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„2019 kann man schon ersten Baubeginn sehen“

Potsdams alte Mitte „2019 kann man schon ersten Baubeginn sehen“

Am 11. Februar wird in der Fachhochschule am Alten Markt ab 18 Uhr über die Fortschreibung des Leitbautenkonzepts diskutiert. Es geht darum, wie das Areal rund um die Nikolaikirche in ein paar Jahren aussehen soll. Die beiden Pro-Potsdam-Geschäftsführer Horst Müller-Zinsius und Bert Nicke skizzieren im MAZ-Interview die künftigen Entwicklungen.

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Schlossstraße 7: Wohnhaus von 1754 nach italienischem Vorbild, dann Gasthof, ab 1849 Stadtkommandantur.

Quelle: Otto Zieler

Innenstadt.  

Zoomen wir in das Jahr 2025. Wie wird die Potsdamer Innenstadt dann in der Ecke aussehen, wo heute noch die FH und der Staudenhof stehen?

Horst Müller-Zinsius : Dann wird im besten Sinne alles fix und fertig sein. Der letzte Teil des Leitbautenkonzepts wird umgesetzt sein und die Leitbauten werden stehen. Außerdem wird der Staudenhof abgerissen sein - ob uns das gefällt oder nicht. Auch für Leute mit schmalem Geldbeutel wird es in diesem Teil der Potsdamer Innenstadt Wohnungen geben.

Horst Müller-Zinsius

Horst Müller-Zinsius.

Quelle: PROFIL Fotografie

Bert Nicke : Diese Quartiere sind äußerst wichtig für die Innenstadt. Es wird Zeit, dass sie ihre Bedeutung zurückerlangen! Der Alte Markt und die angrenzenden Quartiere werden ein beliebter und belebter Ort sein mit viel Außengastronomie und viel Leben auf der Straße. Damit wird dieses Viertel auch eine touristische Attraktion sein.

Inwiefern?

Nicke : Bei der Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses spielte der touristische Aspekt anfänglich in der öffentlichen Wahrnehmung keine große Rolle. Die touristische Bedeutung dieses Ortes wurde aber spürbarer Das war fast eine Zufallsentdeckung, nachdem der Landtag gebaut worden war und viele Touristen kamen - auch im Vergleich zu Sanssouci. 2025 wird auf der anderen Seite der Havel in der Speicherstadt ein neues tolles Hotel stehen. Und natürlich wird zu dem Zeitpunkt das Museum Barberini schön längst eine eingeführte Museumsadresse sein.

Bert Nicke

Bert Nicke.

Quelle: PROFIL Fotografie

Müller-Zinsius : Vom Barberini ist es ja nur ein Katzensprung zum Wissensspeicher am Platz der Einheit und bis zu den Wissenschaftseinrichtungen am Neuen Markt. Auf einem Fußweg von gerade mal 20 Minuten hat man ein wahnsinnig tolles Kulturangebot. Zusammen mit dem Holländischen Viertel und der Zweiten Barocken Stadterweiterung ergibt das einen Innenstadtkern, wie man ihn in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch selten findet.

Konkret zu dem Areal neben der Nikolaikirche. Nach welchen Prinzipien wird man hier bei der Neubebauung vorgehen. Denken sich Architekten einfach etwas Hübsches am Reißbrett aus, wie sie gerade lustig sind?

Müller-Zinsius : Nein. Wenn man den historischen Stadtgrundriss betrachtet, dann besteht der aus mehreren Blöcken. In den letzten Jahrzehnten wurden mehrere Riegel darüber gelegt. Durch den Abriss der Fachhochschule werden die Straßenzüge wieder neu entstehen. Zum einen ist das die Kaiserstraße, die vom Landtag am Staudenhof entlang zum Platz der Einheit führt. Zum anderen ist das die Verlängerung der Schwertfegerstraße, die quer über dem jetzigen FH-Grundriss verläuft.

Wie viele Leitbauten werden hier entstehen?

