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Potsdam 600 000 Euro für Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße
Lokales Potsdam 600 000 Euro für Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße
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02:16 12.03.2018
Uta Gerlant ist die neue Leiterin der Gedenkstätte Lindenstraße im Herzen von Potsdam. . Quelle: Friedrich Bungert
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„Jetzt hamma’s“, sagte Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) mit sichtlicher Zufriedenheit. Und Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) legte nach: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Tatsächlich geht mit der Gründung der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße, die am Montag im Saal der Gedenkstätte vorgestellt wurde, ein jahrelanger Vorbereitungsprozess zu Ende.

Doch kurz vor Weihnachten konnte dann endlich die Stiftungsurkunde überreicht werden. Erst in der vergangenen Woche konstituierte sich der Stiftungsrat unter Vorsitz von Birgit-Katharine Seemann, die Fachbereichsleiterin Kultur und Museen im Rathaus ist.

Die Stiftung wird mit 600 000 Euro pro Jahr ausgestattet. Finanziell sind die Lasten jetzt auf zwei Schultern – auf die des Landes und der Stadt – verteilt: Sie geben jeweils 300 000 Euro.

Bei den Besucherzahlen ist Luft nach oben

Aber was verändert nun durch die Stiftungsgründung für die Gedenkstätte, die bis 2011 des Potsdam-Museums war und später in die Zuständigkeit des Oberbürgermeister-Bereichs beziehungsweise des Kulturressorts fiel?

Auf jeden Fall soll sich die Strahlkraft des Hauses mit seiner wechselvollen Geschichte (siehe Kasten) verstärken. „Wir halten die Gedenkstätte für einen wichtigen zentralen Erinnerungsort – die multiple und komplexe Geschichte ist wichtig fürs ganze Land“, sagte Gorholt.

Beklemmender Blick in die Räume des Ex-Stasi-Knasts. Quelle: Friedrich Bungert

Bei den Besucherzahlen gibt es noch Luft nach oben. Ungefähr 20 000 Besucher hatte die Gedenkstätte Lindenstraße im Jahr 2015, inklusive der 5000 Schüler in der Projektwerkstatt.

Uta Gerlant ist die neue Gedenkstellenleiterin

Die Frau, der man die Steigerung dieser Besucherzahlen zutraut, ist auch schon gefunden: Die gebürtige Potsdamerin Uta Gerlant wird ab Sommer 2016 die Gedenkstätte leiten. Derzeit arbeitet sie noch in Berlin als Vorstandsreferentin der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die Zahlungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter leistete. Anschaulich schilderte die studierte Historikerin – Schwerpunkt osteuropäische Geschichte – am Montag ihren Werdegang: 1991 leistete sie einen Freiwilligendienst mit der Aktion Sühnezeichen bei „Memorial“ im damaligen Leningrad, wo sie die Schicksale ehemaliger Gulag-Opfer kennenlernte. Eine bewegende Erfahrung: „Von den stalinistischen Verfolgungen hatte ich bis dahin nichts gehört.“ Nach ihrer Rückkehr gründete sie „Memorial Deutschland“. Verstärkte länderübergreifende Vernetzung möchte Gerlant auch in der Lindenstraße initiieren, etwa durch die Zusammenarbeit mit ähnlich ausgerichteten Gedenkstätten in Litauen und anderen europäischen Ländern. In der Gedenkstätte selbst – einst unter zwei Regimes ein Ort der Folter beziehungsweise der Unrechtsjustiz – könnten künftig Kurse in Menschenrechtsbildung angeboten werden.

„Es gibt kein Leitsystem für die Gedenkstätte“

Ein Problem ist immer noch ihre mangelnde Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Der langjährige Vorsitzende der Fördergemeinschaft Lindenstraße, Claus Peter Ladner, legte am Montag den Finger in die Wunde: „Es gibt kein Leitsystem für die Gedenkstätte.“ Außerdem fehlt eine Hinweistafel an der Gedenkstätte, die die wechselvolle Geschichte des Hauses aufzeigt. Hier müsste mit der Denkmalpflege ein Konsens gefunden werden, so Ladner. Staatssekretär Gorholt zeigte Verständnis für das Anliegen: „Es ist in erster Linie kein Denkmalort, sondern ein Ort mit grausamer, vielschichtiger Vergangenheit. Darauf sollte auch außen hingewiesen werden.“ Stiftungsratsvorsitzende Seemann sekundierte: „Wir unterstützend das Ansinnen der Wahrnehmbarkeit in der Stadt.“

Von Ildiko Röd

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