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Potsdam Neue Ziegel für Cecilienhof statt Festbankett
Lokales Potsdam Neue Ziegel für Cecilienhof statt Festbankett
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02:18 28.06.2015
Trotz der Gerüste und des Baulärms, ist das Schloss Cecilienhof zu besichtigen. Rund 1000 Besucher nutzen das Angebot täglich. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Gerade kommt wieder eine Ladung vom Dach hinab, zig Ziegel, die ein Bauarbeiter auf einer Palette mit der Hand sortiert. Er wird noch einiges zu tun haben. Der Sanierungsplan für das Schloss Cecilienhof sieht vor, alle 360 000 Dachziegel zu entnehmen, zu säubern und wieder einzusetzen oder, falls sie kaputt sind, auszutauschen.

Die Arbeiten befinden sich mitten im zweiten von vier Bauabschnitten. Und das wenige Wochen vor dem 70. Jahrestag der Potsdamer Konferenz, bei der die USA, Großbritannien und die Sowjetunion das weitere Vorgehen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs festlegten. Statt einen Festakt zu feiern, bietet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Baustellen-Besichtigungen und Vorträge an. Große Feiern sollen erst zum 75. Jahrestag stattfinden.

Die Großen Drei: Im Juli 1945 trafen sich (v.l.) Churchill, Truman und Stalin in Potsdam, um die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg neu zu ordnen. Quelle: ullstein bild

Die Sanierung dauert planmäßig bis 2017, die Kosten, die zur Hälfte vom Bund sowie von den Ländern Brandenburg und Berlin getragen werden, liegen bei 9,7 Millionen. „Wir sind voll im Kosten- und Terminplan“, sagt Olaf Saphörster, der Koordinator der Sanierungsarbeiten.

Zurzeit haben sich die Mitarbeiter die Dächer, Schornsteine, und Außenanlagen des zwischen 1914 und 1917 errichteten Schlosses vorgeknöpft. Darunter die wohl mühsamsten Dachdecker-Arbeiten, die das Land momentan zu bieten hat. Jeder einzelne Ziegel muss raus, egal ob er beschädigt ist der nicht. Neben den verwitterten und verdreckten Exemplaren, die gesäubert werden, liegen auch solche, die eine Ziegelei in Rheinland-Pfalz gefertigt hat. Der Anteil der zerstörten Ziegel liegt bei knapp einem Drittel.

Etwa ein Drittel der Ziegel ist zerstört. Aber auch die übrigen werden ausgebaut und aufgearbeitet. Quelle: Julian Stähle

Die Schornsteine prägen den britischen Landhaus-Stil des letzten Schlossbaus der Hohenzollern maßgeblich, zumal es 38 davon gibt. Klar also, dass auch sie im Fokus der Sanierung stehen. Einen einzelnen Schornstein komplett zu sanieren kostet bis zu 150 000 Euro. Ein belgischer Betrieb hat Ziegelsteine gebrannt, die an die Stellen der zerbröckelten Steine gesetzt werden.

Führungen über die Schlossbaustelle

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 stand das Schloss Cecilienhof im Mittelpunkt der Weltpolitik. Josef Stalin, Harry Truman und Winston Churchill, sowie sein Nachfolger Clement Atlee führten für die Sowjetunion, die USA und Großbritannien die Verhandlungen. Das ausgehandelte Potsdamer abkommen regelte unter anderem die politische und geografische Neuordnung Deutschlands und die Reparationen, die das Land zu leisten hatte.

Bei mehreren Führungen können Besucher einen Blick hinter die Kulissen der Baustelle werfen. Am Samstag, 27. Juni, gibt es um 11 Uhr, 12.30 Uhr und 14 Uhr Führungen, für die eine Anmeldung erforderlich ist unter 0331 / 96 94 20 0.

Vom 3. Juli bis zum 4. September gibt es jeden Freitag um 17 Uhr Führungen und Vorträge zu der Potsdamer Konferenz. Anmeldungen werden ebenfalls telefonisch entgegengenommen. Am 17. Juli dreht sich der Vortrag um die Villen der „Großen Drei“ am Griebnitzsee, 24. Juli geht es um die polnische Delegation und am 31. Juli ist der Titel der Führung „Der berechnende Stratege: Joseph Stalin und die sowjetische Delegation auf der Potsdamer Konferenz“.

In der Villa Quandt liest der Autor Thomas Kielinger am 4. Juli um 15 Uhr aus seiner Biografie „Winston Churchill. Der späte Held“. Der Eintritt zu der Lesung und auch zu den anderen Vorträgen und Führungen kostet acht Euro, ermäßigt sechs Euro. Auch für die Lesung wird um telefonische Anmeldung gebeten.

Dass Unternehmen aus dem Ausland an dem Millionenprojekt beteiligt sind, ist eher eine Ausnahme. „Etwa 75 Prozent aller beauftragten Betriebe kommen aus Berlin und Brandenburg“, sagt Schlossbereichsleiter Harald Berndt. In 38 Gewerken seien die Mitarbeiter zugange, zum Beispiel an den Gartenstützmauern. Dort haben sie die Kugeln mit eingeprägten Sowjetsternen abgenommen, um sie zu reinigen. Die Mauersteine liegen wacklig aufeinander, Teile sind rausgerissen. Rüdersdorfer Kalkstein wartet darauf, im unteren Bereich eingebaut zu werden. Die Mauerarbeiten seien dringend und sollen im Juli abgeschlossen sein. „Das würde sonst in sich zusammenkippen“, sagt Olaf Saphörster.

Die Kugeln mit eingeprägten Sowjetsternen wurden von den Gartenmauern genommen. Quelle: Julian Stähle

Weil sich die Schlösser-Stiftung entschlossen hat, weiterhin das Gebäude für Besichtigungen zu öffnen, winden sich zurzeit rund 1000 Besucher täglich vorbei an Gerüsten und Maschinen. „Wir wollen das Schloss offen halten, auch wenn es logistisch extrem schwierig ist“, sagt Schlossbereichsleiter Harald Berndt.

Von Maurice Wojach

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