Nicke : Das integrierte Leitbautenkonzept der Landeshauptstadt Potsdam unterscheidet zwischen Leitbauten und Leitfassaden. Leitbauten sollen – so das Konzept – vollständig wieder aufgebaut werden. Im Gegensatz dazu sollen bei Gebäuden mit Leitfassaden lediglich die Fassaden nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Der einzige Leitbau in Potsdam ist das Museum Barberini. In den sogenannten Blöcken III und IV wird es drei Leitfassaden geben: und zwar die des Plögerschen Gasthofs an der Ecke Schlossstraße/Friedrich-Ebert-Straße; des Palazzo Barbaran an der Ecke Schwertfegerstraße/Kaiserstraße und des Knobelsdorff-Hauses, das früher dort stand, wo jetzt ungefähr die Ecke der FH zum Alten Markt hin ist.

Am Alten Markt 17

Am Alten Markt 17: Wohnhaus von 1750, Architekten Georg W. von Knobelsdorff und Johann Boumann.

Quelle: Otto Zieler

Wie sieht die Zeitschiene für die Entwicklung aus?

Müller-Zinsius : Es geht jetzt um zwei Dinge, die parallel auf zwei Ebenen ablaufen: auf der einen Ebene muss Das Blockkonzept erarbeitet werden und auf der anderen Ebene müssen die Grundstücke verfügbar gemacht werden. Die Fachhochschule soll im dritten Quartal 2017 ausziehen und der Rückbau soll bis zum Ende des ersten Quartals 2018 abgeschlossen sein. Dann müssen die Grundstücke baureif und vertriebsreif gemacht werden. Mitte 2018 kann dann das Grundstücksvergabeverfahren starten.

Und wann ist voraussichtlich Baubeginn?

Müller-Zinsius : 2019 kann man schon den ersten Baubeginn sehen. Ende 2021 wird es die ersten Fertigstellungen geben. Baustellenlogistisch wird es sehr kompliziert. Da dürfen nicht alle gleichzeitig anfangen, sonst bricht vor Ort das Chaos aus!

Wie viele Grundstücke werden ausgeschrieben?

Nicke : Nach unserer Planung wird es mindestens 17 Baulose geben. Bei der Losbildung wollen wir uns an der historischen Parzellenstruktur orientieren. Nur zur Vermeidung von besonders schwierigen Hofsituationen oder zur Kompensation besonderer finanzieller Belastungen einzelner Investoren bei der Errichtung von Leitfassaden können in Ausnahmefällen Nachbarparzellen zu einem Los kombiniert werden. Aber nach außen muss immer noch durch die Gestaltung der Fassade erkennbar sein, dass das historische Einzelparzellen waren. Zudem ist ausgeschlossen, dass hinter Schmuckfassaden die Gebäude funktional über die historischen Parzellengrenzen hinausgezogen werden.

Wie viele Wohnungen werden hier neu entstehen?

Müller-Zinsius : Schätzungsweise 500 bis 600in den Blöcken III und IV, also in den Blöcken, die am Standort der jetzigen FH entstehen. Unser Vorschlag ist, ein Drittel mit Sozialbindungen zu versehen, aber auch das muss die Stadtverordnetenversammlung entscheiden.

Wie werden die drei Karrees - zwei auf dem FH-Grundstück und das dritte später auf dem Staudenhof-Gelände - genau aussehen?

Nicke : Die drei Karrees oder Blöcke, die da gebildet werden, orientieren sich an ihren historischen Vorbildern. Die Geschosszahl und die Gebäudehöhe der einzelnen Gebäude werden vorgegeben, sie orientieren sich an den historischen Vorbildern. Bei den Fassaden werden sich neben Leitfassaden auch zeitgenössische Varianten finden.

Man kann also die Vorgängerbauten hier wiedererkennen?

Nicke : Was die Geschoss- und Traufhöhen angeht: Ja. Auch die Dachformen entsprechen den Vorbildern. Wenn ein historisches Haus ein Satteldach hatte, dann wird das moderne Gebäude ebenfalls ein Satteldach haben. Eine Abweichung wird es dennoch geben, die sich daraus ergibt, dass die Friedrich-Ebert-Straße heute breiter ist als früher. Deshalb springt die Bebauung um zehn bis 15 Meter weiter zurück.

Woher weiß man, wie die alten Häuser aussahen? Ist das nicht richtige Detektivarbeit, das alles herauszufinden?

Nicke : Architekt Bernd Redlich und sein Mitarbeiter Andreas Kitschke recherchierten diese historischen Dinge und zogen dabei beispielsweise Archivunterlagen heran. Jede Parzelle soll einen eigenen Grundstückspass haben.

