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Wolf reißt fünf trächtige Muttertiere

Schaden im Damwildgehege Locktow Wolf reißt fünf trächtige Muttertiere

Im Damwildgehege von Gerhard Kernchen aus Locktow (Potsdam-Mittelmark) hat ein Wolf Beute gemacht. Über Nacht riss er fünf Muttertiere, die alle trächtig waren. Am Freitag dokumentiert ein Wolfsbeauftragter akribisch den Gesamtschaden, der enorm ist.

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Der Wolfsexperte Robert Frank (rechts) untersucht das gerissene Damwild im Gatter von Gerhard Kernchen bei Locktow.

Quelle: Thomas Wachs

Locktow. Es war ein Beutezug mit Vorankündigung. Schon Tage zuvor hatte Gerhard Kernchen aus Locktow rund um sein Damwildgehege Wolfsspuren entdeckt. In der Nacht zu Donnerstag machte Isegrim dann Beute innerhalb des eingezäunten Geländes in der Nähe des alten Reitplatzes in Sichtweite des Dorfes. Von 26 Tieren wurden fünf gerissen. „Alle waren Muttertiere und trächtig. Sie sollten im Juni kalben“, sagt der Besitzer.

Robert Frank (re)  und Gerhard Kernchen inspizieren den Tatort

Robert Frank (re) und Gerhard Kernchen inspizieren den Tatort.

Quelle: Th. Wachs

„Die Spurenlage ist eindeutig“, sagt Robert Frank. Der Wolfsexperte aus Rheinsberg dokumentiert am Freitag über mehrere Stunden akribisch das Schadensbild im Gatter von Gerhard Kernchen. Auftraggeber dafür ist das Umweltamt des Landes, das mit seinem landesweiten Wolfsprojekt für Schäden von Tierhaltern aufkommt. Für Gerhard Kernchen fehlt nun vor allem auch der Nachwuchs.

Spurenlage ist eindeutig

Ab dem Spätherbst verkauft er das Wildbret aus seinem Wald- und Wiesengatter zumeist an Privatpersonen. Die Entschädigung wird anhand des von Robert Frank erstellten Gutachtens ermittelt. „Dafür gibt es detaillierte Tabellen“, erklärt der Experte. Der Naturfreund und Jäger ist seit 1997 als ehrenamtlicher Beauftragter im Wolfsmonitoring für das Land Brandenburg tätig, vor allem daheim in der Kyritz-Ruppiner Heide. Am Freitag sprang er für den ansonsten im Fläming zuständigen ehrenamtlichen Wolfsbeauftragten Kay-Uwe Hartleb ein.

 Vermessen, analysieren, Schlüsse ziehen

Vermessen, analysieren, Schlüsse ziehen: Nach dem Angriff des Wolfes, der unter diesem Zaun ins Gehege eindrang, geht die Arbeit für Gerhard Kernchen (re.) erst los.

Quelle: Th. Wachs

Auch wenn Hunde zuweilen ähnliche Bilder hinterlassen können, sei die Lage in Locktow doch typisch für jagende Wölfe, sagt der Gutachter. Auf eine genetische Probe könne verzichtet werden. „Hier wurde wolfstypisch getötet und gefressen“, erklärt Frank nach der Sichtung der getöteten Tiere. Bei seiner Dokumentation mit Fotos, GPS-Daten und allen Details stellt er Kehlbisse beim Damwild fest. Anders als in freier Wildbahn, wo gesundes Reh- und Damwild durchaus flüchten kann, setzte den Tieren im Gatter der Zaun die Grenze.

Keine genetische Probe angeordnet

Einlass verschaffte sich der Wolf offenbar über ein flach gegrabenes Loch unter dem zwei Meter hohen und an massiven Pfählen montierten Drahtzaun rund um das 85 000 Quadratmeter großen Gehege. „Ein von Füchsen vorbereitetes Schlupfloch bietet zuweilen eine Einladung für den Wolf“, weiß Frank. Daher war Gerhard Kernchen, der das Gehege seit 1993 bislang ohne Probleme betreibt, schon auf der Hut. „Mehrere Fuchslöcher habe ich immer wieder dicht gemacht und Flatterband am Zaun angemacht“, sagt der 66-Jährige. Und rund ums Gatter findet Robert Frank dann auch einige Stellen, wo der Wolf vergeblich Grabungsversuche am Zaun startete – bis es an einer Stelle dann doch klappte.

Vor gut einem Jahr hatte auch Gerhard Kernchens Bruder Peter Kernchen folgenschweren Besuch von Wölfen. Auf seiner Weide in den Belziger Landschaftswiesen bei Brück-Trebitz wurden aus einer Kuhherde drei Kälber gerissen und weitere verletzt. Übergriffe auf Nutztierherden kommen seit der Rückkehr der Wölfe in Brandenburg immer wieder vor. Landesweit wurden bislang mehrere hundert Tiere gerissen. Meist waren es Schafe. Das Land sah sich gezwungen, eine Richtlinie zum Ausgleich für Schäden aufzulegen und unterstützt Tierhalter mit Fördergeld zur Sicherung ihrer Weiden.

Schon vor einem Jahr ein ähnlicher Angriff

Auf dem Truppenübungsplatz Lehnin-Brück ist ein Wolfsrudel nachgewiesen. Auf der Suche nach Nahrung legen Tiere in einer Nacht locker bis zu 50 Kilometer zurück. „Die Wölfe sind aber überall im Fläming“, weiß Gerhard Kernchen aus Erzählungen von Jagdkollegen im Raum Wiesenburg. Der Damwildzüchter und Jäger hat eine klare Position zum Wolf: „Er passt nicht in unsere dicht zivilisierten Gegenden sondern besser in die weite Wildnis von Skandinavien oder Russland“, sagt der Locktower Rentner.

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Von Thomas Wachs

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