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Potsdam Ab wann sollten Kinder kokeln?
Lokales Potsdam Ab wann sollten Kinder kokeln?
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11:47 14.03.2018
Kinder kontrollieren ihr Feuer, hier in der Kita Secret Garden Berlin Quelle: Kain Karawahn
Potsdam

Sollen kleine Kinder schon selbstständig Kerzen anzünden und Lagerfeuer entfachen können? Und sind Kindergärten der richtige Lernort dafür? Die Erzieherinnen und Erzieher im 1. Ausbildungsjahr am Oberstufenzentrum Johanna Just in Potsdam sind da verschiedener Meinung. Ihre Kitas handhaben offene Feuer und den Umgang damit unterschiedlich: In manchen Einrichtungen gibt es Kerzen zum Geburtstag, in den meisten aber dominieren LED-Kerzen, etwa auch in Lampions. Es gibt Einrichtungen, da sind Flammen gleich welcher Größe ganz verboten.

„Feuer hat etwas Magisches. Ich finde es richtig, aufzuklären und weg von der Tabukultur zu gehen. Weg von ,Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht’“, sagt Klassensprecher Matthias Hahn. Ähnlich sieht das Anni Gruhn. „Früher war das immer mit einem Verbot behaftet: Was heiß ist, darf man nicht anfassen“, sagt die angehende Erzieherin. Sie befürwortet es, Kindern unter pädagogischer Anleitung den kontrollierten Umgang mit Feuer zu lehren.

Einen pädagogisch-kreativen Zugang zum spielerischen Umgang mit Feuer lassen sich Erzieherinnen im 1. Ausbildungsjahr am OSZ Johanna Just in Potsdam in dieser Woche bei einem Workshop zeigen. Im Bild: eine von drei Erzieher-Klassen mit Lehrerin Christin Herzberg (ganz links). Quelle: Michaela Grimm

Zu den Skeptikern so früher Feuererziehung gehört Lea Müller. Ihre Befürchtung: „Vielleicht finden die Kinder Streichhölzer danach ganz spannend, weil das Zündeln in der Kita so viel Spaß gemacht hat, und probieren sich dann alleine aus“. Lea Müller hält das für gefährlich. Franca Ossowski denkt anders: „Vielleicht entstehen durch Verbote kleine Feuerteufel.“ An einen Vorfall in der eigenen Kindheit erinnert sie sich bis heute gut: Beim Erhitzen eines Taschenwärmers im Kochtopf hat sie als Drittklässlerin einmal versehentlich ein Buch abgefackelt. Daher ist ihr wichtig, Kindern zu vermitteln, wie Feuer kontrolliert wird und was im Notfall zu tun ist. Eine andere Mitschülerin wollte als kleines Kind eine Glühbirne abdunkeln – mit einem Nachthemd. Das Hemd verschmorte über Nacht. Sie traute sich aber nicht, den Eltern davon zu erzählen.

Lehrerin und Schüler sammeln Geld für freiwillige Weiterbildung

Lehrerin Christin Herzberg wollte ihre Schülerinnen eigentlich nur über das Thema diskutieren lassen. In der Berliner Kita ihrer eigenen Kinder hatte es einen Workshop gegeben, bei dem Kinder selbstständig Feuer machen lernten. Herzberg war davon begeistert. Das Konzept „feuerMACHEN kulturell – Weiterbildung zur Erlangung der Lehrkompetenz Feuer für Kita und Grundschule“ mit kreativen Ideen für Experimente findet aber auch die Mehrheit von Christin Herzbergs Schülern so toll, dass sie sich ab heute von Künstler und Dozent Kain Karawahn weiterbilden lassen. Ihr Kollegium hat Christin Herzberg erst länger überzeugen müssen. Nun sammelt die Pädagogin noch Geld für den Zusatzkurs über den OSZ-Förderverein, der bereits einen großen Teil der Kosten trägt.

Der Kurs kostet insgesamt knapp 1300 Euro inklusive Material. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Ausgewählt wurden die teilnehmenden Schüler per Los und je nach freiwilliger Meldung. Für einige Erzieher-Schüler, sagt Christin Herzberg, sind die verbleibenden 30 Euro Selbstbeteiligung schlicht zu teuer. Die Teilnehmenden erhalten Zertifikate und geben ihr Wissen nach dem Workshop weiter an ihre Klassenkameraden, sie schulen sich also gegenseitig.

„Feuer wird verbannt“, sagt Karawahn

Kain Karawahn spielt seit den achtziger Jahren berufsmäßig mit Feuer und entwickelte daraus ein Lehrmodell. Mit brennenden Performances wie der Berliner „Mauer in Flammen“ 1984 macht er sich in der Kunstwelt einen Namen. Seitdem brennt er für „Feuer im öffentlichen Raum, ohne dass es zu einer Zerstörung führt“. 2003 hat ihn zum ersten Mal eine Kita angefragt. Auf der Suche nach geeigneter Literatur wurde er nicht fündig – und zum Autodidakt. „Wasser, Erde, Luft: Mit all dem wird experimentiert, das wird angefasst, es wird gematscht. Aber das Feuer wird verbannt“, sagt Karawahn. Einer seiner Workshops wurde 2012 mit dem Weiterbildungspreis vom Brandenburger Bildungsministerium ausgezeichnet. Die Unfallkasse Berlin und der Berliner Senat zählen seit vielen Jahren zu Karawahns Auftraggebern.

In der Kindheit des Künstlers Jahrgang 1959 wurde noch mit Öfen geheizt und gekocht. Damals gab es eher Tadel, wenn ein Feuer ausging. Diese „familiäre Feuerkompetenz fehlt heute“, sagt Karawahn, und bemängelt, dass Feuer in erster Linie als Gefahr vermittelt werde, als etwas Böses, das Angst macht, obwohl es zugleich faszinierend ist. Aus Scham und Angst vor Strafe würden Kinder eher schweigen statt schreien, wenn ein Brand außer Kontrolle gerät. Karawahns Forderung: „Die Begegnung von Kind und Feuer und Feuer als etwas Selbstgemachtes gehört in die frühkindliche Bildung.“ Im Gegensatz zum Wehrmodell von Feuerwehren verfolge er ein Lehrmodell, bei dem Kinder einen eigenen Weg finden, ein schönes Feuer zu machen, dabei Sicherheiten einbauen und den Feuerort schadenfrei belassen.

Eine möglichst frühe Feuererziehung ab dem 3. Lebenjahr empfiehlt auch Rainer Schulz von der Gefahrenabwehr bei der Potsdamer Feuerwehr: „Die Heranführung an den Umgang mit Feuer unter pädagogischer Begleitung sollte ab dem Kindergartenalter beginnen.“

Von Michaela Grimm

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