Sie erwähnten die Bauten mit den historischen Fassaden wie den Palazzo Barbaran oder den Plögerschen Gasthof an der Friedrich-Ebert-Straße oder das Knobelsdorff-Haus am Alten Markt. Was ist das Besondere an diesen Bauten?

Potsdam Mitte, Schwertfegerstraße 9

Potsdam Mitte, Schwertfegerstraße 9: Wohnhaus von 1753 nach italienischem Vorbild., Georg Christian Unger, Bestandteil des Ensembles „Acht Ecken“

Quelle: Otto Zieler

Nicke : In den Blöcken III und IV gibt es drei Leitfassaden. Allen drei sind die Lage und ihre Blickbezüge im Einzugsbereich von Rathaus, Stadtschloss und Nikolaikirche gemeinsam. Die Fassaden haben mit plastischen Schmuckelementen und ihrer Materialität die öffentlichen Plätze und Straßenräume geprägt und ihnen Charakter und Identität gegeben.

Auch auf dem Areal des Staudenhofs soll später einmal ein Haus mit historischer Fassade entstehen, der Palazzo Capra. Ist es denkbar, dass es neben diesen Leitfassaden auch weitere „Kopien“ der alten Gebäude entstehen oder bleibt es jetzt dabei?

Nicke : Die Vorgaben der Stadt Potsdam könnten nach unseren Vorstellungen sowohl zeitgenössische Architektur als auch die Rekonstruktion historischer Fassaden zulassen. Die Beantwortung Ihrer Frage hängt deshalb auch maßgeblich von den Vorstellungen der Bauherren ab.

Wer wird entscheiden, welche Investoren zum Zuge kommen?

Müller-Zinsius : Es wird ein Bewertungssystem im Investorenauswahlverfahren geben. Dabei spielen bei der Bewertung der Angebote auch gestalterische Fragen eine Rolle. Wie die Jury besetzt wird, müssen die Stadtverordneten entscheiden. Sicherlich werden wieder Mitglieder der Fraktionen und des Gestaltungsrats dabei sein. Grundsätzlich gab es an diesem Teil des Vergabeverfahrens an der Alten Fahrt keine Kritik, so dass man darauf aufbauen kann.

Werden eher mehrere einzelne Investoren zum Zug kommen oder doch größere Bauherren wie Kondor-Wessels an der Alten Fahrt?

Nicke : Wir streben an, alle Lose einzeln an jeweils unterschiedliche Investoren zu vergeben. Aufgrund der recht unterschiedlichen Losgrößen erwarten wir auch auf Seite der Bauherren eine deutliche Diversität. Es werden sowohl für private Selbstnutzer, institutionelle Anleger als auch Bauträger interessante Projekte realisiert werden können.

Wie geht es eigentlich mit dem Staudenhof weiter? Muss er wirklich 2022 fallen?

Müller-Zinsius : Es gibt einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung und wir machen, was die Stadtverordneten beschließen.

Nicke : Der Beschluss sieht vor, dass 2022 abgerissen wird, aber dass das Thema vor dessen Umsetzung noch einmal in die Diskussion gehen soll. Bisher agieren wir auf Grundlage des Stadtverordnetenbeschluss dergestalt, dass wir nur noch befristete Mietverträge für den Staudenhof abschließen. Diese enden alle so, dass zumindest Neuvermietungen einem fristgerechten Leerzug des Gebäudes nicht entgegenstehen werden

Die große Frage ist ja: Was wird aus den oft einkommensschwachen Mietern des Staudenhofs?

Müller-Zinsius : Bestandteil der Ausschreibungen der Lose auf dem FH-Grundstück wird sein, dass mehrere Parzellen für mietpreis- und belegungsgebundene Wohnungen - sprich: Sozialwohnungen - reserviert werden. Nach unserer Zeitplanung wäre es möglich, ab 2019 bis 2022 Ersatzwohnungen für die Mieter des Staudenhofs zu errichten. Angestrebt ist, den Mietern zu vergleichbaren Konditionen wie nach einer unterstellten Modernisierung des Staudenhofs Wohnraum zu bieten. Derzeit wäre unter Inanspruchnahme von Landesfördermitteln eine Nettokaltmiete von 5,50 Euro darstellbar.

