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26 Hektar bergende Erde

Potsdam Teltower Vorstadt 26 Hektar bergende Erde

Der Neue Friedhof in Potsdam ist nicht nur der meistgenutzte, sondern auch mit Abstand der größte Friedhof Potsdams. Platznot ist hier für Jahrzehnte nicht zu befürchten. Ein eiliger Rundgang mit dem Chef über Potsdams Gräber fördert interessante Details und überraschende Geschichten ans Licht.

Heinrich-Mann-Allee 25, Potsdam 52.3858397 13.0700137
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Gunther Butzmann im „Garten der Erinnerung“ mit gärtnergepflegten Gräbern.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Teltower Vorstadt. Wer mit Gunther Butzmann Schritt halten möchte, muss flink sein. Nicht nur zu Fuß. Butzmann, 54, und Herr über Potsdams Friedhöfe, hat viel zu erzählen und viel zu zeigen. Und die Zeit ist knapp, das wissen alle, deren Beruf vom Tode herrührt.

Das Thema ist groß, die Fläche ist es nicht minder: 26 Hektar misst der Neue Friedhof an der Heinrich-Mann-Allee, er ist der größte Friedhof in Potsdam und zugleich der einzige aktive in der Kernstadt – auf dem an der anderen Straßenseite gelegenen Alten Friedhof ist nur noch Platz für Urnenbestattungen. Rund 15 000 Grabstellen liegen indes auf dem Neuen Friedhof, 500 Bestattungen kommen jährlich hinzu. Eine vierte Erweiterung des 1866 angelegten Areals ist nicht denkbar: hinten, im Westen, grenzt es an den Wissenschaftspark auf dem Telegrafenberg, nach Südosten liegt die Bebauung an der Kunersdorfer Straße.

Ein gärtnerbetreutes Grab auf dem neuen Friedhof

Ein gärtnerbetreutes Grab auf dem neuen Friedhof.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein Platzproblem droht in den nächsten Jahrzehnten indes nicht, sagt Butzmann. Dafür ist auch der Trend zum Urnengrab verantwortlich: Nur noch acht Prozent der Hinterbliebenen entscheiden sich für eine Erdbestattung, 92 Prozent wählen die Urne als letzte Ruhestätte. „Ein Friedhof ist auch ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Butzmann dazu. Auf den eingemeindeten Dörfern sei etwa nach wie vor Erdbestattung die häufigste Form der Grablege, doch in den Städten stürben viele allein oder mit einem ebenfalls hochbetagten Partner und wollten niemanden mit der Grabpflege belasten. Deshalb gibt es auf dem Neuen Friedhof ein besonderes Angebot – die gärtnerisch gepflegte letzte Ruhestatt im „Garten der Erinnerung“: Zusätzlich zu den Kosten für das Grab (Urne: 20 Jahre, Sarg: 25 Jahre) schließen Hinterbliebene mit der Friedhofsgärtnergenossenschaft in Karlsruhe einen Vertrag. Die wiederum beauftragt zwei lokale Gartenbaufirmen, für diese Zeit das Grab in Ordnung zu halten – als kleine Lösung das sogenannte „Grüngrab“ mit Bodendeckern, für anspruchsvollere ein Grab mit Wechselpflanzung – Stiefmütterchen im Frühjahr, Eisbegonien im Sommer, Erika und Silberkraut im Herbst sowie eine Abdeckung im Winter. Auch Mischgrablegen aus Urne und Sarg sind in diesem Garten möglich.

Gunther Butzmann eilt derweil weiter, seinen Lieblingsplatz im Neuen Friedhof zu verraten. Er liegt an einer Allee aus Rot- und Stieleichen, die Fläche ist „bewegt“, sanfte Hügel, eine Hanglage, ganz ruhig und doch nicht zu glatt, zu ebenmäßig: „Da kommt der Landschaftsgärtner durch“, sagt er – Butzmann lernte erst Gartenarchitektur auf der Freundschaftsinsel und studierte das Fach danach, um seit 30 Jahren nun Potsdams Friedhöfe zu betreuen. Er setzt sich dann doch nicht hin. Ein schnelles „hier könnte man eigentlich schön verweilen“, schon eilt er weiter. Der Konjunktiv arbeitet gegen die Rast, und die Arbeitslast wohl auch. 15 kommunale Friedhöfe wollen wohlbestellt sein – mit 46 Mitarbeitern.

Arbeit bleibt da stets genug, auch für den wettergegerbten Chef mit den sehr wachen Augen hinter der Brille. Auf dem Alten Friedhof wird die Arnimsche Kapelle, die vormals ohne Funktion war, gerade saniert. Sie soll als zusätzliche Trauerhalle fungieren und künftig verhindern, dass die Urnen nach der Feier auf dem Neuen Friedhof wenig pietätvoll über die vierspurige Heinrich-Mann-Allee getragen werden müssen, mit den Trauernden hinterdrein. Auf dem Gräberfeld des Ersten und Zweiten Weltkriegs auf dem Neuen Friedhof werden die von Nässe angegriffenen Sandsteine neu befestigt – der Weg, der dorthin führt, heißt übrigens unter Mitarbeitern „Weizsäckerweg“, weil er 1993 kurz vor dem Besuch des damaligen Bundespräsidenten saniert wurde. „Das war aber lange geplant, viel länger, als wir von dem Besuch wussten“, versichert Butzmann lächelnd.

Dann eilt er fort.

 

Von Jan Bosschaart

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