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Potsdam 70 Chefredakteure debattieren über Pressefreiheit
Lokales Potsdam 70 Chefredakteure debattieren über Pressefreiheit
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12:51 13.09.2017
Der im deutschen Exil lebende türkische Journalist Can Dündar hält bei M 100 die Eröffnungsrede. Quelle: dpa
Potsdam

Der türkische Journalist Can Dündar weiß, wovon er spricht, wenn es um „Demokratie oder Despotie“ geht. Seit mehr als einem Jahr lebt er in Deutschland im Exil. Der Grund: Weil er als Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ über geheime Waffenlieferungen aus der Türkei an Islamisten in Syrien berichtete, wurde er in Istanbul 2016 zu einer fast sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Dass er die Türkei unter Präsident Recep Erdogan für eine „islamische Diktatur“ hält, dürfte er in seiner Heimat nicht laut sagen.

„Demokratie oder Despotie? Die Renaissance der dunklen Mächte“ ist das Thema der diesjährigen internationalen Medienkonferenz M 100 in Potsdam, bei der Can Dündar am Donnerstag die Eröffnungsrede halten wird. Mehr als 70 Chefredakteure internationaler Medien, Historiker und Politiker aus 21 Ländern sind zu dem Colloquium in der Orangerie im Park Sanssouci angekündigt, um über den derzeitigen Zustand und die Zukunft Europas zu diskutieren. Im Zentrum der Debatten steht freilich die Pressefreiheit und die Verantwortung von Journalisten im Zeitalter von Propaganda, Fake News und der neuen Macht der Sozialen Medien.

Aus Deutschland werden unter anderem der ehemalige Leiter des ARD-Hauptstadtbüros, Ulrich Deppendorf und WDR-Chefredakteurin Sonja Mikich teilnehmen. Mit dabei sein wird unter den Vertretern der regionalen Medien auch MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa.

Die M 100-Tagung findet seit 2005 jedes Jahr in Potsdam statt und diskutiert regelmäßig und durchaus selbstkritisch über Rolle und Einfluss der Medien auf die Politik. Wie in den vergangenen Jahren geht dem Colloquium ein Ausbildungsseminar für junge, angehende Journalisten aus Osteuropa voraus. Seit vergangenen Freitag setzen sich in Potsdam 15 ausgewählte Nachwuchsjournalisten aus Armenien, Aserbaidschan, Weißrussland, Georgien, Moldawien und der Ukraine mit der Frage auseinander, wie unabhängiger Journalismus finanziert werden kann.

Der M 100-Award für besondere Verdienste um den Schutz der freien Meinungsäußerung geht in diesem Jahr an die russische Journalistin Natalja Sindejewa. Das von ihr 2010 gegründete Doshd-TV ist in Russland einer der wenigen Fernsehsender, der regierungsunabhängig arbeitet und zum Beispiel 2011 über die Proteste nach den Parlamentswahlen berichtete. Mittlerweile ist ihr Sender nur noch via Internet zu empfangen. Aber Sindejewa macht weiter. Der Preis der europäischen Presse wird im Anschluss an das Colloquium von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) an sie übergeben.

Von Mathias Richter

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