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Asyl für eine Marmorskulptur

25 Jahre Deserteur-Denkmal in Potsdam Asyl für eine Marmorskulptur

Mit einem Festakt wird am Mittwoch um 17 Uhr auf dem Platz der Einheit an die 25 Jahre zurückliegende Enthüllung des „Denkmals für den unbekannten Deserteur“ erinnert. Geschaffen hatte es der türkische Bildhauer Mehmet Aksoy für den Friedensplatz in Bonn. Doch dort durfte es nicht aufgestellt werden.

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Der türkische Bildhauer Mehmet Aksoy im Oktober 29011 an seinem „Denkmal für den unbekannten Deserteur“.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Vor 25 Jahren kam das „Denkmal für den unbekannten Deserteur“ von Mehmet Aksoy nach Potsdam. Geschaffen hatte er die Marmorskulptur mit dem Abdruck eines geflohenen Menschen auf Initiative des Bonner Friedensplenums für die damalige Bundeshauptstadt. Doch dort durfte sie nicht aufgestellt werden. Oberbürgermeister Hans Daniels (CDU) erklärte im Stadtrat: „Meine Stimme wird es für ein Denkmal in Bonn, das die Fahnenflucht verherrlicht, nicht geben.“

Wehrmachtsdeserteure waren fast ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer gesellschaftlich geächtet. Erst 1998 sollte der Bundestag ein Gesetz zu ihrer Rehabilitierung beschließen.

Das Deserteur-Denkmal vagabundierte. Auf dem Friedensplatz, für den es geschaffen war, konnte es mit gerichtlicher Hilfe für eine Stunde auf einem Tieflader gezeigt werden. Mal stand es dann bei der evangelischen Studentengemeinde, mal neben der Parteizentrale der Grünen. Zum Ostermarsch 1990 unter dem Motto „Es geht auch ohne Armee“ wurde es vor dem Tor des Bundesverteidigungsministeriums abgestellt.

In Bonns Partnerstadt Potsdam kommt das Denkmal auf Initiative des Freundeskreises Totalverweigerer und der Kampagne gegen Zwangsdienste und Militär. Kulturstadträtin Saskia Hüneke (Grüne) stellt in der Stadtverordnetenversammlung den Antrag, der eine breite Mehrheit findet. Zur Enthüllung am 2. September 1990 kommen mehr als 1000 Menschen, Befürworter, aber auch erbitterte Gegner. Wolf Biermann singt. Das Denkmal polarisiert.

Zunächst steht es als Leihgabe für sechs Monate. Doch die Zeit vergeht. Im September 1997 beschließen die Stadtverordneten mit großer Mehrheit die dauerhafte Aufstellung. Der Bonner Verein zur Förderung der Friedensarbeit überlässt es Potsdam als Dauerleihgabe. Zur Bundesgartenschau 2001 wird es in die Neugestaltung des Platzes der Einheit integriert.

Programm zur Jubiläumsfeier

Mit einem Festakt wird am Mittwoch um 17 Uhr am Platz der Einheit an die Enthüllung des „Denkmals für den unbekannten Deserteur erinnert“.

Um 17.45 folgt eine Stadtführung zum Thema „Desertion in der Garnisonsstadt Potsdam“ mit dem Treffpunkt Freizeit als Zielpunkt.

Dort soll es ab 18.30 Uhr zwei Gesprächsrunden geben: „Wie das Denkmal nach Potsdam kam“, unter anderem mit Saskia Hüneke, und zur Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure sowie Deserteurdenkmälern in Deutschland unter anderem mit dem Deserteur Ludwig Baumann und Günther Knebel von der Bundesvereinigung Opfer der Militärjustiz.

Zum Abschluss spiel t um 20.30 Uhr die „Sogenannte Anarchistische Musikwirtschaft“.

Mitte der 1980er Jahre wurden in westdeutschen Städten wie Bremen, Darmstadt, Mannheim und Kassel erste Erinnerungsstätten für Wehrmachtsdeserteure geschaffen. Mittlerweile gibt es mehr als 30 davon. In Potsdam steht das erste Deserteur-Denkmal der neuen Bundesländer. Um 17 Uhr wird am Mittwoch an die Einweihung erinnert.

Von Volker Oelschläger

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