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Potsdam 1000 Potsdamer zum Speicheltest
Lokales Potsdam 1000 Potsdamer zum Speicheltest
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20:51 23.06.2014
1000 Potsdamer müssen zum Speicheltest. Quelle: dpa
Potsdam

Zweieinhalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines Babys in Potsdam greifen die Ermittler zu einem der letzten Mittel, um die Täter zu finden: Rund Tausend Menschen, die zum Tatzeitpunkt im Wohngebiet Potsdam-West gelebt haben, sollen ab 7.Juli eine Speichelprobe abgeben. Überprüft werden Frauen der Jahrgänge 1966 bis 1996 sowie Männer, die zwischen 1966 und 1993 geboren sind. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag mit.

Am 23. Dezember 2011 wurde in Potsdam-West zwischen Garagen und Bahndamm ein totes Baby gefunden. Das neugeborene Mädchen war in ein blutiges Handtuch gewickelt. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Indizien deuten darauf hin, dass die Eltern des Säuglings in der Nähe des Fundortes der Leiche gewohnt haben“, sagte der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Christoph Lange, am Montag der MAZ. Am Tatort seien mehrere DNA-Spuren sichergestellt worden – die Mutter und der Vater des kleinen Mädchens konnten trotz intensiver Ermittlungen bislang aber nicht ausfindig gemacht werden. „Die Mordkommission Potsdam arbeitet weiter mit Hochdruck an der Aufklärung des Verbrechens“, erklärt auch der Sprecher der Polizeidirektion West, Heiko Schmidt. Nun sei jedoch die Mithilfe der Bevölkerung zwingend erforderlich.

Grausiger Fund am Tag vor Heiligabend

  • Das tote Baby war am 23. Dezember 2011 in einem Garagenkomplex nahe eines Bahndamms im Szene-Stadtteil Potsdam-West von einem Anwohner gefunden worden. Das Mädchen war in ein Handtuch gewickelt.
  • Die Obduktion ergab, dass das Mädchen in der Nacht zuvor geboren worden ist und lebensfähig war. Das Neugeborene war vermutlich erstochen worden.
  • Mehr als 150 Menschen haben am 16. Februar 2012 von dem Mädchen ohne Namen Abschied genommen. Das Kind wurde auf dem Bornstedter Friedhof beigesetzt.
  • Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ sowie die Ausschreibung einer Belohnung in Höhe von 10.000 Euro brachten keinen Erfolg, um die Eltern des toten Babys ausfindig zu machen. mak

Um die Identität der Mutter festzustellen, waren bereits 650 Frauen aus dem nahen Umfeld des Fundortes zum DNA-Test gerufen worden – ohne Erfolg. „Nun erweitern wir den Bereich“, so Staatsanwalt Lange. Der Test sei freiwillig. Personen, die der Speichelentnahme per Wattestäbchen nicht zustimmen, würden erneut angesprochen. „Sie gelten damit aber nicht automatisch als verdächtig“, betont Lange. Die Adressen von Weggezogenen seien ermittelt, die Vorladungen versandt. „Die Proben werden anonymisiert und unverzüglich vernichtet, sofern keine Übereinstimmung mit den Tatortspuren festgestellt wird“, erläutert Lange.

In Frankfurt (Oder) konnte 2009 nach 20 Jahren eine Kindstötung dank DNA-Untersuchung aufgeklärt werden. Die Mutter des in einem Müllschlucker gefundenen Babys stellte sich, als sie wie weitere ehemalige Anwohner eine Ladung zur Speichelabgabe bekam.

In dieses Handtuch war das tote Baby gewickelt. Quelle: Polizei

Den letzten großen Massen-Gentest in Brandenburg gab es im März 2011. Um einen 20 Jahre zurückliegenden Sexualmord in Warnitz (Uckermark) aufzuklären, waren mehr als 2300 Männer zur Speichelabgabe aufgerufen. Der damals 63-jährige Täter war bei dem Gentest jedoch durch das Raster gefallen, weil er im Barnim wohnte. Dennoch verfehlte der öffentliche Aufruf seine Wirkung nicht: Der Mann, der 1991 die 15-jährige Andrea Steffen ermordete, nahm sich nach der Polizeiaktion das Leben und gestand das Verbrechen in einem Abschiedsbrief. Er habe den Verfolgungsdruck nicht mehr ausgehalten.

Die Leiche des kleinen Mädchens war einen Tag vor Heiligabend 2011 in einem Garagenhof in Potsdam-West gefunden worden - weggeworfen wie Müll. Die Obduktion ergab, dass es in der Nacht zum 23. Dezember geboren worden war. Aus einem blutverschmierten Handtuch, in das die Babyleiche gewickelt war, konnten Rechtsmediziner Blutspuren isolieren. Darauf setzen die Ermittler ihre Hoffnungen bei dem DNA-Test.

Von Marion Kaufmann

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