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Abschied vom Aschenputtel

Die Mondsichelmadonna aus St. Peter und Paul leuchtet bald wieder in schönstem Himmelsblau Abschied vom Aschenputtel

Grüne Augen, Froschnatur, von der Liebe keine Spur? Von wegen! Diese Augen versprechen grenzenlose Zuneigung. „Sie waren ausgespart wie die Krone“, sagt Oliver Max Wenske.

Stachen jahrzehntelang hervor aus tristem Grau. Ein Gewand in dieser Farbe ist ja gerade en vogue. Aber zu der Trägerin schien es nicht zu passen. Sie brauchte eine Farb- und Stilberatung. Ein Job für Wenske. Der Gemälderestaurator sollte ergründen, was sie drunter trägt. Der 48-Jährige legte ein wenige Zentimeter großes Probefenster an, nahm behutsam die graue Farbe ab. Und siehe da, zum Vorschein kam herrliches Himmelsblau. So begann die wundersame Verwandlung der Mondsichelmadonna von St. Peter und Paul vom Aschenputtel zur Prinzessin. Noch verscheußelt öde Ölfarbe das Marienbildnis. Doch langsam, aber sicher zeigt sich die Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm wieder in alter Pracht. Unter ihrem blauen Mantel lugt eine Mondsichel hervor.

Bis zum Osterfest wird die Schönheitskur noch nicht vollendet sein. Denn es ist nicht allein die trübe Tünche zu tilgen. Die dicke Farbschicht hatte die Figur wie eine steinerne Skulptur erscheinen lassen. Auch Schmutz und Wachsreste müssen Wenske und seine Kollegin Grit Jehmlich entfernen, Fehlstellen ausbessern. Der Madonna ist nämlich ein Zacken aus der Krone gefallen und eine Fingerkuppe abgebrochen. In enger Absprache mit den Denkmalpflegern geht es nun Schritt für Schritt voran und „dauert, so lange es eben dauert“, sagt Klaus-Günter Müller. Regelmäßig schaut der Propst von St. Peter und Paul in der Werkstatt nach dem Rechten. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt der Geistliche, der seit 1999 die katholische Gemeinde leitet und das Schicksal der Madonna recherchiert hat. „Der Bildhauer Franz Thamm aus dem schlesischen Glatz hat sie als Auftragswerk um 1880 geschaffen. Das geht aus unseren Büchern hervor.“ Aber warum ist sie verschandelt worden? „Das muss nach dem zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren passiert sein. Man wollte besonders progressiv sein.“ Und so schwangen Bilderstürmer der Gemeinde den Pinsel unter dem Vorwand, das Holz sei wurmstichig. „Heute wird das Original wieder geschätzt. Damals galten solche Stücke als Schreinergotik“, sagt Müller.

So ist das in der Kunst. „Werke des Historismus haben heute einen ganz anderen Wert“, meint Wenske. „Das Delikate an der Figur ist die Fassung.“ Er schwärmt von der Farbigkeit, der malerischen Qualität, den ornamentalen Vergoldungen am Mantelsaum. Vor 20 Jahren war der Student an der Kunsthochschule Dresden erstmals einer Madonna näher gekommen. Sie stand ihm Modell – für eine Kopie im Stile gotischer Tafelmalerei. Bei dieser Technik leuchten die Farben so intensiv, weil Lacke auf eine Goldgrundierung aufgetragen werden. Für ihn ist Rot nicht gleich Rot und Blau nicht gleich Blau. Die originale Farbigkeit wieder erstehen zu lassen, sei zuweilen wie ein „archäologisches Puzzle“. Dafür braucht es Vertrauen vom Auftraggeber. „Das ist gewachsen in 13 Jahren gemeinsamer Arbeit“, sagt Wenske. Etliche Ausstattungsstücke der Kirche hat das Duo restauriert und so dem Vergessen entrissen.

„Wir haben eine Art Masterplan: Dach, Turm und Seitenaltäre sind fertig. Nach der Madonna ist die Herz-Jesu-Figur dran“, verkündet Propst Müller. Alles spannende Projekte, die Menschen zusammenführen, die für die Kunst brennen. „Das ist ja auch ein Dienst für Potsdam, ohne Meckern, ohne Pannen, lautlos und effektiv. Und das Schönste ist am Ende die Freude der Besucher.“ (Von Carola Hein)

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