Pro Potsdam-Spitzen mit einem Modell für das Grundstück des früheren Haus des Reisens, Modell ohne Lamellen vor der Fassade

Pro Potsdam-Spitzen mit einem Modell für das Grundstück des früheren Haus des Reisens, Modell ohne Lamellen vor der Fassade. Von links: Horst Müller-Zinsius, Bert Nicke, Erich Jesse

Quelle: Bernd Gartenschläger

Wie viele Ersatzwohnungen sollen zur Verfügung gestellt werden?

Müller-Zinsius : Im Staudenhof sind 180 1-Raum-Wohnungen. Wie viele Ersatzwohnungen es geben soll, steht noch nicht fest. Darüber müssen die Stadtverordneten befinden Den Bereich an der Friedrich-Ebert-Straße und an der Schwertfegerstraße bietet Potenzial, um öffentlich geförderte Wohnungen unterzubringen. Wenn wir Ersatz für den Staudenhof sehen wollen, würde die Pro Potsdam sich darum bemühen, sich in der Nachbarschaft des heutigen Staudenhofs selbst als Investor für öffentlich geförderten Wohnungsbau zu engagieren.

Sie sagten vorhin, dass es ein lebendiger Kiez werden soll mit Gastronomie und Läden. Wie wird die Gewichtung zwischen Gewerbe und Wohnen aussehen?

Nicke : Der B-Plan beziehungsweise die Grundstückskaufverträge werden hierzu einen Rahmen vorgeben.: Der Wohnanteil soll dabei in jedem Fall überwiegen. Gewerbe soll ins Erdgeschoss ziehen; in den oberen Etagen kann es auch Büros geben. Der genaue Nutzungsmix wird dann aber von dem Konzept der Bauherren bestimmt.

Die Bürgerinitiative „Mitteschön“ fordert bereits seit längerem eine Gestaltungssatzung für die Potsdamer Mitte. Unterstützen Sie diese Forderung?

Müller-Zinsius : Aus unserer Sicht gibt es geeignetere Instrumente, um die Gestaltung des Quartiers festzusetzen. So kann die Stadt über den städtischen Sanierungsträger als Grundstückseigentümer in allen Kaufverträgen konkretere Festsetzungen als in einer Gestaltungssatzung möglich vornehmen. „Mitteschön“ ist in diese Prozesse auch eingebunden und ist hier sicherlich ein wichtiger Akteur. Auch mit der Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ stehen wir im Austausch. Die Meinungsbildung findet nicht losgelöst statt, sondern alle Interessensgruppen werden in die Diskussion mit einbezogen. Am Ende entscheiden aber die Stadtverordneten.

Potsdam Mitte, Schwertfegerstraße 1, Wohnhaus 1753, Christian Ludwig Hildebrandt, Vorbild Palazzo Barbaran da Porto, Vincenza, 1570,von Andrea P

Potsdam Mitte, Schwertfegerstraße 1, Wohnhaus 1753, Christian Ludwig Hildebrandt, Vorbild Palazzo Barbaran da Porto, Vincenza, 1570,von Andrea Palladio.

Quelle: Otto Zieler

Nicke : Wir hoffen, dass die Stadtverordnetenversammlung im Juni 2016 einen Beschluss zur Konkretisierung des Leitbautenkonzepts fasst. Danach können wir die Ausschreibung der Grundstücke vorbereiten. Ausschreibungsstart wäre dann im Herbst 2016. Wir denken, dass im August 2017 zum ersten Mal das Gremium für die Auswahl der Investoren zusammenkommen könnte. Dort können dann weitere Auflagen für die Bieter formuliert werden. Im Januar 2018 könnte es den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Anhandgabe der Grundstücke geben. Sprich: welche Bieter ihre Angebote weiter präzisieren sollen. 2019 wäre in diesem Fall der Beginn für den Hochbau.

Müller-Zinsius : Aber alle diese Daten sind - wohlgemerkt - nur Vorstellungen von uns. Der Sanierungsträger ist lediglich Dienstleister der Stadt. Das konkrete Vorgehen müssen die Stadtverordneten noch beschließen.

Von Ildiko Röd

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