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Potsdam 17 Millionen Mark in den Sand gesetzt
Lokales Potsdam 17 Millionen Mark in den Sand gesetzt
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14:41 13.10.2014
Der Rohbau des Theaterneubaus am Alten Markt im Herbst 1991, links der Abrisskran, im Hintergrund die Nikolaikirche. Quelle: Michael Hübner
Potsdam

Im Herbst 1991 wurde der Alte Markt abgeräumt. Dumpf hallte das Heulen der Motoren, das monotone Schlagen der Abrissbirne, das Knirschen der Beton zermalmenden Hydraulikzange im Novembernebel. Aller Protest hatte nicht geholfen. Noch mahnte es an der grauen Wand in weißen Lettern: "Hier ruht Ihr festlicher Theaterabend." Seit dem 1. Oktober ging es dem Rohbau für das neue Potsdamer Theater zu Leibe. 17 Millionen Mark hatte man bis dahin investiert. "Das ging ganz schnell. Nach einem viertel Jahr war das weg", erinnert sich der Tiefbauer Siegfried Benn. 7000 Tonnen Betonschutt lagerten schließlich an der Babelsberger Straße.

40 Jahre hatte die Stadt zuvor nach einem Ersatz für das Kanaloper genannte Schauspielhaus gesucht, das zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört worden war. 40 Varianten waren in dieser Zeit verworfen worden. Zum Weltfriedenstag am 1.September1989 endlich hatte man den Grundstein für einen Theaterneubau am Alten Markt gesetzt, der das neue Innenstadtensemble mit der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek, dem Institut für Lehrerbildung und dem Interhotel komplettieren sollte. Die Märkische Volksstimme berichtete von einem "bedeutenden Beitrag zur weiteren Profilierung unserer sozialistischen Bezirksstadt". Zur 1000- Jahrfeier Potsdams 1993 sollte das neue Haus eröffnet werden. Doch dann fiel die Mauer.

Schauspieler proben im September 1991 in der Neubauruine für „Was fällt mir ein, wenn ich Deutschland sage?“ Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Oktober 1990 beschloss die erste demokratisch gewählte Stadtverordnetenversammlung die "behutsame Wiederannäherung an das charakteristische, historische Stadtbild". Nach dem Baustopp im Dezember 1990 standen am Alten Markt die Kräne still. Am 6. März 1991 wurde von den Stadtverordneten mit 67 zu 28 Stimmen der Abriss beschlossen. Oberbürgermeister Horst Gramlich (SPD) warb vorher: "Die Entscheidung wird zum Indikator unserer städtebaulichen Glaubwürdigkeit." Dann stand die Neubauruine, Baudezernent Detlef Kaminski (SPD) sprach von einem "Klotz am Bein", einfach nur noch da.

Siegfried Benn (74) ist 1967 als junger Ingenieur und Betriebsleiter im Tiefbaukombinat nach Potsdam gekommen. In den folgenden zwei Jahrzehnten war er mit seinen mehr als 600 Mitarbeitern an allen namhaften Baustellen in der Bezirksstadt beteiligt: Von der Schließung der Reste des Stadtkanals über das Interhotel, die Bibliothek, das Institut für Lehrerbildung und die Springbrunnenkaskaden am Brauhausberg bis zu den Neubaugebieten. 1990 übernahm er den Betrieb mit seiner neu gegründeten Tief- und Rohrleitungsbau GmbH TRP.

Die Geschäfte liefen gut, und so "haben wir überlegt, ob wir der Stadt zur 1000-Jahrfeier irgend etwas schenken können". Seine erste Idee war die Öffnung des Stadtkanals, "weil wir auch an der Zuschüttung beteiligt waren". Doch das wäre viel zu teuer geworden. Schließlich gingen sie zum Baudezernenten, der ihnen die Ruine am Alten Markt ans Herz legte. 400000 Mark kostete der Abriss, nach dem Verkauf des Betonschutts und des Baustahls blieb für Benn und seine Leute ein Spendenbeitrag von 90000 Mark.

Der Abriss war mit dem Blick auf die 20 Jahre später folgende Schlossbaustelle weitsichtig. Damals aber habe er sich damit "keine Freunde gemacht. Ich wurde angefeindet". Denn viele Potsdamer fürchteten mit dem Ende des Neubaus auch das Aus des Theaterensembles. 1998 gründete Benn den Förderverein zur Rekonstruktion des Stadtkanals, für den er bis heute leidenschaftlich aktiv ist. Die Schiffbauergasse mit dem neuen Theater aber ist ihm immer wieder Bestätigung dafür, dass sein Geschenk zur Tausendjahrfeier "schon richtig war".

Die Theater-„Blechbüchse“ am Alten Markt im April 2003. Im Hintergrund der Brauhausberg. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Ende der Provisorien

Mit dem am 6. März 1991 von den Stadtverordneten besiegelten Verzicht auf den Theaterneubau am Alten Markt sollte die 1945 aufgenommene Odyssee des Potsdamer Theaterensembles durch provisorische Spielstätten noch einmal um mehr als 15 Jahre verlängert werden.

Nach der Schließung des langjährigen Bühnenprovisoriums in der Zimmerstraße entschied sich die Stadt für den Ankauf einer provisorischen Spielstätte aus Blech, die am Alten Markt aufgebaut wurde. Der „titanische Urwitz“, wie die MAZ spöttelte, wurde am 21. November 1992 mit einem Festkonzert der Brandenburgischen Philharmonie eröffnet.

Auf dem Programm stand die 6. Sinfonie von Gustav Mahler, die, wie die MAZ damals notierte, „auch den Titel ,Die Tragische’ trägt und in hohem Maße mit dem Theatergeschehen in diesen Wochen korrespondiert“.

Schelte kam von Baudezernent Detlef Kaminski (SPD) : „In diesen Klopper setze ich nie einen Fuß.“ Ordnungsdezernent Erwin Motzkus (CDU) wurde am Eröffnungsabend für die Erklärung ausgepfiffen, der abgerissene Theaterrohbau sei zuvor aus ideologischen Gründen errichtet worden.

Das von den Potsdamern bald Blechbüchse genannte Theaterhaus machte durch einen Heidenlärm bei Regen und Martinshörnern von sich Reden und blieb statt geplanter fünf Jahre bis 2006 in Nutzung.

Uwe Eric Laufenberg übte als neuer Intendant von 2004 bis 2006 einen Abschied auf Raten: Das Ensemble ging unter dem Motto „Unterwegs“ auf Stadterkundung, die Blechbüchse wurde kaum noch bespielt.

Zur Eröffnung des neuen Theaterhauses in der Schiffbauergasse am 22. September 2006 bekam Laufenberg statt des symbolischen Schlüssels fünf faustgroße Stahlkugeln aus dem Kugellager des Abrissbaggers, der 1991 den Rohbau am Alten Markt beseitigt hatte.

Die Blechbüchse wurde 2007 unter der Maßgabe einer kulturellen Nutzung für „unter 100 000 Euro“ nach Zagreb (Kroatien) verkauft, wo sich ihre Spur verlor. vo

Das 2006 eröffnete Hans Otto Theater in der Schiffbauergasse. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Volker Oelschläger

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