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2757 Flüchtlinge vom Potsdamer Klinikum untersucht

Flüchtlinge in Potsdam 2757 Flüchtlinge vom Potsdamer Klinikum untersucht

Je länger der Bürgerkrieg in Syrien dauert, desto schlechter ist auch der Gesundheitszustand der Flüchtlinge. 2757 hat das Potsdamer Klinikum „Ernst von Bergmann“ bislang untersucht. Dafür wurden ein Arzt und eine Helferin neu eingestellt; vieles wird aber auch durch Personal auf Abruf erledigt. Vor allem das Röntgen ist ein Engpass. Die Kapazitäten werden jetzt ausgebaut.

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Ein Arzt untersucht eine Flüchtlingsfamilie und erfasst den Gesundheitszustand.

Quelle: dpa

Innenstadt / Templiner Vorstadt. Der Gesundheitszustand der Flüchtlinge in Potsdam ist nicht schlimmer als der der deutschen Bevölkerung, aber verschlechtert sich zusehens. Das hat Thomas Pfeiffer, der für die ambulanten Dienste zuständige kaufmännische Geschäftsführer der Poliklinik „Ernst von Bergmann“, am Dienstag dem Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung gesagt. Der Zustand der Flüchtlinge werde mit zunehmender Dauer und Härte des Bürgerkrieges schlechter. „Die medizinische Versorgung muss sehr gut gewesen sein vor dem Krieg“, sagte Pfeiffer: „Diabetiker zum Beispiel waren mit ihren Medikamenten anfangs top eingestellt.“

Der kaufmännische Geschäftsführer der Poliklinik des Klinikums, Thomas Pfeiffer

Der kaufmännische Geschäftsführer der Poliklinik des Klinikums, Thomas Pfeiffer.

Quelle: Rainer Schüler

2757 Flüchtlinge sind bislang im städtischen Klinikum und vor Ort in den Erstaufnahmen Heinrich-Mann-Allee und Ferch untersucht worden. Die Zahl der hoch ansteckenden Tuberkulosefälle sei „kleiner als 20“ und damit nicht dramatischer als in der heimischen Bevölkerung. Tbc sei auch unter Deutschen nicht ausgestorben, sagte Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elona Müller-Preinesberger; im Ausschuss wurde in dem Zusammenhang auf Obdachlosenheime verwiesen. Auch auf die relativ weit verbreitete Krätze werden Flüchtlinge untersucht, doch konnte dazu niemand Zahlen nennen.

Wie sehr auch das Klinikum von der Flüchtlingswelle des vergangenen Herbstes überrascht wurde, überraschte auch den Ausschuss. Am 14. September um 12 Uhr mittags hatte man Krisensitzung, um den Auftrag des Ministeriums zu erfüllen. Einen Tag später eröffnete in den Räumen einer umzubauenden Praxis die Erstuntersuchungsstelle. Dafür konnte man drei Ärzte und fünf Pflegekräfte aus dem Ruhestand holen; das geht laut Pfeiffer inzwischen nicht mehr. Heute sind ein Arzt und eine medizinische Fachangestellte fest eingestellt; dazu kommen Ärzte und Pfleger auf Abruf. Sie können pro Tag 30 bis 50 Flüchtlinge untersuchen, auch röntgen, doch das ist der schlimmste Engpass, weil die technischen Kapazitäten des Klinikums und der Poliklinik weitgehend ausgelastet sind. Deshalb wird jetzt eine leer stehende Praxis umgebaut und mit Extra-Röntgentechnik ausgestattet. Bislang werden die Leistungen weitgehend bezahlt, aber nicht komplett. Die Erweiterung erzeugt Regelungsbedarf.

Was die Klinik tut

Die Flüchtlingspraxis liegt im dritten Stock der Poliklinik „Ernst von Bergmann“ und hat Montag bis Freitag von 8.30 bis 16 Uhr geöffnet. Sie besteht aus drei Arztzimmern, einem Anamnesezimmer, wo eine Arzthelferin den Gesundheitszustand mit Hilfe von Anamnesebögen in vielen Sprachen erfasst, einer Anmeldung und einem Wartebereich im Flur.

Das Röntgen erfolgt in der Poliklinik sowie im Klinikum neben dem laufenden Betrieb.

Ein Blutbild wird nicht gemacht. Man fragt aber dem Impfstatus ab, über den entweder ein Impfausweis gute Auskunft gibt, oder es gibt gar keine Erkenntnisse. Bei Kindern wird der Impfstatus mit Einverständnis der Eltern in der Erstaufnahmeeinrichtung aufgefrischt.

Im Dienst sind zwei bis drei Ärzte und bei Bedarf ein Kinderarzt, dazu drei bis vier Arzthelferinnen bzw. Krankenschwestern und eine Administrationskraft.

Pro Tag können bis zu 50 Flüchtlinge untersucht werden. Man will die Kapazität auf 100 aufstocken und hätte dann bis 18 Uhr geöffnet.

Ein Shuttle des EvB holt jeweils acht Flüchtlinge aus den Einrichtungen Ferch und Heinrich-Mann-Alle (HMA) ab und fährt sie im Wechsel wieder zurück. Die Auswahl der Personen erfolgt durch die jeweilige Einrichtung

Das Klinikum nutzt ein Videodolmetscher-System, wie es auch die Stadt nutzt, außerdem Sprachkundler aus den eigenen Beschäftigtenreihen.

Von Rainer Schüler

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