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Rentner (82) plündert Konto einer Toten

Prozess am Potsdamer Amtsgericht Rentner (82) plündert Konto einer Toten

Heinz R. ist 82 Jahre und muss sich wegen Untreue verantworten. Er soll das Konto seiner toten Tante Erika geplündert haben, um Ausflüge ins Casino zu finanzieren. Für das Potsdamer Amtsgericht, das sich mit dem Fall befasst, ist Heinz R. kein Unbekannter. Er war nämlich schon einmal wegen Betrugs verurteilt worden. Die Geschädigte damals – Tante Erika.

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Ein Senior beim Glücksspiel.

Quelle: Fotolia

Teltow. Die Schritte klein. Das Gesicht fahl. Er beugt sich tief über den Rollator, in dessen Korb er den Regenschirm, einen kleinen Apfel und eine neongelbe Warnweste verstaut hat. Heinz R. ist 82 Jahre alt. Er geht in Zeitlupe, spricht in Zeitlupe. Ein Parkinson-Patient, der inzwischen nicht mehr in der vertrauten Teltower Umgebung, sondern im Pflegeheim in Berlin lebt. – Sieht so ein Zocker aus, der Tausende Euro vom Konto einer Toten stielt und anschließend im Casino verballert?

Genau das soll Heinz R. getan haben. Ihm wird Untreue vorgeworfen. Neun Mal soll er sich am Konto seiner Tante Erika H. bedient und rund 8000 Euro „zur überwiegenden Finanzierung seiner Spielsucht“ erbeutet haben. Auf das Konto überwies das Jobcenter auch das Geld für den geistig behinderten Enkel von Erika H. Mit dem Fall beschäftigt sich nun das Potsdamer Amtsgericht.

Angeklagte sagt, er wäre berechtigt gewesen, Geld abzuheben

Dokumentiert ist, dass Heinz R. vom 1. bis 6. März 2013 sowie am 13. Mai 2013 mit der EC-Karte der Tante jeweils 1000 Euro am Geldautomaten der Postbank in der Oderstraße in Teltow abgehoben hat. Am 22. März zog er sich 400 Euro am Potsdamer Platz in Berlin. Außerdem hat er in diesem Zeitraum in Stahnsdorf mit der EC-Karte die Reparatur seines Autos bezahlt – die schlug mit 589,95 Euro zu Buche.

Heinz R. bestreitet mit keiner Silbe, dass er das Geld abgehoben hat. Er sieht sich aber dazu berechtigt. Über seine Anwälte lässt er in der Verhandlung am Mittwoch eine Erklärung verlesen. Demnach ist die Anklage „gänzlich unzutreffend“. Zum einen habe ihm die Tante, die er bis zu ihrem Tod acht Jahre lang pflegte, eine Konto-Vollmacht erteilt. Zum anderen sei er ihr Erbe – und zwar der einzige. Die Anwälte präsentieren denn auch ein Testament. Erika H. soll es 2012 selbst niedergeschrieben haben. Darin heißt es: „Ich bestimme meinen Neffen Heinz R. zum alleinigen Erben. Das ist mein letzter Wille.“ Er sei zwar nicht dabei gewesen, als Tante Erika das Testament schrieb, habe aber davon gewusst, beteuert Heinz R. Vom abgehobenen Geld habe er Nachlassverbindlichkeiten – etwa Tante Erikas Beerdigung – bezahlt.

Wieviel Geld durfte Heinz R. abheben?

Dubioses Detail: Erika H. starb am 5. März 2013, Heinz R. begann aber bereits am 1. März damit, Tag für Tag 1000 Euro von ihrem Konto zu nehmen. Für die Beerdigung? „Man muss doch Vorsorge treffen“, kontern die Verteidiger die Nachfrage von Richterin Christine Rühl. „Es war vorhersehbar, dass die Dame stirbt.“ Richterin Rühl wendet ein, dass man die Rechnung für eine Bestattung üblicherweise nicht bar, sondern per Überweisung begleicht: „Was Sie hier erzählen, ist lebensfremd. Das glaubt Ihnen kein Mensch.“

Zu klären ist in diesem Fall, der vorerst auf Eis gelegt wurde, noch einiges. Etwa, welche Rolle ein früherer Fehltritt des Angeklagten spielt: Heinz R. war 2010 wegen Betrugs schuldig gesprochen und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Geschädigte damals war – Tante Erika. Zu klären ist außerdem, wie viel Geld Heinz R. qua Vollmacht überhaupt abheben durfte. Und auch die Vollmacht selbst steht auf dem Prüfstand, denn kein halbes Jahr vor ihrem Tod hatte Tante Erika offenbar eine neue Bevollmächtigte eingesetzt und gleichzeitig dem Neffen das Mandat entzogen. Die Verteidiger behaupten, dass dieses Papier gefälscht ist – es handle sich nicht um dasselbe Schriftbild. Mit fortschreitendem körperlichen Verfall, meint indes die Staatsanwaltschaft, verändere sich auch die Schrift – was ein Gutachter zweifelsfrei klären könne.

Vielleicht kann Elvira K. Licht ins Dunkel bringen. Sie ist die Frau, die im strittigen Papier genannt wird. Allerdings erschien sie nicht vor Gericht – und ohne ihre Aussage, das machte Richterin Rühl klar, geht’s nicht. Der Prozess wird am 6. April neu aufgerollt.

Von Nadine Fabian

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