumindest habe noch kein Autofahrer gesagt, dass ihm ein Reh vor den Wagen „getrieben“ worden sei.

Die Bundespolizei kann keine Einschätzungen oder Prognosen zu Gefahrenpotenzial von „vom Wolf getriebenen“ Tieren für den Bahnverkehr abgeben.

Zwischen Bad Belzig und Wiesenburg sind keine relevanten Fallhäufungen von Unfällen mit Tieren bekannt.

Ähnlich äußert sich die Deutsche Bahn: Eine allgemeine Einschätzung zum Thema sei nicht möglich. „Dass Tiere auf Strecken stehen, kommt mit oder ohne Wolf gelegentlich vor.“

Wegen des Dauerregens und des matschigen Untergrundes konnte der Wolfsbeauftragte aus Caputh jedoch keine Trittsiegel oder Fährtenbilder finden. Während die Behörde drei „frischtote Tiere“ direkt an der Fluchtspur zwischen Weide und Bahndamm im Auge habe, gebe es gar ein viertes Opfer, welches fast am Fuß der Bockwindmühle zu Tode gekommen sei, berichtet Thomas Wolff.

Hütehund beschützt die Herde

Seit 48 Jahren übt er seinen Beruf aus. Er ist einer der letzten seiner Zunft im Hohen Fläming. Tagsüber hat er die Herde jeweils gemeinsam mit dem Hütehund im Blick. Die Nachtweide, auf der es in diesem Herbst so saftiges Grün gab, ist von einem Flexizaun umgeben. „Die geltenden Präventions- und Hütestandards wurden eingehalten“, hat Thomas Frey erklärt. Die Aussage des Umweltamtssprechers entspricht in etwa den Erwartungen von Thomas Wolff.

An diesem Bahnübergang strandeten die Tiere. Quelle: Rene Gaffron

„Die Anschaffung im Wert von 2.000 Euro – teilweise von der öffentlichen Hand gefördert – ist ja noch ganz neu“, so der Landwirt. Die Entschädigung, die er für den Verlust beantragen kann, interessiere ihn wenig, sagt er. „Dafür ist einem elend beim Gedanken, was alles hätte passieren können.“

Von René Gaffron

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