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131 neue Deutsche in diesem Jahr

Potsdam 131 neue Deutsche in diesem Jahr

Die eine konnte den Eid auf die Verfassung auswendig, der andere ist schon in Potsdam geboren, und die dritte kam wieder, nachdem ihre Familie abgeschoben wurde: Alle Neubürger haben eine interessante Geschichte zu erzählen. Mit bislang 131 Einbürgerungen ist der Trend seit Jahren stabil. Geflüchtete werden noch lange nicht dabei sein.

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Gruppenbild mit Spagat und Dezernenten: Die 17 November-Eingebürgerten erhielten am Dienstag ihre Urkunden.

Quelle: Jan Bosschaart

Potsdam. Obgleich der Text der Nationalhymne Teil des Einbürgerungstests war, lag am Dienstagabend sicherheitshalber ein Noten- und Textblatt noch auf allen Stühlen im Potsdam-Museum, wo die jährliche feierliche Übergabe der Einbürgerungsurkunden für neue deutsche Staatsbürger zelebriert wurde. 17 Männer und Frauen über 16 Jahren waren gekommen, um den Eid zu sprechen und die Urkunden aus den Händen des Sozialdezernenten Mike Schubert (SPD) und der Standesbeamtin Ulrike Wildner entgegenzunehmen. Insgesamt konnte die Stadt seit 1. Januar 131 Neu-Bürger begrüßen, das liege im Schnitt der letzten Jahre, so Wildner. Mit Geflüchteten auf der Bühne rechnet sie frühestens in acht Jahren, weil gesetzliche Vorgaben eine Einbürgerung vorher so gut wie unmöglich machen.

Es war auch in diesem Jahr eine bunte Mischung – Menschen alle (bewohnten) Kontinente wurden nicht nur Neu-Potsdamer, sondern Deutsche. Eingeladen waren indes alle, die seit Dezember 2015 eingebürgert wurden, rund 50 der 131 kamen zur Feierstunde am Dienstag. Darunter auch Familie Teodorova aus Bulgarien. Teodor Teodorov macht in Potsdam seine Diplomarbeit und verliebte sich in die Stadt, so dass er seine Frau 2008 hinzuholte. Die war damals bereits schwanger, am Dienstag tobten auch der achtjährige Dimo („fast neun!“) und der sechsjährige Nasko auf der Feierstunde herum und schritten zum Empfang der Urkunden mit nach vorn. So richtig verstanden habe sie es noch gar nicht, gab die frisch eingebürgerte Vanya Taskova-Teodorova zu. Der Einbürgerungstest mit seinen 33 Fragen stellte sie indes vor keine Hürde – sie absolvierte ihn fehlerfrei.

Ae Ra Gawlitza lernte ihren deutschen Ehemann im australischen Sydney kennen. An ihrem deutsch feilt sie noch, dafür spricht sie englisch auf Muttersprachlerniveau. Die 36-Jährige folgte ihrem Mann vor vier Jahren nach Deutschland. Mit der Einbürgerung im Rücken möchte sie nun soziale Arbeit in Potsdam studieren. An Potsdam mag sie die Familienfreundlichkeit und die Nähe zu Berlin. Ae Ra Gawlitza war die einzige, die den Eid auf die Verfassung auswendig aufsagte. „Das war doch Ehrensache“, kommentierte die ambitionierte Ex-Koreanerin.

Der 20-Jährige Fitim Gashi wäre gar nicht als Ausländer aufgefallen – Kunststück, ist der ehemalige Kosoware schon im Ernst-von-Bergmann-Klinikum geboren und in Potsdam aufgewachsen. In seiner Familie ist er der erste, der den alten Pass gegen einen deutschen getauscht hat. Gründe dafür hatte er viele – Hürden, die mit deutschem Pass leichter zu nehmen sind wie eine Bewerbung bei der Berliner Polizei gehörten dazu. „Ich dachte zunächst, es macht keinen Unterschied, welchen Pass ich habe, aber das sehe ich mittlerweile anders, denn Reisen in andere Länder sind mit deutschem Ausweis einfach leichter, sagt schließlich Mila Stavreva (30) der MAZ. Seit zehn Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Bulgarin in Deutschland, noch vor dem EU-Beitritt ihrer Heimat. „Ich habe mich nie eingeschränkt gefühlt, deshalb wartete ich mit diesem Schritt“, sagt sie. „Jetzt, bei steigender Unruhe in der Europäischen Union, fühle ich mich mit einem deutschen Pass hingegen viel sicherer. Mila Stavreva ist bei einer IT-Firma im Vertrieb beschäftigt und spricht akzentfrei deutsch. Sie habe als Kind schon mit ihrer Familie für drei Jahre in Hamburg gelebt, doch dann seien sie in die Heimat abgeschoben worden – wütend oder verbittert sei die Familie darüber indes nie gewesen, sondern eher dankbar für den Aufenthalt. Gleich nach dem Abitur kam Mila zurück, auch ihr Bruder lebt wieder in Deutschland. Potsdam sei „ein toller Ort, um zu bleiben“ sagt sie lächelnd, ihre Arbeit, die Schönheit der Stadt und die Nähe zu Berlin hätten sie bewogen, zu bleiben. Der Einbürgerungstest sei übrigens nach so langer Zeit hier „einfacher als ein Führerscheintest“ gewesen.

Am Ende singen dann in der Tat alle die deutsche Nationalhymne, die nun, zu allem Überfluss, auch noch auf die Bühne projiziert wird. Die einzigen, die Notenzettel oder Beamer nutzen, sind die wenigen „Urdeutschen“ an diesem Abend.

Von Jan Bosschaart

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