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Abriss-Debatte um Mercure spaltet Potsdam

Zukunft des Lustgartens Potsdam Abriss-Debatte um Mercure spaltet Potsdam

Kauft die Stadt Potsdam das Mercure-Hochhaus und reißt es dann ab? Am 27. Januar sollen sich Potsdams Stadtverordnete dazu positionieren. Nachdem sich Manfred Stolpe für den Erhalt des Hochhauses ausgesprochen hat, kocht die Diskussion wieder hoch. Weitere Stadtpolitiker äußern sich über Kauf und Abriss des Mercure – und wie das zu finanzieren wäre.

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Das Hotel Mercure am Potsdamer Lustgarten.

Quelle: MAZ

Potsdam. Die Debatte um den Kauf und den Abriss des Mercure-Hotels – unter anderem mit städtischem Geld – nimmt weiter an Fahrt auf. Linken-Kreischef Sascha Krämer übte Wochenende Kritik an den Plänen: „Potsdam sollte, wenn es Geld übrig hat, über langfristige Projekte, wie einen verbesserten, vielleicht ticketfreien öffentlichen Personennahverkehr nachdenken.“

Dass irgendwann anstelle des Hotel-Hochhauses eine „Wiese des Volkes“ entstehen soll, hält Krämer für überflüssig – schließlich gebe es ja bereits eine Grünfläche. „Was ist der Lustgarten anderes als ein Wiese für das Volk?“, fragt der Linken-Politiker in Richtung Stadtverwaltung, vor der die neuen Mercure-Pläne kürzlich vorgelegt wurden. Laut Krämer erfült der Lustgarten schon seiner Freizeitfunktion: „Märkte, Rummel, Feste und politische Veranstaltungen finden hier statt. Der Platz mit Aktionsfläche, Fußball- und Basketballplatz sowie viel Grün ist beliebt und wird angenommen.“ Fazit: Eine zusätzliche „Wiese des Volkes“ anzulegen, wäre einfach nur doppelt gemoppelt.

Besser also, das Geld für anderes ausgeben, schlussfolgert der Linken-Politiker: „Dass eine Stadt, die für andere Sachen – seien es nur 98 000 Euro zur Stärkung des Ehrenamts – kein Geld hat, laut darüber nachdenkt, mehrere Millionen Euro für den Kauf und den Abriss des Mercure zu bezahlen, ist in Hinblick auf fehlende und marode Schulen, zu wenige Sportplätze einfach nur unverständlich.“

Wie berichtet, plant die Stadtverwaltung nun in der Stadtverordnetensitzung am 27. Januar einen erneuten Vorstoß, um den Koloss gegenüber vom Landtag loszuwerden und ihn durch die „Wiese des Volkes“ zu ersetzen – vorausgesetzt, das Ganze kann bezahlt werden. Vonseiten des städtischen Sanierungsträgers heißt es dazu, dass der Kauf des Hotels und dessen Abriss eventuell aus Fördermitteltöpfen finanziert werden könnten sowie aus Grundstückserlösen: „Möglicherweise unter anderem durch den Verkauf von Bauflächen am Bahndamm und auf dem Lustgarten-Stadtplatz vis-à-vis vom Filmmuseum“, präzisierte der Geschäftsführer des Sanierungsträgers, Bert Nicke, kürzlich die möglichen Geldquellen. Ob Mittel aus dem Treuhandvermögen des Sanierungsträgers fließen können, müssten allerdings die Stadtverordneten beschließen.

Wie berichtet, schlagen diese Abriss-Pläne nun hohe Wellen. Sogar der Doyen des Brandenburger Sozialdemokraten, Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe, meldete sich in dieser Angelegenheit im MAZ-Interview zu Wort – und zwar mit einer deutlichen Distanzierung von seinem Parteifreund, dem Potsdamer Oberbürgerbürgermeister Jann Jakobs, der die Abrisspläne unterstützt. Stolpe stärkt den Mercure-Betreibern nun den Rücken und rät ihnen sogar zu einer Schadensersatzklage gegen die Stadt.

In der Debatte um das Hotelhochhaus fühlt sich der frühere Landesvater gar an den Abriss des „Palasts der Republik“ in Berlin erinnert: „Auch da soll ein Stück Vergangenheit ausgemerzt werden.“

Saskia Hüneke, baupolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion in Potsdam, hielt am Sonntag dagegen – es gehe um städtebauliche Erwägungen. „Ein städtebauliches Gutachterverfahren hat im Kontext mit zahlreichen weiteren wichtigen Anregungen für die Weiterentwicklung des Potsdamer Lustgartens bestätigt, was jedem an der Straßenbahnhaltestelle am Landtag stehenden deutlich wird: das Hotel Mercure bildet mit seinem hochaufragenden Turm, aber vor allem auch mit seinen funktional untrennbar erforderlichen ausladenden Untergeschossen eine städtebauliche Barriere zwischen der Altstadt und dem dazugehörenden Lustgarten“, schildert Hüneke die aus ihrer Sicht missliche Situation im Herzen Potsdams.

Der Lustgarten als „moderner Bürgerpark inmitten der Stadt“ könne seine großen Potenziale nur entfalten, wenn die Barriere in Form des Mercure-Hotelhochhauses aufgehoben würde. Die hohe städtebauliche Qualität der Potsdamer Mitte rund um den Landtag stärke bereits jetzt erheblich die Ausstrahlung Potsdams als Landeshauptstadt erheblich. „Eine attraktive Landeshauptstadt ist gut für Brandenburg und es ist wenig hilfreich, eine abstrakte Neiddebatte zu führen“, sagte Hüneke in Richtung Stolpe. Dieser hatte davor gewarnt, die Befindlichkeiten und die Stimmungslage im Rest des Landes zu vernachlässigen. „Es wird außer Acht gelassen, dass die Mehrheit der Brandenburger in schwierigen Regionen lebt und die Potsdamer Ideen für Übermut hält“, so Stolpe im Gespräch mit der MAZ.

Hüneke verweist hingegen auf die jetzige Chance, mit einem Stadtverordnetenbeschluss die Weichen für die Zukunft des Lustgartens zu stellen. „Wenn die Stadtverordnetenversammlung untätig bliebe und keine entsprechenden Sanierungsziele formulieren würde, käme es früher oder später zu einem Neubau – welcher Art auch immer – im Format des Hotels mit allen seinen städtebaulichen Nachteilen“, gibt die Grünen-Kommunalpolitikerin zu Bedenken. Und: „Hier geht es nicht um ein Stück DDR sondern um Immobilieninteressen, denen das Ziel eines modernen Lustgartens als eines wichtigen öffentlichen Raumes in der Stadtmitte der Landeshauptstadt gegenübersteht.“

Von Ildiko Röd

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